notwendig war ; das werde ich dir niemals vergessen , und es findet sich gewiß eine Zeit und Veranlassung , wo ich dir vergelten und dir auch hülfreich sein kann . « - Sie hüpfte fort , weil eine Schneiderin sie im nächsten Zimmer erwartete . Isabella konnte die verschiedenen Betrachtungen nicht loswerden , die sich ihr wider Willen aufdrängten . Wodurch übte diese Capello , die ihr heute fast häßlich erschienen war , diese unbeschreibliche Gewalt , diese alles vermögende , über den Bruder aus ? Der Großherzog war klug , nicht so fest , wie Cosimo , sein Vater , aber in seinen Angelegenheiten ein starker , unbeugsamer Mann ; er war unterrichtet , fein , stolz , er hielt auf seine Würde , und suchte seinen Hof prächtig und bewundert zu machen . Es überschlich sie der peinigende Argwohn , daß sie doch auch in mancher Hinsicht dieser Bianca ähnlich sein möchte und daß der stolze , durchaus männliche Bracciano sie dann nicht ganz ohne Grund habe verachten dürfen . Sie reiseten ab . Der Herzog nahm nur seine Jäger und vertrauten Diener mit ; sie einige Kammerfrauen und die alte Amme des Hauses , denn man wollte draußen im Waldschlosse recht einsam und behaglich leben . Es war die Laune des Herzogs , daß er zuzeiten alle Etikette und die Zeichen seines Standes von sich entfernte , und dann wieder plötzlich die glänzendste Pracht entfaltete . So wenig konnte er den Zwang der Regel dulden , daß alles dies oft ohne alle Vorbereitung geschah , was die Umgebung wie die Dienerschaft zuweilen in die größte Verlegenheit versetzte . Wie mit Feierlichkeit empfingen sie in der Wildnis das einsame Schloß und die Diener und Beamten , die dort zur Aufsicht angestellt waren . Als sich Isabella in ihren Zimmern befand , und aus ihren Fenstern die Aussicht auf den Wald und die grünen Hügel betrachtete , sagte sie zu sich : Was ist es nur , daß mir hier aus Bäumen , Wänden und Felsen diese Schauer rieselnd entgegenquellen ? Ich war schon sonst hier , aber damals erfreute mich diese Einsamkeit , die jetzt quälend auf mich drückt . Sie ritten in den Wald hinein , und der Herzog schien in dieser frischen Natur , die er schon als Knabe geliebt hatte , wie verjüngt . Er scherzte über den sichtbaren Mißmut seiner Gemahlin : ihn ergötzte der kühle Schatten , ihn erquickte das Blasen der Waldhörner , die er von seinem Jägermeister in gewissen Entfernungen hatte aufstellen lassen . » So phantasiert es sich lieblich « , sagte er : » alle wunderlichen Gestalten des Ariost und Bojardo begegnen uns hier ; man sieht eine poetische Vorzeit durch die Dämmerung wandeln und geistig schwanken . Nicht wahr , hier müßte es einem Dichter recht wohnlich sein ? « Sie stiegen ab an einer anmutigen Stelle , wo ein kleiner Brunnen , den der Herzog im Walde erschaffen hatte , durch sein rieselndes Geschwätz zur Ruhe einlud . Man genoß hier nur Wein und Bracciano fuhr phantasierend fort : » Hier gemahnst du mich in deinem Jagdkleide , dem grünen Hut und deiner Schönheit , wie die Königin Ginevra , die etwa hier an diesem Zauberbrunnen nach ihrem Lancelot ausschaut . Es fehlen nur die Frühlingsvögel , um mit ihrem sehnsuchtsvollen Gesang das Poetische dieser schönen Stelle zu vollenden . - Nur du hast deinen dichterischen Mutwillen eingebüßt und ich muß hier allein phantasieren . « » Du hast in Rom « , erwiderte sie , » oder wo es sein mag , deine Dichterschwingen entfalten lernen , denn früher habe ich dich in solchen Reden und Gleichnissen niemals vernommen . « Bracciano wurde plötzlich sehr ernst und tiefsinnig ; denn ein holdseliges , großes , glänzendes Bild stieg in seiner Imagination auf . Gegen diese Erscheinung war diese , die zu ihm sprach , nur eine geringe , unbedeutende - und jene , wie fern ihm ! Von den Verhältnissen der Welt ihm entrissen . Er und die Herrliche angekettet an dürren Zwang , der in sich selbst weder Kraft , Notwendigkeit , noch fesselnde Gewalt zu haben schien . Das ist von jeher den starken Gemütern das traurigste , kläglichste Gefühl gewesen , sich diesen Zufälligkeiten fügen und sich demütig dem Einspruche resignieren zu müssen , den ihr Herz verachtet . Plötzlich fuhr er auf , und sie ritten nach der Wohnung zurück . Als es finster geworden war , erhob sich ein Sturm und Gewitter . Der Wind brausete furchtbar durch die Waldung , die alten Stämme schüttelten sich und die brechenden Zweige krachten zum Erschrecken . Dann kam ein starker , sausender Regen , und ihm folgten Blitze und brüllende Donnerschläge . Man setzte sich zum Abendessen , die Herzogin zagend , der Mann frohen Mutes , denn ihn ergötzte stets bis zu lauter Freude dieser Aufruhr in der Natur . Ein alter Kammerdiener , der aus Florenz kam , ließ sich noch am späten Abend melden . » Wer sendet dich ? Was willst du ? « rief ihm Bracciano entgegen . » Vergebt , mein gnädiger Herr « , antwortete der Alte , » daß ich so naß und triefend vor Euch erscheine : es ist aber die Nachricht nach der Stadt gekommen , daß auf dem alten Schloß der Medicäer , dort in Cafaggiolo , die Dame Eleonora plötzlich verschieden ist . « » Wie ? « rief Isabella , und ward totenbleich . » Woran ist sie , so jung noch , gestorben ? « fragte Bracciano ganz ruhig . » Am Herzklopfen « , sagte der alte Diener ; » der Prinz Pietro ist selbst in größter Eile mit dieser Trauerbotschaft nach der Stadt geritten . Er selber ist aber gar nicht traurig , sondern wüst und wild wie immer . Deshalb wird auch schon allenthalben laut geschwatzt und vielerlei erzählt : und er selbst soll gar nicht einmal widersprechen , sondern gleichsam durch sein Stillschweigen alles