sie auch seien , doch nur Stoffe wären , und daß es viel vorzüglicher sein müßte , wenn man sie , ohne daß ihre Schönheit einer Eintrag erhielte , doch auch mit einer Gestalt umgäbe , welche außer der Lieblichkeit des Stoffes auch den Geist des Menschen sehen ließe , der hier tätig war , und an dem man Freude haben könnte . Ich nahm mir vor , wenn ich wieder zu meinem alten Gastfreunde käme , mit ihm über die Sache zu reden . Ich sah , daß ich in dem Rosenhause etwas Ersprießliches gelernt hatte . Ich wurde bei jener Gelegenheit zufällig mit dem Sohne eines Schmuckhändlers bekannt , welcher als der vorzüglichste in der Stadt galt . Er zeigte mir öfter die wertvolleren Gegenstände , die sie in dem Verkaufsgewölbe hatten , die aber nie in einem Schaufenster lagen , er erklärte mir dieselben , und machte mich auf die Merkmale aufmerksam , an denen man die Schönheit der Edelsteine erkennen könne . Ich getraute mir nie , meine Ansichten über die Fassung derselben darzulegen . Er versprach mir , mich näher in die Kenntnis der Edelsteine einzuführen , und ich nahm es recht gerne an . Weil ich durch meine Gebirgswanderungen an viele Bewegung gewöhnt war , so ging ich alle Tage entweder durch Teile der Stadt herum , oder ich machte einen Weg in den Umgebungen derselben . Das Zuträgliche der starken Gebirgsluft ersetzte mir hier die Herbstluft , die immer rauher wurde , und ich ging ihr sehr gerne entgegen , wenn sie mit Nebeln gefüllt oder hart von den Bergen her wehte , die gegen Westen die Umgebungen unserer Stadt säumten . Ich fing auch in jener Zeit an , das Theater zuweilen zu besuchen . Der Vater hatte , so lange wir Kinder waren , nie erlaubt , daß wir ein Schauspiel zu sehen bekämen . Er sagte , es würde dadurch die Einbildungskraft der Kinder überreizt und überstürzt , sie behingen sich mit allerlei willkürlichen Gefühlen , und gerieten dann in Begierden oder gar Leidenschaften . Da wir mehr herangewachsen waren , was bei mir schon seit längerer Zeit , bei der Schwester aber kaum seit einem Jahre der Fall war , durften wir zu seltenen Zeiten das Hoftheater besuchen . Der Vater wählte zu diesen Besuchen jene Stücke aus , von denen er glaubte , daß sie uns angemessen wären und unser Wesen förderten . In die Oper oder gar in das Ballet durften wir nie gehen , eben so wenig durften wir ein Vorstadttheater besuchen . Wir sahen auch die Aufführung eines Schauspiels nie anders als in Gesellschaft unserer Eltern . Seit ich selbstständig gestellt war , hatte ich auch die Freiheit , nach eigener Wahl die Schauspielhäuser zu besuchen . Da ich mich aber mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte , hatte ich nach dieser Richtung hin keinen mächtigen Zug . Aus Gewohnheit ging ich manchmal in eines von den nämlichen Stücken , die ich schon mit den Eltern gesehen hatte . In diesem Herbste wurde es anders . Ich wählte zuweilen selber ein Stück aus , dessen Aufführung im Hoftheater ich sehen wollte . Es lebte damals an der Hofbühne ein Künstler , von dem der Ruf sagte , daß er in der Darstellung des Königs Lear von Shakespeare das Höchste leiste , was ein Mensch in diesem Kunstzweige zu leisten im Stande sei . Die Hofbühne stand auch in dem Rufe der Musteranstalt für ganz Deutschland . Es wurde daher behauptet , daß es in deutscher Sprache auf keiner deutschen Bühne etwas gäbe , was jener Darstellung gleich käme , und ein großer Kenner von Schauspieldarstellungen sagte in seinem Buche über diese Dinge von dem Darsteller des Königs Lear auf unserer Hofbühne , daß es unmöglich wäre , daß er diese Handlung so darstellen könnte , wie er sie darstellte , wenn nicht ein Strahl jenes wunderbaren Lichtes in ihm lebte , wodurch dieses Meisterwerk erschaffen und mit unübertrefflicher Weisheit ausgestattet worden ist . Ich beschloß daher , da ich diese Umstände erfahren hatte , der nächsten Vorstellung des Königs Lear auf unserer Hofbühne beizuwohnen . Eines Tages war in den Zeitungen , die täglich zu dem Frühmahle des Vaters kamen , für die Hofbahne die Aufführung des König Lear angekündigt und als Darsteller des Lear der Mann genannt , von dem ich gesprochen habe , und der jetzt schon dem Greisenalter entgegen geht . Die Jahreszeit war bereits in den Winter hinein vorgerückt . Ich richtete meine Geschäfte so ein , daß ich in der Abendzeit den Weg zu dem Hoftheater einschlagen konnte . Da ich gerne das Treiben der Stadt ansehen wollte , wie ich auf meinen Reisen die Dinge im Gebirge untersuchte , ging ich früher fort , um langsam den Weg zwischen der Vorstadt und der Stadt zurück zu legen . Ich hatte einen einfachen Anzug angelegt , wie ich ihn gerne auf Spaziergängen hatte , und eine Kappe genommen , die ich bei meinen Reisen trug . Es fiel ein feiner Regen nieder , obwohl es in der unteren Luft ziemlich kalt war . Der Regen war mir nicht unangenehm , sondern eher willkommen , wenn er mir auch auf meinen Anzug fiel , an dem nicht viel zu verderben war . Ich schritt seinem Rieseln mit Gemessenheit entgegen . Der Weg zwischen den Bäumen auf dem freien Raume vor der Stadt war durch das Eis , welches sich bildete , gleichsam mit Glas Überzogen , und die Leute , welche vor und neben mir gingen , glitten häufig aus . Ich war an schwierige Wege gewöhnt , und ging auf der Mitte der Eisbahn ohne Beschwerde fort . Die Zweige der Bäume glänzten in der Nachbarschaft der brennenden Laternen , sonst war es Überall finstere Nacht , und der ganze Raum und die Mauern der Stadt waren in ihrer Dunkelheit verborgen . Als ich von dem Gehwege in die Fahrstraße einbog , rasselten viele Wägen an mir vorüber , und die Pferde