Seit lange schien kein Tag fröhlicher zu beginnen , als dieser . Die jungen Damen fühlten ihre Laune belebt durch die gewandte Heiterkeit des jungen Herzogs . Graf Archimbald verstärkte durch einzelne eingestreute Worte die harmlosen Witzfunken der jungen Leute . Die alte Herzogin saß mit ihrem feinen Angesichte , wie die Quelle unschuldiger Heiterkeit , oben an . Sie erzählte kleine Züge von alten , längst vergessenen Sitten , ja , sie sang sogar mit einem feinen Silberhauche der Stimme den Vers einer Ballade , den sie oft ihrer Mutter , der Gräfin Burleigh , von der armen Spinnerin Josseline singen mußte , welche für ihren Fleiß dadurch belohnt ward , daß ihre eignen schönen blonden Locken sich in Goldfäden verwandelten , die sie täglich unverringert spinnen durfte und so die Gemahlin eines Fürsten ward . Nicht ohne Wahrscheinlichkeit , sagte sie lachend , daß sie nicht gar unsere Stamm-Mutter ist ; denn mütterlicherseits war es ein angesehenes altes Geschlecht , dem mein Vater seine Tugenden zugesellte . Wer hätte bei dieser Erzählung nicht unwillkürlich auf Lucie geblickt , deren goldlockiges Köpfchen aus dem Arme der Großmutter über die Tafel sah und an die Ahnfrau denken ließ , die so liebliches Lockengespinnst auf diesen reizenden Nachkömmling verpflanzt zu haben schien . Doch Luciens Seele hing mit Begierde an der Erzählung von Josseline . Sie wußte nicht , daß sie blonde Locken habe , und kannte das Dasein derselben nur aus den Bemühungen der Miß Dedington , wenn diese sie glänzend zu kämmen und mit Schleifen zu durchschlingen pflegte , auf Unkosten der ganzen Geduld der dadurch sehr sich gequält fühlenden Kleinen . Du siehst , Lucie , sagte ihre Mutter , zu ihr hinüber lächelnd , wie Fleiß und Tugend immer belohnt werden , Du sollst mir künftig den Vers von Josseline singen , wenn Miß Dedington Dir ein gutes Zeugniß giebt , und kann ich Deine Locken auch nicht in Gold verwandeln , zum Lohne finde ich doch wohl Manches , was statt des kostbaren Gespinnstes Dir Freude macht . Das entzückte Lächeln Luciens verschwand , als sie die von geheimer Schuld gelenkten Blicke auf Miß Dedington wandte , welche , zwar nicht ungütig , aber doch Lucien bemerklich , schnell mit dem Finger drohte und dann fortfuhr , ihr Frühstück zu halten . Ein breiter kindischer Seufzer machte sich aus Luciens kleinem Herzen Luft , und sie sagte ganz ernst und nachdenklich : Das ist Alles lang her ; müssen wir denn immer immerfort fleißig sein , ist denn nicht Einer , der doch den lieben Gott lieb haben kann und nicht immer zu arbeiten braucht ? - Graf Archimbald hatte schon einige ketzerische Worte in Bereitschaft , unendlich ergötzt durch die unbewußte Ironie , womit Lucie sich gegen den harten Preis ihrer Gottesliebe auflehnte , aber der lächelnde Mund wendete sich ab , als die alte Herzogin mit liebender Hast ihr sanftes Nein sprach und einige Worte hinzufügte , die das holde Kind wieder aufblicken ließen . Besonders half dazu das Versprechen , ihr die Ballade von Josseline zu lehren , damit sie im zu hoffenden Falle doch die Mutter an ihr Versprechen erinnern könne . Und dann , rief Lucie , wenn ich zuerst Josseline singe , was schenkst Du mir dann ? Nun ? sagte die Mutter wieder fragend , was möchte wohl Luciens Herz erfreuen ? Lucie hielt die kleinen Hände jauchzend vor den Mund und blickte schelmisch zu ihrer Mutter herüber , dann rief sie überlaut , die Händchen hoch ausstreckend : Ein Pferd , Mama ! ein schönes kleines Pferd ! Ein Pferd ? rief es von allen Seiten , und lautes Lachen tönte den Worten nach , und Lucie flog im frohen Jubel um die Tafel , ihren Wunsch unablässig wiederholend , den sie von Allen mit Scherz und Lachen aufgenommen sah . Hat man je gesehen , daß ein solches Kind ein Pferd besteigt , rief der junge Herzog und fing Lucie in seine Arme auf , mit zärtlicher Liebe sie an sein Herz drückend . Du wildes Kind , so erwarb Josseline ihre goldenen Locken nicht . O scheltet sie nicht , Mylord , sagte Lady Melville und zog Lucie , strahlend von eigener jugendlicher Heiterkeit , zu sich heran ; ich , Lucie , bin ganz Deiner Meinung . Nichts Schöneres giebt es , als ein muthiges , leichtes Pferd , welches uns mit seinem raschen Fluge dahin trägt , als ob Schwingen uns entführten , dessen klugem Blicke wir vertrauen können , das unsere Liebe versteht , und den feurigen Willen mit Treue und Güte dem leichten Zucken unsers Fingers fügt ; ein schönes , herrliches Geschöpf Gottes ! Zu Pferde ! Zu Pferde ! rief der junge Herzog und sprang mit lauter Freude von seinem Sessel , entzückt von der Lobrede , welche von so schönem Munde seinem Lieblingsvergnügen gehalten ward . Alles erhob sich . Die schöne reine Morgenluft , der sonnige Himmel , die grünende Erde im zartesten Schmucke des Frühlings , Alles schien die Stunde zu einem fröhlichen Ritt zu begünstigen . Die ältern Damen gewährten freundlich den jüngern dies Vergnügen , an dem sie nicht mehr Theil nahmen ; ein Wort der Herzogin hielt Graf Archimbald gleichfalls zurück , und so wurde dem jungen Herzoge die Anordnung übergeben , welcher sogleich mit Ramsey fortstürmte , selbst die Befehle dem Stallmeister zu ertheilen und das schönste Pferd für die zu wählen , die so feurig seine Tugenden zu erkennen wußte . Die jungen Damen entfernten sich mit Mistreß Corby , um sich zu diesem Vergnügen zu rüsten . Lucie bekam von Miß Dedington das Versprechen , die Damen von dem Altan der Großmutter in das Thal reiten zu sehen . Dahin begaben sich auch die drei älteren Personen , da die jüngere Herzogin um Erlaubniß gebeten hatte , ihrer Schwiegermutter und ihrem Schwager die Geschichte der Gräfin Melville mittheilen zu dürfen . Kaum hatte man den Altan erreicht , als die fröhliche