der schwarze Peter , alias der Peter aus der Fremde , alias Herr Schmied aus Jüterbog , ein heiteres , gemütliches Schlußwort sprechen zu lassen . Nicht wahr ? - Es ist acht Tage nach den vier Tagen , in welchen die stille Hauptperson dieser Geschichte » über der Erde stand « und alles ruhig über sich und ihre Kinder ergehen ließ . Letzteres ein Zeichen , daß sie selber persönlich vollkommen in Sicherheit war , während um sie her so viele und mancherlei schauerliche und schöne Bewegung war . Nun sind wir wieder in dem Geschäftslokal von Frau Wendeline Cruse und finden unsere vornehme große Dame allein zu Hause ; denn Peter Uhusen war mit den Kindern in der Affenkomödie , was in Anbetracht der Umstände hie und da vielleicht recht unpassend erscheinen kann , worin jedoch die Mutter Cruse nicht das mindeste Unschickliche fand . » Ja , gehen Sie nur mit den Würmern , Uhusen « , hatte sie gesagt . » In ihrer Mutter Namen , soviel als möglich hinein mit ihnen in das Licht , die Sonne , das Lachen ! Was können wir ihrer Mutter Besseres zuliebe tun , als die Kleinen so rasch als möglich und so oft als möglich wieder zum Lachen zu bringen ? « Es war gegen acht Uhr abends und die Witterung draußen nicht besser als ihr Ruf um diese Jahreszeit . Aber in dem Lumpen- , Knochen- und Alten-Eisen-Keller war es ganz außergewöhnlich gemütlich . Es war Ordnung darin geschaffen und durch Ordnung Raum gewonnen worden . Ein Tisch mit einem Teppich hatte sich angefunden , eine gute Lampe erhellte das Gewölbe , und der Lehnstuhl der Frau Wendeline war aus dem Kämmerchen an den warmen Ofen im Vorderraum gerückt worden . Es roch sogar nach Kölnischem Wasser in dem Keller . Die gnädige Frau hatte den Boden damit besprengt , und im grauen bürgerlichen Matronenkleide saß sie mit ihrem Strickzeug im Schoß in ihrem Sessel und rieb , statt zu stricken , von Zeit zu Zeit die liebe kluge Stirn mit der Nadel . Mit der Handarbeit hatte es selten bei ihr viel gebracht , aber an diesem Abend brachte es trotz des besten Vornehmens gar nichts ! Mutter Cruse hatte in ihrer Einsamkeit viel zu große Gesellschaft bei sich , sie hatte viel zuviel zurück und vorwärts zu denken , um bei der Sache , nämlich dem Strumpf , bleiben zu können . Wie sie sich für ihr Teil mit der Vergangenheit abgefunden hatte , haben wir erfahren . Das Beste daraus hatte sie in Sicherheit , und das weniger Angenehme verstand sie in den Winkel zu schieben und fest zuzudecken , im Notfall auch mit Lumpen , Knochen und altem Eisen . Aber die Zukunft ? Ei , wer hatte sich je sowenig Sorgen um die gemacht wie die Mutter Cruse . Da hatte doch das wundervolle Licht in ihr zu jeder Zeit genug Helle vor ihre Füße geworfen , daß sie ihren Weg von frühester Kindheit bis in das Greisenalter fand , ohne sich vor dem » dummen Spuk im Dunkeln « wie andere zu fürchten . Und hatte sie nicht recht gehabt in ihrer gottgegebenen Tapferkeit und Unbefangenheit , Schlauheit und Weisheit ? War es nicht wieder glorreich , wie auch diesmal die Komödie zu einem befriedigenden Abschluß kam ? Erfinden konnte das kein Poet , kein Dramenschreiber ; aber erleben konnte man es , wenn man wie Wendeline Cruse hier nur ruhig und gelassen jeden Tag nahm , wie er sich an den vorhergegangenen anschloß . Sollten die Augen der alten Dame nicht seltsam leuchten , wenn sie in diesem Dämmerstündchen der Mitspielenden der letzten Tage gedachte ? An alle zusammen , wie sie diese göttliche Komödie als Ganzes zur Darstellung brachten - an jeden einzelnen , wie er sich zu seiner Rolle schickte ? Der Schmied von Jüterbog ! Wie konnte man , wenn man Wendeline Cruse hieß und einst seine Direktorin gewesen war , an diesen Menschen denken , ohne zu weinen und zu lachen , und zwar das erstere noch fröhlicher als das andere ? Tausend tolle und wilde Erinnerungen von beiden geographischen Hälften der Erdkugel steckten hier doch die Koboldköpfe aus der Vergangenheit und verlangten grinsend , mit in die Zukunft hinübergenommen zu werden . Dieser Bursche ! Wie aus der Versenkung herauf ! Und dabei sollte man Strümpfe stricken ? Diesen Strumpf aus rosa Wolle , diesen Kinderstrumpf ? Jawohl , jawohl ! Zehntausendmal jawohl ! Die Fürstin von Messina mochte die Mutter Cruse mit einem Loch in der Ferse am eigenen Strumpf gespielt haben , ohne » daran zu denken « ; aber das närrische , liebe Geschöpfchen , dem sie die letzten Nächte durch einen warmen Platz in ihrem Bett eingeräumt hatte , konnte man nicht mit einem Loch im Hacken durch die Welt laufen lassen . Nein , lieber noch barfuß ! Die Nadeln klirrten jetzt heftig , wie die Frau Direktorin der Kinder gedachte , die ihr so unvermutet aus den Soffitten am Faden in ihren Keller hinuntergelassen worden waren . Mit den urgroßmütterlichsten Ahnfraugefühlen saß und sah und - strickte die Greisin , die ins alte Eisen herabgesunkene Komödienmutter , in eine ganz und gar von Sonnenschein erfüllte Welt hinein und schüttelte nur von Zeit zu Zeit den Kopf und murmelte : » Armer Schmetterling ! Arme Erdwine ! « Aber welche ahnungs- und erinnerungsvollste Großmama kann immer stricken ? Es standen noch andere Leute aus dem Zugstück der letzten Tage - nicht etwa auf einem andern Blatt , sondern auf demselben Zettel . Der Hofrat Dr. Brokenkorb und das arme Rotkäppchen zum Beispiel . Mit dem Gedenken an den einen ließ die Frau Wendeline ihre Arbeit wieder im Schoße ruhen und sprach nach einer Weile mit dem gediegensten Nachdruck : » Dieser Esel , dieser - Uhusen ! « Mit dem Gedenken an die andere stand sie auf aus ihrem Sessel , schritt dreimal durch das Gewölbe , setzte sich wieder