. Er fing nun von der » Gesellschaft « an . Da ist eine Frau von Pfannenstiel ... Wer ist Das ? fragte er . Madame Pfannenstiel ? antwortete Bartusch achselzuckend ; Wirthschaftsräthin . Nicht üble Frau - ein bischen dumm . Was ? Excellenz wissen in diesem Punkte gewiß das Richtige zu treffen .... Aber reich ? Leider ! Wie so leider ? Weil sie Geld hat , ist sie hier . Dumme Menschen sind lästig . Mir wäre lieber , ihr Mann wäre da . Es läßt sich leben mit ihm . Warum ist der Mann nicht da ? Wagt ' s nicht . Da er früher hier wirthschaftete und das Volk geschunden hat , wie seinen armen Fürsten , so traut er sich nicht herzukommen . Ah ! ... Madame Schlurck ist eine charmante Frau ... fuhr der Geheimrath fort , der nun gesprächiger wurde . Bartusch schlug die Augen nieder , aus Gründen , die der Geheimrath nicht zu kennen schien und die auch wir erst später kennen lernen werden . Die muntere Blondine ... sehr charmant .... Frau von Sänger .... Frau von ? ... Frau von Sänger , die dritte Gemahlin des alten ehemaligen Rentmeisters von Sänger . Sind nach Randhartingen zurückgereist . Wohin ? Randhartingen , Excellenz ! Dort hinüber - zwei Stunden weit - rechts beim Ullagrund . Ah ! ... Allerliebste Frau . Bartusch ließ dem Geheimrath Zeit , sich zu besinnen . Er kam , da er eine junge erwähnt hatte , jetzt auf eine ältere . Die magere ? sagte er . Welche , Excellenz ? Die mit der - die mit dem - die ... Mit den großen Zähnen , wenn sie lacht .... Ah ! , Ja ! Frau Pfarrer Stromer . Keine schöne Frau . Gute Frau . Hat viel Kinder . Und die starke ? Wissen Sie , die kleine runde ! Frau von Reichmeyer , die Schwester des Herrn Lasally ... Nein , die nicht ! Sie meinen die Justizdirectorin von Zeisel , eine geborene von Nutzholz-Dünkerke . Nutzholz-Dünkerke ? Gute Familie ! Apropos . Was will denn der famose Stallmeister Lasally hier ? Der Geheimrath fragte fast unmuthig und nicht ohne besondern Nachdruck . Es ist des Commerzienraths Schwager , Bruder der Frau von Reichmeyer , wie Sie vielleicht wissen ; Reichmeyer hat 50.000 Thaler noch von der großen Lotterie her zu fordern .... Lasally hat doch wol schwerlich dabei eingeschossen ... meinte der Geheimrath ; sein Stall ist ja , soviel ich weiß , sequestrirt ; seine Pferde auf dem Rennen gewinnen nicht mehr . Lasally muß ganz im Misère stecken .... Weiß ich nicht , antwortete Bartusch diplomatisch - die Pferde , die er mitbrachte , reiten sich gut . Dies bemerkte gestern Fräulein Melanie .... Hat Pferde mitgebracht ! Famose Idee ! Warum - Pferde ? Man glaubte , der Aufenthalt würde sich in die Länge ziehen , man rechnete auf ein fröhliches Beisammenleben . Da sollten Bälle gegeben werden , soweit die Jahreszeit und die plessener Musik das Tanzen möglichmachte , da sollte gehüpft , gesprungen , gesungen und geritten werden . Jeder versprach seine rosenfarbene Laune mitzubringen und Freunde , soviel deren von verträglicher Sorte nur aufzutreiben waren . Was ist nun geworden ? Einer versteht den Andern nicht und mit Schlurck ' s Abreise ist Alles wie auseinandergesprengt . Der Intendant sagte : Brave Leute Das hier , aber kein Ton ! Graf Bensheim , Frau von Sengebusch eingeladen - wie war Das möglich ! Pure Dissonanz ! Haltung - Haltung ist viel - sehr viel ist Haltung . Feste zu arrangiren , erfodert Kopf und wie gesagt .... Geburt .... Was Feste arrangiren heißt , sah man am letzten Geburtstage der Königin , bemerkte Bartusch mit höflicher Verbeugung . Das arkadische Schäferfest suchte seines Gleichen , Excellenz .... Recht schön gewesen , äußerte der Intendant geschmeichelt und fast gleichgültig . Ich war wegen der Costüms selbst in Dresden - wissen Sie - um mir die Porzellansammlung anzusehen . Alle Menschen ... sehr hübsch wie von Porzellan gewesen - war sehr niedlich und richtig ! Alles nach echtem meißner Porzellan . Professor Lüders hat Alles sehr richtig gefunden . Nur eine Stimme darüber ! bemerkte Bartusch . An uns gewöhnliche Menschen kommt davon nur so ein Blick durchs Gitter und auch der ist verboten ; aber Excellenz sollen sich in dem Porzellanball wirklich selbst übertroffen haben . Als der Intendant lächelte , verbeugte sich der schlaue Graurock , der es in der Kunst , mit allerlei » Gemenschel « , wie er zuweilen verächtlich sagte , umzugehen , weit gebracht hatte . Doch kaum hatte er sich empfohlen , kehrte er , da er Etwas vergessen zu haben schien , zurück und sagte zu dem Intendanten , der seinen Blick unverwandt in die Gegend schweifen ließ , von wo die Cavalcade zurückkehren mußte : Noch ein Wort , Excellenz . Die Bilder wollt ' ich doch gehorsamst erinnert haben - Bilder ? Was für Bilder ? Die Familienbilder ! - Morgen bei der Verpackung ! betonte Bartusch . Welche Familienbilder ? sagte Herr von Harder plötzlich mit Amtsmiene und fast ungehalten . Bleiben bei der Masse - testamentarische Verfügung - Weiß Alles . Schon gut - Dürft ' ich mir erlauben , diese Stücke an mich zu nehmen und zur weitern Verfügung zurückzubehalten ? Verfügung ? Zurückzubehalten ? Wer verfügt ? Ich verfüge ! Bartusch erstaunte über diese kategorische Antwort , die von einem so bösen Blick begleitet war , daß die ganze freundliche Herablassung des vergangenen Gesprächs wie in Nichts verronnen erschien . Bartusch stand einen Augenblick rathlos , ob er unterwürfig bleiben sollte oder entschieden auftreten . Noch zog er den ersten Ton vor und sagte : Excellenz kennen des seligen Fürsten letzte Bestimmung , daß die Familienbilder von dem Kauf ausgeschlossen sind . Es war das Gewissen , das aus ihm sprach , die Ehre .... Familienbilder ! sagte der Intendant mit großem Nachdruck