sammeln , und der Kampf wird sich immer wieder erneuern , bis endlich der gemeinsame Feind erliegt . Da der Graf bemerkte , wie peinlich für St. Julien die Unterhaltung wurde , so suchte er die Aufmerksamkeit auf einen andern Gegenstand zu lenken und fragte den Obristen , ob er sich nicht freuen würde , vielleicht nach dem Frieden den jungen Grafen Hohenthal wieder zu sehen , da er gehört habe , er sei früher mit ihm bekannt gewesen ? Dem Obristen fiel bei dieser Frage alles das Nachtheilige ein , was der junge Graf so oft über seinen Oheim und dessen Gemahlin geäußert hatte , und er antwortete daher mit Befangenheit , wohl würde es ihn freuen , mit dem jungen Manne wieder zusammen zu treffen , der so oft die trüben Tage seiner Einsamkeit erheitert habe . Der Graf fragte über den Charakter seines jungen Vetters , und obwohl der Obrist nur lobend sich über ihn äußerte , so geschah dieß doch mit so vieler Zurückhaltung , daß der Graf mißtrauisch wurde und glaubte , der Obrist wollte nur aus Schonung für ihn nichts Nachtheiliges über seinen Verwandten sagen . Theresens Wangen glühten , sie konnte die Zurückhaltung ihres Vaters nicht begreifen ; sie schien ihr gar nicht mit der Wahrheit seines Charakters vereinbar zu sein ; sie wußte , wie er über den jungen Grafen dachte , und nun war sein Lob so kalt , so gemessen , daß es beinah wie Tadel klang . Ach , hätte sie das Bild des jungen Mannes entwerfen dürfen , wie es in ihrer Seele lebte , der Graf würde dann nicht ein so gleichgültiger Zuhörer gewesen sein . Wie oft in den Stunden der bittersten Noth hatte ihre Phantasie ihn vorgespiegelt , wie auf einmal der junge Held erscheinen , und durch ihn alles unsägliche Elend in Glück und Freude verwandelt werden würde , und nun , da sie ihn mit solcher Kälte mußte loben hören , schien es ihr , als ob die zärtlichen , sinnigen Augen ihres Freundes zu ihr hinüber blickten und von ihr Gerechtigkeit forderten . Die Gesellschaft trennte sich spät und kehrte in einer schönen , warmen , mondhellen Nacht nach Schloß Hohenthal zurück . Hier erfuhr der Graf , daß der Prediger dagewesen sei und ihn dringend zu sprechen gewünscht habe ; auch berichtete Dübois , daß der geistliche Herr versprochen habe , des andern Tages in der Frühe wieder zu erscheinen . In der That war die Gesellschaft am andern Morgen auch kaum versammelt , als der Pfarrer eintrat , und nach den ersten kurzen Begrüßungen den Grafen bei Seite nahm und hastig ihn um die Nachrichten fragte , die General Clairmont mitgebracht habe , dessen kurzer Besuch auf dem Schloß dem Pfarrer schon bekannt war . Der Graf mußte das schon öfter Mitgetheilte wiederholen , und weder der Prediger noch der Arzt , der auch hinzugetreten war , konnten viel Tröstliches in diesen Nachrichten finden . Der Krieg , sagte der Prediger endlich , hat uns viel Unglück gebracht , und von dem Frieden , scheint es , dürfen wir wenig Gutes hoffen ; indeß wird doch wenigstens dann wieder ein geregelter Gang der Geschäfte eintreten ; die Menschen werden sich doch regen und wieder erwerben können , und das ist bei der jetzigen allgemeinen Noth immer schon ein großer Trost . Ich werde dann auch wieder für Manche etwas thun können , um ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen , und auch unserem Schulzen hier kann ich dann doch vielleicht zu seiner Erbschaft verhelfen , wenn alle Behörden erst wieder in Thätigkeit sind . Recht ! rief der Arzt , nicht die Sache der Menschheit aufgegeben , durch keine Noth , durch kein Drangsal darf ein edler Geist dahin gebracht werden , auch ich will meine Studien fortsetzen , und wenn der Friede eintritt , werden mir doch wenigstens die Mittel dazu nicht mehr fehlen ; der Verkehr der Geister wird wieder frei . Der Graf bewunderte schweigend , welche Armseligkeiten die meisten Menschen zu trösten und zu beruhigen vermögen , und durch welche unbedeutenden Gegenstände ihr inneres Auge von den großen Ereignissen der Zeit abgelenkt wird . Der vielbesprochene Friede wurde endlich bekannt , und jeder Preuße konnte nicht anders als mit heißem Schmerz die tiefe Herabwürdigung des Vaterlandes betrachten , die in diesem Frieden lag . Er war so drückend , daß es beinah wie Spott klang , diese Uebereinkunft Friede zu nennen . Beinah unerschwingbare Summen mußten bezahlt werden , die Hauptfestungen blieben in Französischen Händen , eine Besatzung im Lande , und das Preußische Heer mußte bis zur Unbedeutenheit vermindert werden . Ueber die gefurchten Wangen des Obristen Thalheim flossen heiße Thränen , als er die Bedingungen dieses Friedens las . Es ist vorbei , rief er dem Grafen zu , Preußen ist verloren , die Bedingungen können nicht erfüllt werden , dann haben die Franzosen einen Vorwand und bleiben unsere Herren , und wenn durch ein Wunder Alles sollte erfüllt werden können , so bleibt es immer der Großmuth der Feinde überlassen , ob sie gehen wollen , denn wir behalten keine Armeen , sie zu vertreiben . Obgleich der Graf selbst niedergeschlagen war , suchte er doch seinen alten Freund aufzurichten , indem er ihn darauf aufmerksam machte , daß gerade aus dieser Verzweiflung sich eine Kraft entwickeln könne , die Niemand noch ahnete . Die nächste Sorge , schloß er , wird sein müssen , die Summen herbei zu schaffen , die den raubgierigen Feinden zu zahlen sind , und dieß , mein theurer Freund , fürchte ich , wird noch vieles Unglück herbeiführen , denn durch diese Anstrengung werden unzählige Familien verarmen , und doch sind sie durchaus nothwendig , damit die Feinde aus Berlin weichen und der König wieder in der Mitte seiner Unterthanen sein kann . Ach mein armer König ! rief der Obrist , wie muß sein edles Herz bluten , wenn er all das Elend betrachtet , das