seinen Schuh aus und hielt ihn den Brüdern entgegen : » Der Schuh ist schon im vorigen Jahr zerrissen « , sprach er , » da ist Heribald zum Camerarius gegangen , gib Mir mein jährlich Leder , hat Heribald gesagt daß ich mir ein Paar Schuhe anfertige , da hat der Camerarius gesagt : Tritt du deine Schuhe nicht krumm , so werden sie nicht reißen , und hat das Leder geweigert , und wie Heribald den Camerarius beim Abt verklagt , hat ihm der gesagt : Ein Narr , wie du , kann barfuß laufen ! Jetzt hat Heribald kein ordentlich Fußwerk und mit zerrissenem geht er nicht unter fremde Leute162 ... « Solchen Gründen war keine stichhaltige Widerlegung entgegenzusetzen . Da umschlangen ihn die Brüder mit starkem Arm , ihn hinabzutragen ; im Gang aber riß er sich los und floh mit Windeseile hinab in die Kirche und die Treppen hinauf , die auf den Kirchturm führten . Zu oberst setzte er sich fest und zog das hölzerne Stieglein empor ; es war ihm nimmer beizukommen . Sie erstatteten dem Abte Bericht . » Lasset ihn zurück « , . sprach der Abt , » über Kinder und Toren wacht ein besonderer Schutzengel . « Zwei große LädinenA3 lagen am Ufer , die Abziehenden aufzunehmen : wohlgerüstete Schiffe mit Ruder und Segelbaum . In kleinen Kähnen hatten sich des Klosters dienende Leute und was sonst noch auf der Reichenau hauste , mit Hab und Gut eingeschifft ; es war ein wirres Durcheinander . Ein Nachen voll von Mägden und befehligt von Kerhildis , der Obermagd , war bereits abgefahren ; sie wußten selber nicht wohin , aber die Furcht war diesmal größer als die Neugier , die Schnurrbärte fremder Reitersmänner zu sehen . Jetzt zogen die Klosterbrüder heran ; es war ein seltsamer Anblick : die meisten in Wehr und Waffen , Litanei betend andere , den Sarg des heiligen Marcus tragend , der Abt mit Ekkehard und den Zöglingen der Klosterschule - betrübt schauten sie noch einmal nach der langjährigen Heimat , dann stiegen sie zu Schiffe . Wie sie aber in den See ausfuhren , huben alle Glocken an zu tönen , der blödsinnige Heribald läutete ihnen den Abschiedsgruß ; dann erschien er auf den Zinnen des Münsterturmes : » Domonus vobiscum ! « rief er mit starker Stimme herab und in gewohnter Weise antwortete da und dort einer : » Et cum spiritu tuo ! « Ein scharfer Luftzug kräuselte die Wellen des Sees . Erst vor kurzem war er aufgefroren , noch schwammen viel schwere Eisblöcke drin herum und die Schiffe hatten große Mühe , sich durchzuarbeiten . Geduckt sahen die Mönche , die den Sarg des heiligen Marcus hüteten , etlichemal schlug die Woge zu ihnen herein , aber aufgerichtet und keck stand Abt Wazmanns hohe Gestalt , die Kapuze flatterte im Winde . » Der Herr geht vor uns her « , sprach er , » wie er in der Feuersäule vor dem Volk Israel ging ; er ist mit uns auf der Flucht , er wird mit uns sein auf fröhlicher Rückkehr ! ... « In Heller Mondnacht stieg der Reichenauer Mönche Schar den Berg von Hohentwiel hinaus . Für Unterkunft war gesorgt . In der Burg Kirchlein stellten sie den Sarg ihres Heiligen ab ; sechs der Brüder wurden zu Wacht und Gebet bei ihm befehligt . Der Hofraum ward in den nächsten Tagen zum fröhlichen Heerlager . An aufgebotenen Dienstmannen lagen schon etliche hundert oben , der Reichenauer Zuzug brachte einen Zuwachs von neunzig streitbaren Männern . Emsig ward geschafft an allem , was des baldigen Kampfes Notdurft heischte . Schon eh ' die Sonne aufstieg , weckte der Schmiede Gehämmer die Schläfer . Pfeile und Lanzenspitzen wurden gefertigt ; beim Brunnen im Hofe stand der große Schleifstein , dran wetzten sie die rostigen Klingen . Der , alte Korbmacher von Weiterdingen war auch herausgeholt worden , der saß mit seinen Buben unter der Linde , die langen , zu Schilden zugeschnittenen Bretter übersponnen sie mit hartem Flechtwerk von Weidengezweig , dann ward ein gegerbtes Fell darüber genagelt : der Schild war fertig . Am lustigen Feuer saßen andere und gossen Blei in die Formen zu spitzem Wurfgeschoß für die Schleuder , - eschene Knittel und Keulen wurden in den Flammen gehärtet163 : » Wenn der an eines Heiden Schädel anklopft « , sprach Rudimann und schwang den Prügel , » so wird ihm aufgetan ! « Wer früher schon im Heerbann , gedient sammelte sich um Simon Bardo , den griechischen Feldhauptmann . » Zu euch nach Deutschland muß einer gehen , wenn er seine greisen Tage in Ruhe verleben will « , hatte er scherzend zur Herzogin gesagt . Der Waffenlärm aber stärkte sein Gemüt wie alter Rheinwein und richtete ihn auf ; mit scharfer Sorge ließ er die Unerfahrenen sich in den Waffen üben , des Burghofs Pflaster widerhallte vom schweren Schritt der Mönche , die in geschlossenen Reihen des Speerangriffs unterwiesen wurden . » Wände könnt ' man mit euch einrennen « , sprach der Alte Beifall nickend , » wenn ihr einmal warm geworden seid . « Wer von den Jüngern eines sichern Auges und beweglicher Knochen sich erfreute , ward den Pfeilschützen zugeteilt . Fleißig übten sie sich . Heller Jubel klang einmal von des Hofes anderem Ende zu den Speerträgern herüber : das lose Volk hatte einen Strohmann angefertigt , eine Krone von Eulenfedern im Haupt , eine sechsfältige Peitsche in der Hand , einen roten Lappen in Herzform auf der Brust , war er ihre Zielscheibe . » Der Hunnen König Etzel « , riefen die Schützen , » wer trifft ihn ins Herz ? « » Spottet nur « , sprach Frau Hadwig , die vom Balkon herab zuschaute ; » hat ihn auch in schlimmer Brautnacht der Schlag darnieder gestreckt , so geht sein Geist fort und fort mächtig durch die Welt ; die nach uns kommen ,