er einen Fehler einzugestehen hätte , der Stigerin erzählte , wenigstens ein Vierteljahr werde Jos noch daheim bleiben müssen . » Ohne Brot und sich selbst überlassen ! « jammerte Dorothee , die sich jetzt nicht mehr zu beherrschen vermochte . » Wohin « , fuhr sie strenge fort , » wohin kann die Not und das Mißtrauen ihn in der langen Zeit noch treiben ? « Hans hatte dem Mädchen durchaus nicht erzählen wollen , für welchen Prachtkerl der Jos bei rechten Männern gelte . Es war ihm schon peinlich , neben der lieben Dorothee nur daran zu denken . Dem letzten Ausrufe gegenüber jedoch zwang es ihn mit Gewalt zum Reden . Jedes Wort traf ihn wie ein Stich , und gleichsam aufschreiend versetzte er : » Dem Jos ist ' s ja sein Glück . Man hat mir ' s deutlich gesagt , er sei zu gut zum Knecht . Gemeindeschreiber soll er werden , der erste Mann nach dem Vorsteher , und weiß Gott was noch . Der Pfarrer und die Herren selber haben ' s gesagt . « Dorothea sah den Burschen erstaunt an . Sie schien Ton und Gehalt seiner Rede nicht wohl vereinbaren zu können . Hans war sich im Leben noch nie so klein vorgekommen wie jetzt , als er auf einmal etwas in ihrem Gesichte leuchten sah , als ob ihr ganzes Wesen juble : » Das hab ' ich mir gedacht ! « Da mußte gleich auch er etwas tun , um dem Jos die Freude des Mädchens nicht ganz allein zu lassen . » Als Knecht ist Jos verloren « , sagte er trocken . » Ich hab ' schon an einen anderen gedacht und will gern hören , was du dazu sagst . « » Wer ist es ? « » Hansjörg . « » Gott Lob und Dank ! « rief das Mädchen , und das Weinen wär ' ihm fast gekommen vor Freude . Nun war doch alles , alles recht . Hansjörg kam auf einen guten Weg und war dem Jos nicht mehr gefährlich . Dorothee wußte selbst nicht , welches sie besser freue . Beides aber machte sie so glücklich , daß sie dem Hans hätte um den Hals fallen mögen . Jetzt mußte noch alles heraus , was sie gedrückt und gequält hatte . Sie weinte Tränen der Freude , während sie erzählte , wie viel sie um der beiden Burschen willen schon litt , besonders nachdem sie dieselben beisammen gesehen habe . Das sei für alle ein großes Glück , daß die wieder getrennt würden , und noch auf eine Weise , daß man ' s gar nicht besser hätte wünschen können . So gut hätten es nur die Reichen ! Die könnten überall helfen , wenn sie nur wollten ; doch es gebe nicht viele , auf die man sich verlassen könne und von denen etwas zu hoffen sei . Hans freute sich wieder an Dorotheens Freude . Er sah sich dem Jos gegenüber im Vorteil und begann den guten Burschen fast zu bemitleiden . In dieser Stimmung erzählte er alles , was er heute von ihm gehört hatte . So plauderten die zwei , die sich noch vor kurzem stumm und mißtrauisch gegenübersaßen , so froh und offen , daß es endlich der alten Stigerin zu gemütlich wurde . Man könnte vor Glück noch gar betrunken werden , sagte sie ; der Anfang scheine schon gemacht , und da man morgen keine Zeit hätte , den Rausch auszuschlafen , so sei wohl das klügste , wenn man sich jetzt eine gute Nacht wünsche . Dorothee tat das ebenso schnell , als sie seit Jahren jeden Befehl der Stigerin auszuführen gewohnt war . Sie ging um so lieber , weil die Rede der strengen Frau sie denn doch ein wenig unangenehm berührt und abgekühlt hatte . Jetzt unterschied sie schärfer als je zwischen Mutter und Sohn . Die erstere war streng , blieb beim alten , und ihre Güte war vielleicht nur Ausdruck ihres stolzen und dabei behaglichen Wesens . Wie anders bei Hansen ! Der war ihr noch selten so groß erschienen wie jetzt . Selbst neben den Jos durfte sie ihn herzhaft stellen , ohne daß er viel verlor . Sie dachte überhaupt mit ganz anderen Empfindungen an den ehemaligen Knecht , seit er ihr nur noch durch sein unerklärliches Benehmen Sorge machte . Erst im Traum sah sie ihn wieder deutlich vor sich , aber nicht mehr als armen Schneider , sondern als Besitzer des Stighofs . Er war von einer ganzen Menge von Leuten umringt , die alle Rat und Hilfe bei ihm suchten . Er gab nicht nur Geld , sondern auch was aus mehr als einer augenblicklichen Not helfen konnte . Sein Wort wirkte auf alle . Streitende gingen versöhnt , Traurige getröstet von ihm , und so beredt wie er war kein Mensch , als wer eben von ihm redete . Nur sie durfte ihm nicht sagen , was ihr fehle . Sie wußte es aber auch eigentlich selbst nicht , und doch war ihr so weh , daß sie weinte . Als Jos dadurch auf sie aufmerksam wurde , erschrak sie so , daß sie erwachte . Hansen tat es später doch weh , daß das Mädchen sich mehr über die schönen Aussichten des Jos zu freuen schien als um ihres Bruders willen . Unwillig schlug er die Türe seines Zimmers zu und verbrachte eine schlaflose Nacht . Vierzehntes Kapitel Zusel und Angelika Dorothee kam durch Zusels fromme Freundinnen immer ärger ins Geschrei . Sogar der Zusel war zuweilen bang vor dem , was durch sie angerichtet wurde , wenn sie schon fest glaubte , daß Dorothee wenigstens alles tun würde , wodurch sie den unbeholfenen Burschen möglicherweise fangen könnte . Bestand aber ein sündhaftes Verhältnis noch nicht , so durfte doch auch das Entstehen desselben verhindert werden . Das war Zusels Trost , neben der Hoffnung , daß sie sich bald in