so müss ' es immer sein - damals meinte ich nicht , daß ich nach wenig Monaten Sie so wiedersehen würde , wie es geschah . Jener erste Moment , in welchem ich sie sah , ist einer der erschütterndsten meines Lebens gewesen , ich werde ihn nie vergessen , und als ich Sie zum zweiten Male sah - darf ich es Ihnen gestehen ? so hätt ' ich dem Leben fluchen mögen , das auch aus Ihren Augen Thränen preßte , das auch Sie schon so schmerzlich fassen und bewegen konnte ! Aber ich lernte auch von Ihnen - ich hatte oft das Weh meines Herzens übertäuben wollen in rauschender Lust , aber ich dachte dann , es sei besser , gleich Ihnen dies Leid auszuweinen in Gottes freier Natur , an der Brust der mütterlichen Erde - und so that ich - und so kam ich auch hierher , um in der heiligen Frühlingswelt alle kleinen menschlichen Schmerzen zu vergessen - und mir ist , als würde das Herz gesund , wenn es wie hier neben lächelnden Blumen und wirbelndenden Lerchen schlagen kann - « er wollte noch mehr sagen , aber er hielt inne . » Das Herz wird still , wenn es wie hier auf dieser Höhe dem Himmel näher schlägt , « ergänzte Eisabeth , » ich bin jetzt zufrieden . Ich genieße den Fühling - was will man mehr ? « » Die Nähe verwandter Seelen , « sagte Jaromir . » O , ist man nicht selber reich genug , dem Wald , dem Bach , den Blumen allen verwandte Seelen zu geben ? Und bringt nicht jede Schwalbe , die sich in unsrer Nähe anheimelt , nicht jede Lerche , die aus der Saat zum Himmel jubelnd emporschwirrt , jede Nachtigall , die im Stillen und Dunkel sich hören läßt , die verwandte Seele mit , nach welcher wir uns sehnen ? Fühlen Sie nicht , daß das Lied , welches von dem wechselnden Vögelchen da drunten im Garten ertönt , alle die Regungen zur Sprache bringt , über welche Sie mit sympathisirenden Wesen sich unterhalten mögten ? Nun und warum nicht mit diesen gefiederten Sängern ? « fragte Elisabeth . » Nun , wer von uns Beiden ist denn der Poet ? « sagte Jaromir lächelnd . In diesem Augenblick traten der Graf und die Gräfin in den Saal . Jaromir und Elisabeth hatten sie vorher nicht bemerkt - sie standen jetzt schnell überrascht auf und traten zu ihnen in den Saal . Die Unterhaltung war allgemein und kam nicht aus der Sphäre des gewöhnlichen Conversationstones heraus . Jaromir hielt das nicht lange aus und entfernte sich sobald als es schicklich war . Später sagte die Gräfin zu Elisabeth : » Du ließest gestern den Kammerjunker von Aarens abweisen , weil Du allein warst , und nimmst heute im gleichen Falle den Grafen Szariny an - ich liebe solche Inconsequenzen nicht . « Elisabeth verließ ohne Antwort das Zimmer . IV. Erklärungen » Doch wehe , wehe dem Mittellosen , Wenn siech der Leib zusammenbricht , Da rettet nicht des Weibes Kosen , Da rettet die Pflege der Mutter nicht , Da helfen nicht die Gebete der Kleinen . « Karl Beck . Ein paar Wochen waren vergangen , seitdem Pauline sich von Franz hatte zu der langen Liese führen lassen . Pauline hatte ihn unterdessen nur von Weitem gesehen , wenn er in die Fabrik oder an den Zahltagen in ihres Vaters Comptoir ging ; sie war ihm auf ihren Spaziergängen , auch wenn sie dieselben nach dem allgemeinen Feierabend machte , niemals begegnet , und niemals hatte er sie im Garten aufgesucht , wie sonst , um irgend eine Angelegenheit , eine Bitte für die Unglücklichen , für welche er sich schon so oft verwendet hatte , vorzutragen . Nur ein Mal war sie ihm nahe in der Hausflur begegnet , wo er mit andern Arbeitern bei einem Factor gestanden hatte , der sie eben Alle ziemlich hart anließ . Franz hatte Paulinen einen schmerzlichen Blick zugeworfen , zum Sprechen war der Moment nicht geeignet gewesen . Den Chirurgen hatte sie gleich , als er das erste Mal zu den verunglückten Kindern auf Ihr Geheis gekommen war , im Voraus bezahlt . Sie hatte Nichts wiedre von diesen armen Leuten gehört , denn sie selbst war nicht wiedre hingegangen , da sie nach dem ersten Empfang der langen Liese recht wohl einsehen gelernt , wie diese ihren Besuch weniger als eine Art Genugthuung , sondern mehr als Verhöhung betrachte . Ihren Bruder oder die Factoren nach der langen Liese und ihren Kindern zu fragen , hielt eine innere ängstliche Scheu sie ab . Eines Abends saß Pauline allein im Garten wie gewöhnlich , denn um diese Stunde allein spazieren zu gehen wagte sie nicht , weil sie immer fürchtete , daß sie , wenn sie Fabrikarbeitern begegnete , von diesen roh behandelt werden mögte , oder doch wenigstens unziemliche Redensarten anhören müßte . Sie war sehr traurig , denn sie hatte auch Elisabeth lange nicht gesehen . Herr Felchner war sehr gegen den Grafen erbittert , seitdem dieser versucht hatte , sich mit in die Waldow ' sche Angelegenheit zu mischen und jetzt auch vor Gericht gegen ihn auftretend gestrebt hatte , es dahin zu bringen , daß der Fabrikherr den Bach - welcher nun durch sein neu erlangtes Gebiet floß - aber zugleich durch Hohenthal ' sche Besitzungen ging - nicht zu einem Graben einengen und zum Treiben irgend eines Mühlwerks benutzen dürfe . Es war darüber ein Prozeß entstanden , welchen man nach der Art , wie er unter aristokratischen Einflüssen betrieben ward , eine ziemlich lange Dauer vorhersagen konnte . Herr Felchner liebte aber Alles mit Dampfschnelligkeit zu betreiben . Er hatte daher gegen den Grafen , der ihn dies Mal so hinderlich in den Weg trat , den giftigsten und bittersten Haß gefaßt und seiner Tochter streng verboten , wieder in das Schloß seines Todfeindes