oder wie Erichsen oder wie Pentz oder vielleicht auch ... « » ... wie Holk . « » Ich will es nicht gesagt haben . Aber brechen wir ab und rasten wir , trotzdem wir ohnehin schon zurückgeblieben sind , einen kleinen Augenblick an dieser entzückenden Stelle , von der aus wir einen guten Blick auf die Rückseite des Schlosses haben . Sehen Sie nur , alles hebt sich so wundervoll voneinander ab , das Hauptdach und die spitzen Turmdächer links und rechts , trotzdem alles dieselbe graue Farbe hat . « » Ja « , sagte Holk . » Es hebt sich alles trefflich voneinander ab . Aber das tut die Beleuchtung , und auf solche besondre Beleuchtung hin dürfen Schlösser nicht gebaut werden . Ich meine , die zwei Backsteintürme , drin wir wohnen , die hätten mit ihrem prächtigen Rot etwas höher hinaufgeführt werden müssen , und dann erst die Schiefer- oder Schindelspitze . Jetzt sieht es aus , als solle man aus der untersten Turmluke gleich auf das große Schrägdach hinaustreten , um draußen , an der Dachrinne hin , eine Promenade zu machen . « Ebba nickte , vielleicht weil ihr das Endergebnis dieser Bau- und Beleuchtungsfrage gleichgültig war , und gleich danach eilten beide rasch weiter , weil sie wahrzunehmen glaubten , daß der Pastor anhielt , um auf sie zu warten . Im Herankommen aber sahen sie , daß es etwas anderes war und daß Schleppegrell , sosehr die Zeit drängte , doch noch auf eine besondere Sehenswürdigkeit aufmerksam machen wollte . Diese Sehenswürdigkeit war nicht mehr und nicht weniger als ein am Wege liegender , etwas ausgehöhlter Riesenstein , in dessen flache Mulde die Worte gemeißelt waren : » Christian IV. 1628 . « Holk sprach im Herantreten die Meinung aus , » daß es mutmaßlich ein bevorzugter Sitz- und Ruheplatz des Königs gewesen sei « , wozu Schleppegrell bemerkte : » Ja , so war es ; es war ein Ruheplatz . Aber nicht ein regelmäßiger , sondern nur ein einmaliger . Und es knüpft sich auch eine kleine Geschichte daran ... « » Erzählen ! « riefen alle dem Pastor zu . Dieser aber zog seine silberne Gehäuseuhr , daran , an einer etwas abgetragenen grünen Schnur , ein großer Uhrschlüssel hing , und wies auf das Zifferblatt , das bereits auf zehn Minuten vor zwölf zeigte . » Wir müssen uns eilen , oder wir kommen zu spät . Ich will es beim Lunch erzählen , vorausgesetzt , daß es sich erzählen läßt , worüber ich in Zweifel bin . « » Ein Pastor kann alles erzählen « , sagte Ebba , » zumal in Gegenwart einer Prinzessin . Denn Prinzessinnen sind sich selber Gesetz , und was sie gutheißen , das geht und das gilt . Und nun gar die unsre ! Daß sie nicht nein sagen wird , dafür will ich mich verbürgen . « Und in gesteigert raschem Tempo schritt man auf das Schloß zu . Zweiundzwanzigstes Kapitel Kurz vor zwölf war man im Schlosse zurück , gerade noch früh genug , um rechtzeitig bei der Prinzessin erscheinen zu können . Pentz und die Schimmelmann , die den Dienst hatten , empfingen die Geladenen , und nachdem die bald danach eintretende Prinzessin an jeden einzelnen ein Wort der Begrüßung gerichtet hatte , verließ man die Wohn- und Empfangszimmer , um sich über einen mit Karyatiden reich geschmückten und augenscheinlich einer späteren Zeit angehörigen Korridor hin in die große Herluf-Trolle-Halle zu begeben , dieselbe Halle , darin man , am Abend vorher , bei Kaminfeuer und Kienfackeln erst die großen Bilder , so gut es ging , betrachtet und dann dem erklärenden Schleppegrellschen Vortrage zugehört hatte . Ja , die Halle war dieselbe ; trotzdem zeigte sich seit gestern insoweit eine Veränderung , als jetzt helles Tageslicht einfiel ( die Mittagsstunde hatte wieder Sonnenschein gebracht ) und allem etwas Heitres lieh , ein Eindruck , der durch eine mit Blumen und altnordischen Trinkgefäßen beinah phantastisch geschmückte Prunktafel noch gesteigert wurde . Schmuck überall , geschmückt auch die Wände . Da , wo sich die hohen Paneele mit den breiten Barockrahmen der Wandbilder berührten , hingen Mistel- und Ebereschenbündel an Girlanden von Eichenlaub , während eine quer durch die Halle gezogene Wand von Zypressen und jungen Tannenbäumen den dunklen Hinterraum von dem festlich hergerichteten Vorderraum abtrennte . Das Ganze , soviel war augenscheinlich , sollte den Weihnachtscharakter tragen oder , wie die Prinzessin sich ausgedrückt hatte , wenigstens ein Vorspiel zum Julfeste sein . Orangen , in fast überreicher Zahl , waren überall in das Tannengezweige gehängt , und kleine wächserne Christengel schwenkten ihre Fahne , während über das blitzende weiße Tischtuch hin Stechpalmenzweige lagen mit roten Beeren daran . Und nun forderte die Prinzessin die Geladenen durch eine gnädige Handbewegung auf , ihre Plätze zu nehmen . Minutenlang verblieben alle schweigend oder kamen über ein Flüstern nicht hinaus ; als aber das erste Glas Cyper geleert war , war auch die fröhliche Laune wieder da , die diesen kleinen Kreis auszeichnete . Jeder , nach voraufgegangener Aufforderung der Prinzessin , ließ sich ' s zunächst angelegen sein , über seine Schicksale während der letzten Sturmnacht zu berichten , und alle waren einig darin , daß das schöne Schloß , darin nur leider alle Fenster klapperten und in dem man in jedem Augenblicke fürchten müsse , von einem Nordwester gepackt und weggeweht zu werden , doch mehr ein Sommer- als ein Winterschloß sei . » Ja « , sagte die Prinzessin , » das ist leider so , davon kann ich mein liebes Frederiksborg nicht freisprechen ; und was fast noch schlimmer ist , ich kann auch nichts dagegen tun und muß eben alles lassen , wie ' s ist . « Und nun erzählte sie mit der ihr eigenen Jovialität , wie sie , vor Jahr und Tag schon , einen feierlichen Antrag auf » schließende Türen und Fenster « gestellt habe , was ihr aber von