; und die Leut an dem Main da drunten werden die Nas auch grad überm Maul tragen , justement wie wir hie . « Dann schüttelte er seinen Verwandten die Hände und ging . Bei dem Schwager Krämer klopfte er nur im Vorübergehen ans Fenster und rief seiner Schwester einen kurzen Abschiedsgruß zu , lockte aber ihre Kinder eine Strecke weit mit sich und entließ sie geküßt und beschenkt . Nachdem er diese gleichgültigeren Angelegenheiten abgetan hatte , trat er den schweren Gang zu Christinen an . Diesmal suchte er keine Nebengäßchen , sondern ging den geraden Weg bis ans Ende des Fleckens und sah dabei allen Begegnenden herzhaft und freundlich ins Gesicht . Als er aber die Treppe soweit unter sich hatte , um im Hinaufsteigen einen Blick durch das Fenster werfen zu können , stieß er einen Fluch aus , sprang den Rest der Stufen mit zwei Sätzen hinauf und stürzte wütend in die Stube , wo der alte Hirschbauer seine Tochter soeben an den Zöpfen ergriffen hatte und die Hand aufhob , sie zu schlagen . » Halt ! « rief Friedrich , warf sich zwischen beide und riß die Tochter von dem Vater weg . » Wenn Euch Euer Leben lieb ist « , rief er , » so untersteht Euch nicht , ihr ein Haar zu krümmen ! Mir allein kommt das Recht zu , sie zu schlagen , wenn sie etwa gefehlt hat . « » Das könnt ich brauchen « , polterte der Hirschbauer , » daß mir einer meine Tochter verführt und noch dazu in meinem Haus den Meister spielen will . Weiß wohl , wo die Häglein niedrig sind , da drüber steigt man gern ; aber mich soll Armut und Niedrigkeit nicht so weit bringen , daß ich Mutwillen mit mir und den Meinigen treiben lass . « » Es ist von keinem Mutwillen die Red « , sagte Friedrich , » und ich bin kein Verführer . Ich will Eurer Tochter alle Ehr und alle Treu erweisen , und meine Absicht ist auf nichts anders gerichtet , denn daß wir als Ehleut zusammen kommen . « » Und dazu geht man in die Fremde ? « rief die Bäuerin mit zornigem Lachen . » Ja , ja , weit davon ist gut für ' n Schuß ! « » So , das ist auch schon ausgeschwätzt ? « sagte Friedrich . » Wer hat Euch denn das hinterbracht ? « » Seine Mutter ist dagewesen « , erwiderte die Bäuerin , » Er braucht nichts zu leugnen . « » Ich will auch nichts leugnen , begreif ' s aber wohl , daß Unsamen hier ausgestreut worden ist . Wahr ist ' s , daß ich gehen muß , weil mein Vater für jetzt nicht gut zu dieser Heirat sieht und weil er vielleicht meint , in einer andern Luft wachse mir auch gleich wieder ein anderer Kopf . Aber alles hat seine zwei Seiten . Mein Vater kann mir nichts befehlen , was für mein ganzes Leben gelten soll , denn über die Zukunft muß ich selber Herr sein , und sein Vater springt auch nicht mehr hinter ihm drein , um ihm die Fliegen abzuwehren oder ihn zu hüten , daß er den Fuß nirgends anstoßt . Aber wenn er mir jetzt in die Fremde zu gehen befiehlt , so gehorch ich ihm und glaub ihn auch damit besser herumzubringen als mit Ungehorsam und Trotz . Er wird dann schon sehen , daß ich in dem , was meine eigene Sach ist , mein Herz nicht ändere , und zuletzt wird er mit seinem einzigen Sohn ein Einsehen haben und wird uns zusammen lassen . Damit jedoch mein Schatz und die Ihrigen nicht an mir zweifeln , deswegen bin ich herkommen , um den Verspruch vor meinem Fortgehen richtig zu machen und mit euch darüber zu reden . « Der Hirschbauer und sein Weib sahen einander an ; diese Erklärung lautete ganz anders als das , was die Sonnenwirtin ihnen geringschätzig und spöttisch vorgesagt hatte , um sie gegen ihre Tochter und deren Liebhaber aufzureizen . » Seine Mutter « , hob der Hirschbauer wieder an , » hat uns gesagt , daß Er mit leichtem Herzen fortgeh und selber froh sei , der Fessel wieder ledig zu werden . Und wenn nun das auch nicht so ist und Er andere Absichten hat , so wird Er mir doch nicht zumuten wollen , daß ich meine Tochter einer Familie aufdringen soll , die nichts von ihr wissen will . « » Laßt das gut sein , Vetter « , sagte Friedrich . » Die Sach ist nicht mehr anders zu machen . Das Mädle will mich , und ich will sie ; uns zwei reißt niemand mehr auseinander . Also handelt , wie ein rechtschaffener Vater an seinem Kind handeln soll , und tretet nicht auch noch zu unsern Feinden . « Die beiden Alten eiferten und schalten heftig über diese eigenmächtige Art , eine Liebschaft anzufangen , und namentlich meinte die Hirschbäuerin , ihre Tochter hätte wohl eine Züchtigung dafür verdient . Auch beteuerte sie , sie habe nie daran gedacht , daß er darum in ihr Haus gekommen sei , um durch ein Liebesverhältnis mit ihrer Tochter seinen Eltern Verdruß zu machen , und wälzte jede Verantwortlichkeit dafür feierlich von sich ab . Allein ungeachtet des polternden Tones waren beide sichtbar besänftigt durch die Offenheit , mit welcher der junge Mann seine Gesinnung ausgesprochen hatte . Sie gaben sich jedoch Mühe , dies nicht merken zu lassen , und der Hirschbauer sagte : » Man spricht aus , daß Er so gewalttätig sei und daß man von Ihm nichts als Ungelegenheit haben werde ; Er soll ja haben verlauten lassen , wenn Er Seinen Willen nicht durchsetze , so werde Er alles über einen Haufen stechen und den Flecken anzünden . « » Das ist nicht wahr ! « rief Friedrich entrüstet , » es