ihr nieder und blickte glückselig in ihr Auge , aus welchem wieder der himmlische Strahl aufleuchtete . » O Mengen ! « sagte sie nur , und legte die Hand auf die Brust ; die andre gab sie ihm , und er behielt sie in der seinen ohne sie zu küssen , lange , friedlich , andächtig , immer wie verzaubert in ihr Antlitz schauend . Spät drückte er heftig seine Lippen in die schmale zarte Hand - da stand Faustine auf und sagte : » Lieber Mengen , sagen Sie , bitte , dem Ernst , er möge einen Boten besorgen , ich will sogleich Cunigunden schreiben , damit sie sich bereit mache ; vielleicht kann sie dann schon morgen reisen . O wie wird sie sich freuen ! wie dankbar Ihnen sein - « » Das wäre ganz hors de saison ! ich habe in Ihrem Dienst gehandelt , da mußte ich wol des Gelingens sicher sein . « Feldern war gradeswegs zu Clemens gegangen . Der breite Johann schien zweifelhaft , ob er ihn bei seinem Herrn einlassen solle oder nicht ; da er aber bereits gesagt , er sei daheim , so mußte er ihm die Thür öffnen . Der zierliche , ordnungliebende Feldern erschrak vor der Verwüstung , die in diesem großen , vielleicht ursprünglich eleganten Zimmer herrschte . Kleidungsstücke an der Erde , Teller auf den Stühlen , Flaschen , Karten , Ueberbleibsel vom Frühstück und von Cigarren auf den Tischen , Schläger und Pistolen auf dem Bett , Gläser überall , zwei Feldbettstellen neben einander aufgeschlagen , und Clemens im Schlafrock , mit verwildertem Bart , geisterbleich , krankhaft , mitten im Zimmer stehend , den einen Arm um den Kopf geschlungen , der andere schlaff herabhängend . » Hier sieht es ja aus wie in einem Lager , « sprach Feldern eintretend ; doch der scherzhafte Ton kam ihm nicht von Herzen . » Ja , « sagte Clemens gleichgültig , » wir sind zwei Tage und zwei Nächte beisammen gewesen , da muß man seine Anstalten treffen , so gut es gehen will . Wir waren unserer sieben ; ein Paar schliefen zur Zeit . Wir wechselten uns ab . Es ging recht gut : Nur aber heute , am dritten Tage , da wurden die dummen Jungen stöckisch und gingen - der eine rechts , der andre links ; zum Essen , zum Schlafen - was geht ' s mich an . « » Sie sind also wol recht lustig gewesen ? « » Lustig ? nun ja , wie man ' s nehmen will . Lärm gab ' s genug , Wein auch , Karten auch , und ich hoffe , Sie sind nicht der Meinung , daß Weiber dabei sein müssen , um die Sache ganz lustig zu machen . « » Gott bewahre ! « sagte Feldern , Clemens war ihm beängstigend , schien halb im Rausch , halb geistes-halb körperkrank . » Würden Sie aber nicht auch gut thun , ein wenig frische Luft einzuathmen ? die dicke , heiße Atmosphäre des Zimmers stimmt die Nerven herab , beklemmt die Brust . Sie sehen recht fatiguirt aus . « » Ich bin es , « sprach Clemens und setzte sich auf einen Tisch , von dem er die Karten herabschleuderte . » Ich glaubte Sie krank , weil ich Sie so lange nicht bei der Gräfin Faustine getroffen . « » Umgekehrt ! weil ich nicht mehr zu der Gräfin Faustine gehe , bin ich krank , d.h. ich würde krank werden , wenn ich nicht vorzöge , lustig zu leben . « » Es ist ganz hübsch , lustig zu leben , so zwei , drei Tage - doch dann , Bester , wird man des Spaßes überdrüssig - « » Wie aller Dinge auf dieser sublunarischen Welt und des Lebens zuerst . « » Sie sind noch sehr jung , Herr von Walldorf - « » Ich werde morgen zweiundzwanzig Jahr , und das nennt man jung . Allein ich bin zu meinem Unglück in diesen letzten Monaten alt geworden , uralt , wie die Steine - « » Indessen sind Sie doch noch auf Vergnügungen bedacht - « » Nein ! auf Zeittödtung . « » Wollen Sie einen Spaziergang mit mir machen ? « » Da müßte ich mich erst ankleiden . « » Freilich ! von Kopf bis zu Fuß . » Und das ist doch nicht der Mühe werth ! Sagen Sie mir , Herr von Feldern , ist denn etwas der Mühe werth , daß ich darum meinen kleinen Finger rege ? « » Ja , die Pflichterfüllung . « » Aber wenn man gegen Niemand auf der Welt Pflichten hat ? « » Sie fragen wunderlich ! haben wir nicht die ganze Menschheit ? « » Bah ! « rief Clemens , ließ den Kopf auf die Brust sinken , und hob nach einer Pause an , ohne ihn zu erheben : » Kommen Sie aus eignem Antriebe zu mir ? « Feldern mochte keine Unwahrheit sagen ; überdies war etwas so Trostloses in Walldorfs Zustand , daß er ihm die kleine Freude gönnte und die Frage verneinte . » Sie schickt Sie also ? sie denkt an mich ? « rief Clemens mit schwermüthiger Freude . » Aber wie könnte es auch anders sein , da ich stets an sie - nicht doch ! nur sie denke ! Solche Gedanken müssen zu einem Netz werden , das allmälig ihre Seele umspinnt und zu mir hinüber zieht . « Feldern dachte an das , was ihm Faustine über Walldorfs übertriebene Folgerungen gesagt ; deshalb sprach er halb scherzend , doch mit einem Anflug von Bitterkeit : » Darauf sollten wir es nie anlegen . Frauenseelen sind so subtil , daß unsere plumpen Gedanken sie nicht fangen , und so capriciös , daß sie sich oft ohne unser Zuthun fangen lassen . « » Meinen Sie ? ohne unser