. Italiener und Däne liefen vergnügt davon , und das Wimmern wurde jetzt von unserem kleinen Landsmann besorgt . » Bist Du mir böse , Martha , daß ich Deinen Sohn geschlagen ? Ich bin sonst wahrlich nicht für die Prügelstrafe eingenommen , aber Grausamkeit gegen Tiere kann mich entrüsten - « » Du hast recht gethan , « unterbrach ich . » Also nur gegen Menschen ... darf man ... grausam sein ? « fragte der Kleine mitten in seinem Schluchzen . » Auch nicht - noch weniger - « » Du hast doch selber auf Italiener und Dänen gehaut ? « » Das waren Feinde - « » Die also darf man hassen ? « » Und heute oder morgen « - wandte sich Friedrich leise an mich - » wird ihm der Pfarrer sagen , daß man seine Feinde lieben solle - o Logik ! « Dann laut zu Rudolf : » Nicht , weil wir sie hassen , dürfen wir unsere Feinde schlagen , sondern weil sie uns schlagen wollen . « » Und warum wollen sie uns schlagen ? « » Weil wir sie - nein , nein , « unterbrach er sich , » aus diesem Cirkel find ' ich keinen Ausweg . Geh spielen , Rudi - wir verzeihen Dir - aber thu ' s nicht wieder . « Vetter Konrad machte , wie mir schien , einige Fortschritte in Lillis Gnade . Es geht doch nichts über Ausdauer . Ich hätte diese Verbindung sehr gern gesehen , und beobachtete mit Vergnügen , wie die Blicke meiner Schwester froh aufleuchteten , wenn von weitem der Hufschlag von Konrads Pferde sich vernehmen ließ , und wie sie seufzte , wenn er wieder davonritt . Er machte ihr nicht mehr den Hof , das heißt er sprach nichts von seiner Liebe , brachte seine Werbung nicht von neuem vor - dennoch war sein Benehmen eine regelrechte Belagerung . » Wie es verschiedene Arten gibt , eine Festung zu nehmen , « so erklärte er mir eines Tages , » durch Sturm , - durch Hunger - so gibt es auch mehrfache Mittel , ein Frauenherz zur Kapitulation zu bringen . Darunter eins der wirksamsten : die Gewohnheit - die Rührung ... Es muß sie doch rühren , daß ich so beharrlich liebe , dabei so beharrlich schweige und immer wiederkomme . Wenn ich ausbliebe , risse das eine gewaltige Lücke in ihre Existenz ; und wenn ich noch eine Zeit lang so fortfahre , so wird sie ohne mich es gar nicht mehr aushalten . « » Und wieviel mal sieben Jahre gedenkst Du so um Deine Erkorene zu dienen ? « » Das habe ich nicht berechnet ... so lange , bis sie mich nimmt . « » Ich bewundere Dich . Gibt es denn gar keine anderen Mädchen auf der Welt ? « » Für mich nicht . Ich habe mir die Lilli in den Kopf gesetzt . Sie hat ein gewisses Etwas um die Mundwinkel , im Gang , in der Art zu sprechen , das mir keine Andere ersetzen kann ... Du , Martha , bist zum Beispiel zehnmal hübscher und hundertmal gescheiter - « » Danke - « » Aber ich wollte Dich nicht zur Frau . « » Danke . « » Eben weil Du zu gescheit bist - Du würdest mich so gewiß von oben herab ansehen . Mein Kreuzchen am Kragen , mein Säbel , die Sporen imponieren Dir nicht . Lilli hat doch Respekt vor einem streitbaren Mann - ich weiß , sie betet das Militär an , während Du - « » Ich habe doch zweimal Militärs geheiratet , « erwiderte ich lächelnd . Während der Mahlzeiten , an dem oberen Ende der Tafel , wo mein Vater und seine alten Freunde den Ton angaben und wo auch ich und Friedrich saßen - die Jugend war am anderen Ende und unterhielt sich untereinander - wurde zumeist » politisiert « ; das war so der alten Herren Lieblingsgesprächsstoff . Die schwebenden Friedensverhandlungen boten genügenden Anlaß zu dieser Weisheitsentfaltung ; denn daß politische Erörterungen die gediegenste und ernster Männer würdigste Unterhaltung sei , das steht bei den meisten Leuten fest . Aus Galanterie und in freundlicher Rücksicht auf meine weibliche Verstandesschwäche , sagte wohl mitunter einer der Generäle : » Diese Dinge können unsere junge Baronin Martha kaum interessieren - wir sollten darüber nur sprechen , wenn wir unter uns sind , nicht wahr , schönes Frauchen ? « Aber dagegen verwahrte ich mich und bat ernstlich , das Gespräch fortzusetzen . Ich nahm an den Vorgängen in der militärischen und diplomatischen Welt wirklichen und gespannten Anteil . Nicht vom selben Standpunkt , wie diese Herren ; doch war mir daran gelegen , die » dänische Frage « , deren Ursprung und Verlauf ich anläßlich des Krieges so aufmerksam studiert hatte , bis zu ihrem endgültigen Abschluß zu verfolgen . Jetzt , nach diesen Kämpfen und Siegen , hätte es wohl entschieden sein sollen , was mit den fraglichen Herzogtümern zu geschehen habe - aber immer noch schwebten die Fragen und die Zweifel . Der Augustenburger - der famose Augustenburger , wegen dessen altbegründeten Rechten der ganze Streit entbrannt war - war er denn jetzt eingesetzt ? Durchaus nicht . Sogar ein ganz neuer Prätendent erschien auf dem Plan . Mit Glücksburg und Gottorp und wie alle die Linien und Nebenlinien hießen , deren Namen ich mir mühsam angeeignet hatte , war ' s noch nicht genug . Jetzt trat Rußland auf und schob dem Augustenburger einen - Oldenburger vor . Das Resultat des Krieges aber war bisher , daß weder einem Glücks- , noch Augusten- , noch Olden- , noch sonst einem-burger die Herzogtümer gehören sollten , sondern den verbündeten Siegern . Folgendes , so erfuhr ich , waren die Artikel der eben im Gang befindlichen Friedensunterhandlungen : 1 ) » Dänemark tritt die Herzogtümer an Österreich und Preußen ab . « Damit war ich zufrieden