sein soll aus dem Samenkorne des Vögleins , das alle tausend Jahre in den Wald fliegt . Ich bespreche mich mit dem Förster und einigen der Ältesten . Hernach frage ich den alten Bartkopf und Fabelhans Rüpel , der sonst auch just kein wichtig Geschäft hat , ob er mit mir gehen wolle hinauf in die Karwässer und in das Felsental , und ob er mir das bemooste Kreuz wolle herabtragen helfen in das Winkel . Und so gehen wir an einem hellen Herbstmorgen davon . Beiden ist uns unsäglich wohl gewesen . Dem schattendunkeln Winkelbach haben wir Dank gesagt für sein Schäumen und Rauschen . Dem Wiesengrün haben wir Dank gesagt , daß es Wiesengrün ist , dem Taue und den Vöglein und dem Reh und dem ganzen Wald haben wir Dank gesagt . - Wir steigen über glatten Waldboden , wir steigen über verwittertes Gefälle und bemoostes Gestein . Die Bäume sind alt und tragen lange Bärte , mit jedem steht der Fabelhans auf brüderlichem Fuße . Auf den Weben der Moose begegnen uns Käfer , Ameisen , Eidechsen ; wir grüßen sie alle , und lustflunkernde Schmetterlinge laden wir ein , daß sie mit uns kommen sollten zum Kreuze . Die kleine bunte Welt hat davon nichts wissen wollen . Mein Gefährte ist ein sehr seltsamer Kauz . Wer ihn nicht kennt , der kann ihn nicht glauben . Aber unter den Waldmenschen gibt es einmal die wunderlichsten Leute . Draußen in der durchgebildeten und abgeschliffenen Welt nennt man solche Erscheinungen Dichter ; hier heißen sie Halbnarren . Der Rüpel ist so ein Halbnarr . Sie heißen ihn auch den Fabelhans , weil er allfort was zu fabeln weiß ; und sie heißen ihn den Reim-Rüpel , weil er - und das ist die Merkwürdigkeit - nicht zehn Worte sprechen kann , ohne zu reimen . Es ist eine tollwitzige Gewohnheit . Seine ganze Lebensgeschichte hat er mir unterwegs in Reimen erzählt . Die Reime haben zwar gottslästerlich geholpert ; aber wer soll auf so steinigem Waldboden nicht holpern und stolpern ? - Ich will es doch versuchen , mir seine Geschichte einzuprägen . » Ein Küsterbüblein bin ich gewesen , « hebt er an , » draußen in Holdenschlag steht ' s noch zu lesen . Wenn ich den Strick hab ' geschwungen und die Glocken haben geklungen , hab ' ich den Takt gesungen und den Schwenkel nachgeahmt mit meiner Zungen . Beim Ministrieren hab ' ich dem Pfarrer Wein in den Kelch gegossen ; aber unter dem Wasserkrüglein hat er gleich gezuckt ; kaum ein Tröpflein , ist er schon davongeruckt . Wasser und Wein als Fleisch und Blut , das ist unser höchstes Gut , aber wer in den Kelch zu viel Wasser tut , der verdirbt das rosenfarben ' Christiblut . - Als ich von der Kirchen bin fortgekommen , hat mich ein Schmied in die Lehr ' genommen . Der Blas ' balg hat mit Gleichmaß angefangen und der Hammer ist taktfest mitgegangen , und der Amboß hat geklungen , sind die Funken gesprungen , und alles hat sich gefügt und gereimt , als wär ' es gehobelt gewesen und geleimt . Gerade meinem Meister hat ' s nicht angepaßt , da hat er mich nach dem Takt beim Schopf gefaßt . Und schaut , bei diesen taktfesten Dingen , Klingen , Singen und Springen , hab ' ich zum stillen Feierabendfrieden baß angefangen , Reime zu schmieden . Aber , wie auch geschmiedete Reime geraten , es sind keine Hufeisen , sind keine Spaten , und der Eisenschmied hat den Reimschmied bald verjagt hinaus in den Wald . - Im Wald hab ' ich Moos gezupft und Wurzeln und Kräuter gerupft , bin federleicht geworden und mit dem Reh gesprungen , bin lustig geblieben , hab ' mit den Vöglein gesungen . Der Förster , ein Vetter von mir , hat gedacht , ich kunnt bei dem Lungern gar leicht verhungern , und hat mich zum Jäger gemacht . - Wie ich die erste Büchs hab ' umgehangen , haben die Tier ' im Wald ein Freudenfest begangen . Ich hab ' nach dem Wild geschossen und die blaue Luft getroffen , da bin ich dem Reh auf Versfüßen nachgeloffen . Das ist gar stehen geblieben : ich kunnt nach Belieben mich setzen auf seinen Rücken ; auf so ungleichem Bein ' , das sehe es ein , könne das Gehen nicht glücken . - Das tat sich dem Förster nicht schicken , und von meinem Jagen und schießen will er gar nichts mehr wissen . - Bin eine Weil ' in der Welt herumgegangen , hab ' allerlei angefangen ; mit allerhand Herren tät ich verkehren ; teils haben sie mir gutherzig den Dienst aufgesagt , teils haben sie mich davongejagt . - Und schaut , so schleift es fort und so werd ' ich alt , und so holper ' ich wieder zurück in den Wald ; und das ist mein Aufenthalt . Und wenn ich wo Leute find ' , die gutherzig und lustig sind , so mach ' ich mich bescheiden und mit Freuden daran , und singe sie an ; und singe zur Tauf ' und Hochzeit und anderer Lustbarkeit um ein Stücklein Brot ; ist ' s auch schwarz und trocken , gesegne mir ' s Gott ! Bin ich gesund und wird mir die Zungen nicht lahm im Mund , so leid ' ich keine Not . Und ist es Zeit , so kommt der Herr Tod , ich bin bereit und gehe heim , und das ist der allerbeste Reim . Und hör ' ich singen und posaunenklingen , so steh ' ich wieder auf . Und das ist des Reim-Rüpels Lebenslauf . « Ich möchte den Mann die wilde Harfe oder den Waldsänger heißen , oder den evangelischen Sperling ; er säet nicht und erntet nicht und bettelt nicht , und die braven Winkelwälder ernähren ihn dennoch , während draußen im