ihre spanischen Dublonen eine goldene Brücke über die Kluft der Alliance mit einer Jüdin ? « » Es ist etwas mysteriös mit dieser Familie , « erwiderte der Bedachtsame . » Der Papa soll ein rasender Spekulant sein , und Mutter und Tochter sollen in London das Mosaische Gesetz verlassen und sich einer der dort wimmelnden Sekten angeschlossen haben . Vielleicht ist dies aber nur ein Gerücht , wie tausend andere ! und vielleicht breiteten sie selbst es aus , um mit weniger Schwierigkeit in der haute volée eine Partie für die Tochter zu finden , die wegen ihrer Schönheit freilich dahin gehört . « » Das ist richtig : sie macht alle übrigen Damen tot , diese Judith ; aber sie hat ein Etwas , als ob sie auch allenfalls einem Holofernes den Kopf abschneiden könnte . « » Mais , mon cher ! wie können Sie solche gewagte Urteile in die Welt hineinschleudern . Den Kopf abschneiden ! ich bitte Sie , wie wäre das möglich in der hypereleganten Gesellschaft unserer Tage . « » Daß diese hyperelegante Gesellschaft auch eine schauderhafte Kehrseite hat , ist uns allen im vorigen Sommer bei den gräßlichen Scenen im Hotel de Praslin2 in Paris wohl recht klar vor Augen getreten . Übrigens haben Sie ganz recht : man muß dergleichen zu vergessen suchen und möglichst wenig davon reden . « Ungeteilten Beifall fand Regina nur in der Damenwelt ; ja , diese bemühte sich , sie recht hervor zu heben , um dadurch indirekt Judith herab zu drücken , die von den meisten Männern unmäßig bewundert wurde . Sie ließ sich bewundern , äußerlich ganz gleichgiltig , innerlich mit stolzer Selbstgefälligkeit , als etwas , das ihr zukam . Nur dann , wenn sie sehr lebhaft sich unterhielt , was äußerst selten geschah , verschwand ihr schwermütiger Ausdruck ; ihr Ernst nie . Nie stieg ihr Lächeln bis in ihre Augen hinauf ! es blieb auf den Lippen ruhen , während aus Regina ' s seelenvollem Auge ein freundliches Lächeln , gleichsam ein inneres Licht , nie verschwand . Graf Windeck hörte außerordentlich viel Schönes über seine liebliche Tochter , was er in Judiths Stil aufnahm . Uriel fühlte sich mehr und mehr von dem Zauberbann gefangen , den sie so ganz absichtslos durch ihr Sein und Wesen um ihn wob . Spräche sie nur anders , oder blickte sie nur anders , oder ginge und stände sie anders - ach ! oder wäre sie nur etwas anders - seufzte er heimlich : so könnte man durch eines dieser Tore ihr entrinnen ; aber jetzt , da alles in ihr und an ihr harmonische Vollkommenheit ist , jetzt ist es eine Unmöglichkeit . Er konnte nicht nur Judith nicht bewundern , sondern nicht einmal begreifen , daß andere sie bewunderten : so aufrichtig war er durch Regina bezaubert . Wie alle hienieden , ging denn auch dieser Ball vorüber . Um zwei Uhr Nachts schöpfte Regina Atem in ihrem stillen Zimmer und versenkte sich zur Erholung ihrer Seele in die andächtige Betrachtung des Gnadenhimmels , der diese Schein- und Flitterwelt überwölbt und dessen Gestirne die heiligen fünf Wunden des gekreuzigten Gottes sind . Und Dich über dem Tand vergessen , sagte sie halblaut und schaute auf ihr Kruzifix , das nennt die Welt Freuden ; und an Dir vorüber gehen und nach buntem Staube greifen , das nennt sie Glück ; und Dich und Dein Kreuz und Deine Nachfolge verschmähen , das nennt sie Vernunft ; und alles lieben , was Du nicht bist , das nennt sie Liebe . O welch eine schauerliche Abwendung von ihrem Ziel ! Und das soll auch ich verfolgen lernen ? ! Dein bin ich ! hilf mir ! rief sie und Ströme von Tränen stürzten aus ihren Augen , die wie friedliche Sterne über die Unruhe der Welt hinwegschauten , und zu Füßen des Kruzifixes schmiegte sie sich nieder und gelobte wieder und wieder ihre ungeteilte Liebe demjenigen , der mit dieser Liebe ihr armes Herz begnadet hatte . Am Morgen war sie pünktlich in der Siebenuhrmesse , als hätte sie die ganze Nacht , wie Corona , den Schlaf der Gerechten geschlafen . - - - - - - - - - - - - - - » Nun wie gefällt Ihnen mein quasi Phönix ? « sagte Ernest nach einiger Zeit zu Judith . » Gehört die Gräfin Regina zu Ihren sentimentalen Komtessen ? ist sie veilchenblau ? « » Nein ! sie ist lilienweiß , « antwortete Judith . » Sie sind merkwürdig gescheit ! « rief er . » Weil ich Ihren quasi Phönix richtig taxiere ? « fragte sie spöttisch . » O , « sagte Ernest gelassen , » dazu sind Sie trotz all Ihrer Gescheitheit nicht im Stande . Ich bewundere nur , daß Sie so bereitwillig Ausnahmen machen und so bezeichnende Ausdrücke wählen . « » Kann man durch Klugheit glücklich werden ? « fragte sie . » Mittelbar , ja ! wenn wir die Klugheit anwenden , um zur Selbsterkenntnis zu kommen , d.h. zur Einsicht unserer Unvollkommenheit und unseres Mangels an Tugend , woraus dann Demut entspringt , und Demut ist die Wurzel aller Vortrefflichkeit , also auch des wahren Glückes . Aber unmittelbar und allein durch Klugheit ist noch nie ein Mensch glücklich geworden und die Welt , die doch mancherlei Kuriosa erlebt , wird doch das nimmermehr erleben . « » Wozu dienen uns denn Geistesgaben , wenn sie uns nicht glücklich machen ? « » Fräulein Judith , Sie tun Fragen , die mehr als wunderlich sind ! Wenden Sie Ihre Geistes- und sonstigen Gaben so an , wie es der Absicht des lieben Gottes entspricht , der sie Ihnen verlieh , nämlich zu seiner Ehre und zum Heil Ihrer Seele , dann werden Sie schon erkennen , wozu Verstand und Talente dienen . Wenn Sie sich aber einbilden , daß Sie durch ein paar kluge Urteile , oder durch Ihren