Paar Nebenfacetten Deiner verklärten Einbildung , die hundertfältig facettiert ist , sie strahlt im eignen Glanz , was schön ist zu empfinden , zu genießen , und wer sich in Dir gespiegelt sieht , der muß Dich lieben , weil er eben nicht frei ist von Eigenliebe . Man kann vor anmutigster Schelmerei , die vom Witz zur Rührung sich durchneckt , aus der hinüberspringt zur Seiltanzkunst und da solche Sprünge macht , daß einem Hören und Sehen vergeht , gar nicht dazu kommen , daß man so weit sich mit Dir einließe , Dir ein Gnadengeschenk zu machen mit irgendeinem Pfand der Zärtlichkeit . Einen Kuß zum Beispiel , wie kann man ihn Dir geben , Du hattest Dir ihn schon genommen wie einen Apfel , den man gedankenlos vom Zaun bricht , Du spielst Ball mit zum Zeitvertreib , Du haschst ihn wieder , Du wendest und drehest Dich damit vor dem geblendeten Auge der Geküßten , die nicht begreifen kann , wie dies Pfand der Zärtlichkeit bestimmt war , solche Luftsätze zu machen . Die andern , die zusehen , lassen sich hinreißen von diesem Spiel , sie sind außer sich vor Vergnügen über den göttlichen Clemens , eh sie sich ' s versehen , hast Du einen neuen Apfel abgerissen von den Zweigen des Wohlwollens , der Hinneigung und Begeistrung , der alte Apfel rollt in die Ecke und beschämt die , der Du ihn durch Deine Neckerei geraubt hattest . - Clemente , sei nicht böse über diese Charakteristik , sie ist ja nur die spanische Wand Deiner andern » Torheiten « , sagte die Günderode . Tiefe Weisheit sagte ich , wahre , tiefe Liebe sagte ich , Heiligtum der reinsten , edelsten Freundschaft . Und der Clemens kann in seiner Treue nicht verglichen werden ; er faßt die Seele , er legt sich warm wie ein brütender Vogel über sie und schützt sie und streitet für sie und harret geduldig über ihr mit großer Sorge und Vorsicht , aber dann kriecht öfter auch ein Gänschen aus dem Ei , aus dem er einen Schwan auszubrüten hoffte , und das ärgert ihn dann sehr . Soweit ich und die Günderode über Dich ; nur noch eins wollte ich behaupten , daß sie nämlich gewiß auch einen Apfel misse an den herabsenkenden Zweigen ihrer adeligen Seelengüte ! - Clemens , wenn Du den geraubt hättest auch zum Spiel nur und hättest ihn nicht bewahrt als ein Geschenk der Göttin Fortuna , so prophezei ich Dir Schlimmes . - Du weißt , wer ein solches Pfand vernachlässigt , an das diese eigensinnige Göttin oft das Heil ganzer Geschlechter knüpfte , der muß dann einen bösen Dornenpfad wandern , von dessen stacheligen Zweigen er keine süßen Feigen sammeln kann . - Ich fragte die Günderode über dies Pfand und ob sie glaube , daß es in Deiner Seele Gedächtnis gut und edel verwahrt sei - sie ward ein bißchen nachsinnend darüber - dann lächelte sie und zog mich auf ihren Schoß und küßte mich zärtlich ! - Ich weiß , daß die Günderode Dir gütig gesinnt ist , sie ist die beste und edelste von uns dreien . Aber natürlich , wenn Du auf dem Tanzplatz herumgaukelst all Deiner seltsamlich verphantasierten Scheingöttinnen , da kann die echte sich nicht herablassen , eine von Dir gewählte Rolle zu übernehmen . - Ach , ich vergesse ganz , Dir noch viel zu erzählen . Der Arnim kam zu uns ins Stift und fragte , ob man bei dem herrlichen Abend nicht wolle hinaus nach der grünen Burg , so wanderten wir bei Abendschein die stillen Feldwege , ich lief immer voraus , wendete um und sah die beiden vom untergehenden Tag mit einem Nimbus umfangen , schreiten , mehr schweben - optische Wirkung des Lichtes , das seinen Sonnenharnisch abgelegt hatte ! - Das Licht , wenn es nicht thront , ist mild , einfach , bescheiden , kindlich und wohl gar wie ein Kind zum Spielen geneigt . - So auch der Weltherrscher , im Sonnenfeuer seiner Macht durchglüht er alles mit Geistesfeuer , ihm muß werden , was seines Willens ist ; aber wenn er sich entkleidet dieser Gewalt , ist er wie ein Kind ! - Der Arnim sieht doch königlich aus ! - die Günderode auch ; der Arnim ist nicht in der Welt zum zweitenmal , die Günderode auch nicht . Die beiden gehen da nebeneinander an diesem schönen , heitern Abend ! Aber dort kommt ein Gewitter ! Die Winde kehren vor uns den Weg , wir müssen eilen ! Wir fangen an zu traben , wir wollen eben in Galopp uns setzen , ergießt das schwarze Gewölk sich über uns , unten blitzt es , die Donner schlagen ihre Wirbel . Wir erreichen einen dichtlaubigen Kastanienbaum , die Regenflut läuft an seinen breiten hängenden Ästen hinab , dicht am Stamm ist ' s trocken . Der Arnim breitet seinen grünen Mantel um uns , die Günderode hat mit dem Kragen den Kopf geschützt , ich konnte es aber nicht drunter aushalten , ich mußte sehen , was am Himmel passiert . Da zogen die Regenschichten nacheinander vorüber , es war ein Gewühl . Ganz so stell ich mir das Wetter vor unter der Erde , wenn da ein Postament von Wolken wär , auf dem sie thronte . - Kurz , es war entweder das unterste Naturgestell , was mit dem Gewand ihrer Farben und Schönheitsschmelz verdeckt ist , und sie hatte dies ein bißchen zu hoch geschürzt , oder es war die Kehrseite der Kulissen , hinter die man wirft , was nicht soll an Tag kommen . Aber Nacht und Dunkel kommt ja auch an den Tag ; um so heller der leuchtet , um so dunkler sie uns droht . - Ein Weilchen gefiel mir dies böse Abenteuer . Arnims wunderschöne Jugendnähe elektrisierte mich , ich opponierte dem Gewitter mit allerlei vom Zaun gebrochner Philosophie , die nicht Hand