das Horn ! « rief er wild . » Unser Leben hängt von dem Pulver ab ! « Alle suchten ängstlich umher und befragten sich gegenseitig - das Stierhorn mit dem Pulvervorrath des Alten fehlte , - Bogdan , der es getragen , hatte in der Eile der Trennung vergessen , es mit der Flinte an Gabriel zu geben . Die Männer , die noch vor wenigen Minuten dem wilden Feinde kühn in das Weiße des Auges geschaut , sahen sich erbleichend an - es ist etwas Furchtbares selbst für den Tapfersten , in der Stunde der Gefahr sich der Waffe beraubt zu sehen . » Wie viel Pulver haben wir noch ? « Man sah nach - zwei der Flinten , die Gabriel ' s und Jowan ' s , waren noch geladen , auch ein Pistol enthielt noch den Schuß - die Pulverflaschen des Griechen und des Moslems waren leer . Der Beg stützte finster das Haupt in die Hand . » Mein eigen Blut ist mein Verderben , - der greise Adler der schwarzen Berge hat die Krallen verloren , er ist ein Kind in der Hand seiner Feinde ! « Und wie antwortend hoch über ihnen klang ein Rabenschrei durch die Luft und das Echo des Felsens trug ihn nieder . Der Beg und Gabriel richteten sich empor , ihre Augen schienen das Dunkel durchbohren zu wollen , die Nerven ihres Gehörs gespannt , wie sie , dem Wilde gleich , das den Jäger wittert , durch die Nacht lauschten . Und wieder - aber leiser und näher klang der Schrei des Raben . Gabriel warf sich an die Brust des Freundes , der alte Primore7 schwang jubelnd die Flinte um das Haupt . » Stephana ! das ist Stephana - das treue Weib ! - Sie haben unsere Noth errathen , sie bringt uns das Pulver ! « Da krachte in der Nähe ein Schuß - wildes Geschrei auf allen Seiten - über die Berghalde flog eine weiße Gestalt in rasendem Lauf nach den Schatten des Thurmes zu - an dem Eingange harrten die Freunde und rissen mit blutenden Fingern Balken und Steine zur Seite . » Stephana ! « » Gabriel ! « Aber aus den Schatten rings umher , gleich Gespenstern , tauchten die dunklen Gestalten der Albanesen auf allen Seiten empor , zwischen ihr und den rettenden Mauern , - ein wilder verzweifelter Schrei , und in den rohen Armen der Männer wand sich die treue Czernagorzenfrau . » Hinaus ! Rettet mein Weib ! « Ueber die eigene Verschanzung empor klimmten die Verfolgten . Ihnen entgegen donnerte eine Salve der Türken - weit aus breitete der wackere Hassan Lekitsch die Arme und drehte sich rund um sich selbst , ehe er zu Boden stürzte . » Kismet ! - Lebt wohl Ihr Brüder - die Houri ' s des Paradieses winken mir ! « - so starb er . Der Beg riß Gabriel und den Griechen zurück . » Ein Weib für fünf Männer - und ob es der eigene Saamen ist , das Hochland bedarf seiner Krieger ! « Er warf sich vor die Oeffnung , die Anderen zurückwehrend . Gabriel verhüllte das Gesicht , vor Schmerz wild aufstöhnend . - Stephana , das treue Weib , das den Freunden das zurückgelassene Pulver bringen wollte und das Dunkel des untergehenden Mondes abgelauert hatte , wurde auf den Armen der Moslems zurückgeschleppt zu den Füßen der Wölfin von Skadar . In ihrem Gewande fand man das Pulverhorn , das sie in die Hände der Feinde geliefert . » Wer bist Du , Weib ? « » Stephana Zagartschana , des Mannes Frau , den Ihr schmählich gefesselt hieltet in Skadar . « » So bist Du das Weib des Flüchtigen , der meinem Vater entronnen ? « » Du sagst es , blutige Bula8 . Der Mund einer Czernagorzenfrau redet nimmer Lüge . « » Und Dein Mann befindet sich in jenem Thurme mit dem Schändlichen , dessen Verrath ihn befreit hat ? « » Geh ' hin und frage selbst . « » Spiele nicht mit der Wölfin von Skadar , Weib , denn wisse . Dein Schicksal ist ein schlimmes und Dein Blut wird büßen für das , was Jene gethan . Keiner darf athmen , der sagen mag , er hätte Fatinitza ' s Schmach gesehen . Was wolltest Du bei den Verlorenen ? « » Die Tochter des Iwo Martinowitsch , des großen Beg der Rietschka , fürchtet den Tod nicht . Sie gehört zum Gatten und Vater in der Stunde der Gefahr . « Ein wilder Jubelruf brach im Kreise der Arnauten aus , als sie hörten , daß der berühmte Krieger des Hochlands in ihrer Gewalt sei . Trotz der furchtbaren Lage , in der sie sich befand , schwellte Stolz die Brust der edlen Czernagorzenfrau , als sie diese Anerkennung für den Ruf ihres Vaters vernahm . Einer der Albanesen zeigte das Pulverhorn , das man bei der Gefangenen gefunden . » Bei dem Propheten , Herrin , ich glaube , daß diese Tochter eines Hundes den Männern dies Pulver bringen wollte , woran es den unreinen Thieren von jeher gefehlt hat . Allah bilir , Gott allein weiß es . « » Geht und schaut in die Mündung der Flinten meiner Tapfern , sie werden Euch Antwort geben , « entgegnete die Czernagorzin kühn . » Aber eilt Euch , denn die Söhne der schwarzen Berge nahen , um ihren großen Beg zu suchen und hörten seinen Ruf nach den Kriegern . « Die finstre Falte zwischen den Brauen des Türkenmädchens zog sich dunkler und drohender . » Dann ist es Zeit , daß Dein Schicksal erfüllt werde . Bindet das Weib ! « Mehrere der Arnauten warfen sich auf die Unglückliche und schnürten ihre Arme zusammen . » Mein Pferd ! « Der Schimmel stampfte unter ihrem Druck . Am Sattel sprang lechzend der Wolf in die Höhe . » Zu den