« » Sie irren sich . « » Dann jedenfalls zu Ihrem Vorteile . « » O nein , denn damit käme ich um keinen Schritt weiter . Die Musik ist lediglich für mich die Brücke - « » Von der Sie sehr leicht ins kalte Wasser fallen dürften . « » Und würden Sie mich untergehen lassen ? « » Ja , ganz sicher ... Ich bin nicht ehrgeizig genug , um mir die Rettungsmedaille verdienen zu wollen , « antwortete Elisabeth trocken . Fräulein von Walde kam zurück . Sie schien verwundert , die beiden im Gespräche zu finden , denn bis dahin war ja noch nie ein Wort zwischen ihnen gewechselt worden . Ihr Blick streifte prüfend über Hollfelds Gesicht , das den Ausdruck eines lebhaften Verdrusses noch nicht ganz zu unterdrücken vermochte , dann setzte sie sich schweigend an das Klavier und präludierte , während Elisabeth die Noten zusammensuchte . Hollfeld nahm seinen gewöhnlichen Platz ein und stützte melancholisch den Kopf auf die Hand . Noch nie aber hatten seine Blicke so glühend und verzehrend auf Elisabeth geruht , als in diesem Augenblicke . Sie bereute , sich in ein Gespräch mit ihm eingelassen zu haben ; ihr Bestreben , ihn durch Kälte und Schroffheit zurückzuweisen , schien eine ganz entgegengesetzte Wirkung gehabt zu haben . Furcht und Widerwillen bemächtigten sich ihrer beim Anblicke seiner auffallend erregten Gesichtszüge , und obgleich das triumphierende Lächeln des Onkels vor ihr aufstieg , gewann doch der Entschluß , lieber den Stunden zu entsagen , als sich noch länger diesen unverschämten Blicken auszusetzen , immer mehr Boden in ihrer empörten Seele . Die Stunde nahte ihrem Ende , als Fräulein von Quittelsdorf rasch eintrat . Sie trug ein kleines Wesen im weißen Tragkleidchen auf dem Arme und drückte mit der einen Hand den Kopf desselben an ihre Schulter . » Frau Oberhofmeisterin von Falkenberg empfiehlt sich gehorsamst , « sagte sie zeremoniell , und bedauert unendlich , ihres Zipperleins wegen sich morgen nicht einfinden zu können ... Dafür aber gibt sie sich die Ehre , ihr geliebtes , blühendes Enkelkind zu schicken - « In dem Augenblicke machte das Geschöpfchen auf ihrem Arme einige verzweifelte Bewegungen und sprang plötzlich mit einem lauten Quieken auf den Boden , wo es sofort , das lange Kleid nachschleppend , unter einem Stuhle verschwand . » Nein , Cornelie , du bist doch zu kindisch ! « rief Fräulein von Walde lachend und ärgerlich zugleich , als Alis angstvolles Gesicht , von einer bebänderten Kinderhaube umgeben , scheu unter dem Stuhle hervorguckte . » Das sollte die gute Falkenberg wissen , da wäre es sicher aus mit deinen Schelmenstreichen am Hofe zu L. « Bella , die mit hereingekommen war , wollte ersticken vor Lachen und suchte sich erst zu mäßigen , als ihre Mutter , erstaunt über den Lärm , eintrat und ihr das Unschickliche einer so lauten Lustigkeit zu Gemüt führte . Die Baronin drohte Fräulein von Quittelsdorf lächelnd mit dem Finger , als ihr Helene deren tollen Einfall mitgeteilt hatte , und näherte sich darauf Elisabeth . » Fräulein von Walde wird Ihnen wohl noch nicht mitgeteilt haben , « sagte sie in ziemlich gnädigem Tone zu dem jungen Mädchen , » daß sich alle Geladenen zu dem Feste morgen um vier Uhr unten im großen Saale einfinden werden ? Ich bitte , die Stunde ja nicht zu versäumen . Das Konzert wird jedenfalls gegen sechs Uhr zu Ende sein ; ich bemerke Ihnen dies nur , damit Sie die Ihrigen nicht früher zu Hause erwarten . « Helene sah bei diesen Worten verlegen auf die Tasten , während Fräulein von Quittelsdorf sich neben die Baronin postierte und Elisabeth neugierig ins Gesicht starrte . So hübsch auch die schwarzen Augen waren , die auf ihr ruhten , so fühlte sich das junge Mädchen doch verletzt durch das unausgesetzte Fixieren . Sie verbeugte sich leicht vor der Baronin mit der Versicherung , daß sie sich pünktlich einfinden werde , und heftete dann einen festen , ernsten Blick auf die hübsche Zudringliche . Die Wirkung war eine blitzschnelle . Fräulein von Quittelsdorf wandte den Kopf weg und drehte sich verlegen und wie ein ungezogenes Kind auf dem Absatze herum . In demselben Augenblicke entdeckte sie Herrn von Hollfeld in der Fensternische . » Wie , Hollfeld , « rief sie , » sind Sie es selbst , oder ist ' s Ihr Geist ? Was thun Sie hier ? « » Ich höre zu , wie Sie sehen . « » Sie hören zu ? ... Ha , ha , ha ! ... Und genießen Unverdaulichkeiten wie Mozart und Beethoven ? ... Wissen Sie nicht mehr , daß Sie mir noch vor vier Wochen beim letzten Hofkonzert versichert haben , Sie litten jedesmal nach dem Genusse klassischer Musik an verdorbenem Magen ? « Sie hielt sich die Seiten vor Lachen . » Ach , lassen Sie jetzt die Possen , beste Cornelie , « sagte die Baronin , » und helfen Sie mir lieber mit Ihrem erfinderischen Geiste beim Festprogramm ... Und auch du , lieber Emil , würdest mir einen großen Gefallen thun , wenn du mitkommen wolltest ... Du weißt ja , ich bin jetzt in die traurige Notwendigkeit versetzt , eine männliche Stütze neben mir haben zu müssen , wenn meine Anordnungen respektiert werden sollen . « Hollfeld erhob sich mit sichtlichem Widerstreben . » Nun , dann nehmt mich auch mit ! ... Wollt ihr so grausam sein , mich die ganze , lange Zeit bis zum Thee allein zu lassen ? « rief Helene vorwurfsvoll und stand auf . Sie sah verstimmt aus , und es kam Elisabeth zum erstenmal so vor , als hafte ihr Blick neidisch auf Corneliens flinken Füßen , die ohne weiteres Hollfelds Arm genommen hatte und zur Thür hinaushüpfte . Elisabeth machte den Flügel zu und wurde eiligst entlassen . In den Gängen des Schlosses , die das junge Mädchen passieren mußte ,