, die es damit nicht gar zu genau nehmen - können wir dem blonden Hieronymus und dem Ulrich von Straßburg nachsagen , daß sie mit Frauenzimmern zusammen zu kommen pflegen und daß sie von zweifelhafter Herkunft sind , so werden sie mit Schimpf und Schande aus der Genossenschaft verwiesen . « » Das ist ein guter Rath ! « sagte Streitberg ; » in Straßburg hat es ja Hexen gegeben - wer weiß , gelingt es nicht ihn zu einem Hexensohn zu stempeln ! « - Das war die Unterredung , welche Rachel mit angehört und welche sie vermocht hatte , die Baubrüder aufzusuchen und zu warnen . Rachel war trotz der Umgebung , in der sie aufgewachsen und die sich wahrlich weniger durch eigene Schuld als durch die barbarischer Christen in einem ununterbrochenen heimlichen Krieg gegen dieselbe befand , dem kein Hülfsmittel zu schlecht war , mit einem weichen Gefühl und zartem Gewissen begabt , das offenbare Schlechtigkeiten als solche empfand und vor ihrer Vollziehung schauderte . Gleichwohl war sie eine zu gehorsame Tochter und erkannte in ihrem Vater das würdige Oberhaupt der Familie , dem sie blinden Gehorsam schuldig war . So kam sie in fortwährende Conflikte , in denen sie sich oft nur durch etwas wie Instinkt einer unverdorbenen weiblichen Natur für das Eine oder Andere entschied . So war es hier gewesen . Der Baubruder Ulrich , der ihr die Rose zugeworfen , der dann sie freundlich » liebes Kind « genannt , war zum Abgott ihres Herzens geworden ; es mochte geschehen was da wolle - ihn mußte sie warnen . Und warum nicht durch ihn auch die schöne Frau , der er hülfreich beigestanden ? Rachel ' s ganzes mädchenhafte Gefühl sträubte sich dagegen , ein Weib in die Gewalt eines rohen Mannes fallen zu lassen ! Wenn sie diese Bubenstücke zu hintertreiben suchte , so konnte sie dies auf keine andere Weise als die geschehene versuchen - durfte weder ihren Vater noch andere Betheiligte angeben , wenn sie nicht selbst sich verrathen und dadurch die Möglichkeit abschneiden wollte , künftig noch Aehnliches zu verhüten . Und nun hörte sie , daß Ulrich erschlagen , nun war sie es selbst , die ihn dem Tod entgegengesandt ! Sie durfte auch jetzt sich durch kein Wort verrathen - aber selbst wenn der Fluch des Vaters sie träfe , welcher Fluch konnte denn sie mehr entsetzen als das Blut des Baubruders , das über sie kam ? - Zweiter Band Erstes Capitel Gobelins Die kalten Strahlen einer halbverschleierten Wintersonne brachen sich auf den Eisflächen der Pegnitz . Frisch gefallener Schnee lag auf den Dächern von Nürnberg , schmückte die zierlichen Giebelkanten mit glänzendweißem Besatz und wölbte über jedes Chörlein noch einen zweiten Baldachin , so weich und anschmiegend , als sei er aus sammetener Decke gewoben . Aus den Essen wirbelte grauer Rauch empor , am dichtesten aus den hohen Schornsteinen der Gießhütten . In dem mit Marmor und Eisengittern von durchbrochener Gießarbeit verziertem Kamin in Elisabeth Scheurl ' s Wohnzimmer brannten große Eichenknorren , um den weiten Raum mit behaglicher Wärme zu erfüllen . Die Thür des Nebenzimmers stand offen und auch darin loderte ein prasselndes Feuer . Dies Gemach erschien zu einem Arbeitszimmer umgeschaffen . An der Wand befand sich eine große Holztafel , auf deren himmelblauem Grund eine Auferstehung Christi gemalt war . Der Engel des Herrn saß im leuchtenden Gewand im Grabe , die Jünger und Frauen standen bestürzt davor , zur rechten Seite zeigte sich der Auferstandene , die ganze Gestalt vom goldenen Heiligenschein umflossen . Die Farben waren sehr bunt und lebhaft , die Gestalten lang gezogen und eckig , aber einzelne Gesichter von sprechendem Ausdruck . In der im Vordergrund stehenden Maria Magdalena erkannte man ohne Mühe Elisabeth ' s Conterfei . Daneben lehnten noch kleinere Holztafeln mit schwebenden oder betenden Engeln , umgeben von Palmen oder Sternen , aus denen meist Ecken in verschiedenen Zusammensetzungen gebildet waren . An den beiden hohen Bogenfenstern , von denen die schweren Damastvorhänge zurückgeschoben waren , um ungehindert alles Licht einzulassen , das die kurzen Wintertage spendeten , standen zwei ungeheure Stickrahmen , noch nicht groß genug , um den Stoff zu fassen , der darin verarbeitet werden sollte , und darum noch an den Seiten aufgerollt war . Hier sah man ein mühevolles Werk weiblicher kunstgeübter Hände begonnen . Das große aufgestellte Gemälde von der Hand des Malers Hans Beuerlein diente als Muster , und sollte sich hier in damals üblichem Gobelinsstich noch einmal wiederholen . Ganze Körbe , von Wolle und Seide in strahlenden Farben , und mit Gold und Silberfaden angefüllt , standen bereit , das reichste Material zur Verarbeitung zu bieten . Etwa seit Jahresfrist war Elisabeth auf den Gedanken gekommen , die Töchter der edlen Geschlechter Nürnbergs aufzufordern , mit ihr vereint einen Teppich vor das Hochaltar der Kirche von St. Lorenz zu sticken , an deren Verschönerung gerade jetzt so begeistert gearbeitet ward . War doch damals alle Kunst zu einem Ganzen vereint in der Kirche und strebte alle Kunstbegeisterung diesem erhabenen Mittelpunkt zu - so auch die der Frauen . Elisabeth aber ging immer Allen gern mit einem leuchtenden Beispiel voraus , stand immer gern an der Spitze und ordnete Alles nach ihrem Sinn und Geschmack , der denn auch durch seine Veredlung und Reinheit berufen war , vor dem Anderer zur Geltung zu kommen . Ihr geachteter Name wie ihr Reichthum fielen dabei nicht minder in die Wagschaale , und auch ihre Feindinnen und Neiderinnen mußten sich damit begnügen , sie im Stillen zu verspotten und zu verleumden , öffentlich aber ihr den Vorrang zu lassen und persönlich ihr höflich zu begegnen . Bei einem so regen Geiste , wie dem Elisabeth ' s , und einem so glühenden Herzen , wie in ihrer Brust schlug , dem sie doch nicht mehr die einstige laute Sprache gestatten durfte und wollte , war das Bedürfniß um so dringender , immer für ein Großes oder Allgemeines