ihm dieser das Geld an ! » Ihr seid doch ein guter Mensch « , sagte er gerührt , und er meinte es ehrlich . Ein Gulden Monatslohn war das geringste , was er fordern konnte , und um diesen Betrag bat er auch . » Ein Gulden ? ! « rief Jossele erleichtert ; er war auf das Doppelte gefaßt gewesen . » Nun - weil ich dich gekränkt hab ' und weil ich hoff ' , es wird ein Sporn sein - du sollst ihn haben ! Vom nächsten Monat ab ! « » Nein-gleich ! « bat Sender , und Jossele gab nach . » Aber nun an die Arbeit ! « schloß er . So saßen Meister und Lehrling wieder friedlich in der Werkstätte nebeneinander , jeder über seine Arbeit gebückt , aber viel brachten beide an diesem Vormittag nicht vor sich . Der Meister war zu ärgerlich , der Lehrling zu freudig gestimmt . » Ich hab ' doch in allem recht gehabt « , dachte Jossele , » und es war dem Pojaz zu gönnen , daß er ' s einmal gründlich zu hören bekommt . Da bringt mir ein böser Geist den Mendele auf die Zunge ! Das hätt ' eine schöne Geschichte werden können ; in der ganzen Gemeinde wär ' ich in Verruf gekommen ! Aber das mit dem Gulden war doch eine Übereilung . Was hab ' ich nun davon ? Der Pojaz bleibt mir auf dem Hals , nur daß ich ihn noch bezahlen muß ! « Hingegen hegte Sender nun keinen Groll mehr . » Ein guter Mensch ist dieser Klein-Jossele « , dachte er , » freilich nur eben so ein Uhrmacher ! Merkwürdig , er haßt mich , weil ich ein anderer Mensch bin als er - warum fällt mir nicht ein , deshalb ihn zu hassen ? ! Er ist mir gleichgültig , eigentlich schau ' ich ihm sogar nicht ungern zu , wenn er so dasitzt und seine Ührchen anlächelt - wenn ich einmal in einem Spiel einen braven Handwerker zu machen hab ' , der auch so viel Verstand hat , wie einem solchen Menschen nötig ist , aber nicht mehr , dann soll er sich benehmen wie Jossele ... Hassen ? ! O wie lieb wollt ' ich dich haben , wenn ich nicht den ganzen Tag mehr dasitzen müßt ' und die verdammten Rädchen reinigen ! ... Nur in einem hat er recht gehabt , ich hätt ' die Mielnicer Geschichte nicht erzählen sollen , aber wenn ich geschwiegen hätt ' , so hätten die Leut ' am End ' geglaubt , daß Reb Mortche mich nicht gewollt hat ... Nein « , rügte er sich dann selbst , » lüg ' nicht , Sender , deshalb hast du ' s nicht getan - was wär ' dir auch daran gelegen ? - sondern weil ' s dir Freud ' macht , wenn die Leut ' über deine Geschichten lachen ! Es kitzelt dir im Hals , wenn du so was weißt , du würdest dran ersticken , wenn du ' s verschweigen müßtest ! ... Die dicke Chaje bekommt schon noch einen Mann , Gott sorgt für uns alle « - er griff nach der Westentasche , wo er den Papiergulden geborgen - » er hat auch für mich und meinen Fedko gesorgt ! « Nicht minder fromm nahm der alte Klosterdiener die Flasche Slibowitz entgegen , die ihm Sender diesmal mitbrachte . » Das hat Gott nicht gewollt « , sagte er , » daß ich in meinem Schmerz ohne Trost bleibe . Denn unsere Schweinchen , lieber Senderko , wollen noch immer nicht fetter werden ! « Woche um Woche verging , und Neujahr war längst vorüber , aber Fedko beantwortete die tägliche Frage , ob der Brief aus Czernowitz gekommen , immer wieder mit einem energischen Kopfschütteln und fügte zuweilen sogar ein spöttisches Wort hinzu . Aber Sender ließ sich nicht irre machen . » Dann kommt er morgen « , sagte er . Diese Zuversicht sollte sich glänzend erfüllen . Als er eines Tages - es war im Februar und bald ein Jahr herum , seit er in Czernowitz gewesen - wieder an der Tartarenpforte erschien , stand Fedko harrend da , ein mächtiges Paket unter dem Arm . » Das hat mir heute der Briefträger gebracht « , sagte er . » Er hat mich sehr ausgelacht , denn es fühlt sich an wie Bücher , und ich kann ja nicht lesen ! « Mit zitternder Hand ergriff Sender das Paket und drückte es an sich . Im Bibliotheksaal löste er die Siegel . Es waren wirklich Bücher , eine deutsche Sprachlehre zum Selbstunterricht , eine kleine Weltgeschichte , ein Lehrbuch der Geographie , ein Rechenbuch , ein Briefsteller , ein Lesebuch für Gymnasien und ein » Katechismus der Schauspielkunst « . Ein Brief lag bei . Der Direktor entschuldigte sich zunächst , daß er erst jetzt antworte ; er sei erst vor einigen Wochen mit seiner Truppe nach Czernowitz gekommen , weil sich in der Stadt kein genügendes Publikum für die ganze Wintersaison finde , und habe sich dann auch die Sache gründlich überlegen wollen . Er halte es nach reiflicher Erwägung auch nun noch für das beste , daß Sender in Barnow bleibe , bis er sich die nötigste Bildung angeeignet ; sei er erst einmal bei der Truppe , so werde er dafür keine Zeit , keine Ruhe , vielleicht auch keine Lust mehr haben . Mit Hilfe der beiliegenden Bücher werde er sich auch hoffentlich ohne Lehrer forthelfen . » Du nimmst « , heißt es weiter , » zuerst die Sprachlehre durch , dann die anderen Bücher . Der Briefsteller soll Dir nur als Muster dienen , den Katechismus liest Du zuletzt . Geht es trotz der Bücher gar nicht oder wollen sie Dich um jeden Preis verheiraten und kannst Du Dich unmöglich anders dagegen schützen , so komm in