, schien sie in tiefe Träumereien versunken . Ein unaussprechlich rührender Ausdruck , halb von thränenreicher Schwermuth , und halb von unaussprechlicher Seligkeit lag auf ihren reinen , kindlich weichen Zügen . Oswald vermochte es kaum über sich , das einzig schöne Bild , das sich ihm in dem Rahmen des kleinen Fensters zeigte , zu zerstören . Endlich nannte er leise ihren Namen . Melitta hob den Kopf in die Höhe und die großen Augen auf das Fenster heftend , lauschte sie einen Moment . Aber dann lächelte sie wehmüthig , als wollte sie sagen : es war nur ein Traum und stützte das Haupt wieder in die Hand . Melitta , ich bin ' s. - Diesmal hatte sie es nicht geträumt . Mit einem Freudenschrei fuhr sie empor , nach der Thür , Oswald entgegen - sie schlang ihren Arm um seinen Hals , preßte ihre glühenden Lippen wieder und wieder auf seinen Mund , sie legte ihren Kopf an seine Brust - sie schaute durch Thränen lächelnd zu ihm auf : Sieh , Oswald , ich dachte nur eben an Dich ! ich dachte : wenn er Dich liebt , so wird , so muß er heute kommen , und kommt er nicht , liebt er Dich nicht . Oswald , nicht wahr , Du liebst mich ? nicht , wie ich Dich liebe , aber doch ein wenig , nicht wahr , mein Oswald ? Sprachlos vor Rührung und Seligkeit umschlang Oswald das geliebte Weib . Melitta , Du bist so grenzenlos gut und schön , daß , wer Dich liebt , Dich grenzenlos lieben muß ! Vor der Thür der Eremitage , auf einer Strohdecke , den riesigen Kopf zwischen den Vordertatzen , liegt Boncoeur . Die schnelle Bewegung seiner Ohren , sobald ein Geräusch aus dem Walde herübertönt , zeigt , daß er gute Wache hält . Er würde den , der es wagte , in dies Heiligthum der Liebe zu dringen , zerreißen . Zweiundzwanzigstes Capitel Es waren seit diesem Abend einige Tage verflossen . Bemperlein war mit Julius nach Grünwald abgereist und hatte von dort aus schon an Melitta und an Oswald geschrieben , der Ersteren , um zu melden , daß sein Zögling in der sehr liebenswürdigen Familie eines Beamten , der zwei Söhne fast in demselben Alter , wie Julius habe , glücklich untergebracht sei ; an Oswald , daß er eine höchst interessante Unterredung mit dem Professor Berger gehabt habe , deren Inhalt er seinem neuen Freunde mittheilen wolle , wenn er in nächster Woche nach Berkow zurückkäme , um definitiv Abschied zu nehmen . Nur so viel wolle er sagen , daß er in seinem Entschlusse fester als je sei und kaum die Zeit erwarten könne , sich Hals über Kopf in seine neuen Studien zu stürzen . Den Tag nach Herrn Bemperlein ' s Abreise war der Geometer von Grünwald in Grenwitz angekommen , aber nur ein paar Stunden geblieben , um mit dem Baron und der Baronin zu conferiren , und dann nach dem zweiten Gute , das vermessen werden sollte , gefahren , wo er für ' s Erste sein Wigwam aufschlagen müßte , wie er zu Oswald sagte . Oswald hatte in dem Geometer einen sehr lebhaften , witzigen und , wie es schien , sehr belesenen und vielfach gebildeten , noch jungen Mann kennen gelernt , und er freute sich , diese Bekanntschaft fortsetzen zu können , da Herr Timm in kurzer Zeit nach Grenwitz kommen mußte , um die Karten und Pläne zu zeichnen . Schon waren von der stets weit vorausschauenden Baronin zwei Zimmer in demselben Flügel des Schlosses , in welchem Oswald wohnte , für ihn bestimmt und schicklich eingerichtet . Auf den Sonntag waren die Herrschaften von Grenwitz nebst Herrn Doctor Stein zu Herrn von Barnewitz , dem Vetter Melitta ' s eingeladen . Oswald hatte große Lust gehabt , diese Einladung rundweg auszuschlagen , und hatte sich nur auf Melitta ' s Zureden bewegen lassen , von der Partie zu sein . Was soll ich dort ? hatte er zu Melitta gesagt , man ladet mich nur ein , entweder , weil es an Tänzern fehlt , oder , um dem alten Baron eine Höflichkeit zu erweisen , in keinem Fall um meiner selbst willen . Ich werde in der Gesellschaft wie ein Mohikaner unter den Irokesen , wie ein Spion im Lager angesehen werden . Ich kenne den Adel . Der Adelige ist nur höflich und liebenswürdig gegen den Bürgerlichen , so lange er mit ihm allein ist ; sind mehrere Adelige bei einander , so fließen sie zusammen wie Quecksilber und kehren gegen den Bürgerlichen den esprit de corps heraus . Ich sage Dir , Melitta , ich kenne die Adeligen und hasse die Adeligen . Aber Du liebst doch mich , Oswald , und ich gehöre doch auch zu der verfehmten Klasse . Leider , sagte Oswald , und es ist das der einzige Fehler , Du Holde , den ich an Dir habe entdecken können . Aber dann bist Du so engelgut und lieb , und da gehst Du durch diesen Schwefelpfuhl , ohne auch nur den Saum Deines Gewandes zu beflecken . Und so sehr Du auch im Vergleich mit diesen eiteln , dummen Pfauen gewinnen mußt , so fürchte ich doch , daß von dem feurigen Haß , den ich gegen die ganze Sippschaft habe , unversehens auch ein Funken auf Dich spritzen könnte . Jetzt bist Du mir eine Königin , eine Chatelaine , die aus ihrem Schloß sich weggestohlen hat , den Herzallerliebsten flüchtig zu umarmen , und ich vergesse Deinen Rang , Deine Hoheit hier in dieser traulichen Waldeinsamkeit , Du bist mir nur das geliebte , angebetete Weib , die Krone der Schöpfung , bist , was Du mir auch im Gewande der Bettlerin sein würdest - dort aber im kerzenhellen Saale , umgeben von Deinen Granden , von Allen gehuldigt und gefeiert , kann ich meine