wir am Tag geschritten waren , das Licht der Träume blitzt durch die dunklen Wölbungen des Schlafs . - » Träume sind Schäume « , sagt man , ich hab eine andre Bemerkung gemacht , ob die wahr ist ? - Allemal die Gegend , die Umgebung , in der ich mich im Traum fühle , die deutet auf die Stimmung , auf das Passive meines Gemüts . So träum ich mich jetzt immer in Verborgenes , Heimliches ; es sind Höhlen von weichem Moos bei kühlen Wassern , verschränkt von blühenden Zweigen ; es sind dunkle Waldschluchten , wo uns gewiß kein Mensch findet und sucht . Da wart ich auf Dich im Traum , ich harre und sehe mich um nach Dir ; ich gehe auf engen , verwachsenen Wegen hin und her und eile zurück , weil ich glaub , jetzt bist Du da ; dann bricht plötzlich der Wille durch , ich ringe in mir , Dich zu haben , und das ist mein Erwachen . Dann färbt sich ' s schon im Osten , ich rücke mir den Tisch ans Fenster , die Dämmerung verschleiert noch die ersten Zeilen ; bis ich aber das Blatt zu Ende geschrieben habe , scheint schon die Sonne . Ach , was schreib ich Dir denn ? - Ich hab selbst kein Urteil drüber , aber ich bin allemal neugierig , was kommen wird . Laß andre ihre Schicksale bereichern durch schöne Wallfahrten in ' s gelobte Land , laß sie ihr Journal schreiben von gelehrten und andern Dingen , wenn sie Dir auch einen Elefantenfuß oder eine versteinerte Schneck mitbringen , - darüber will ich schon Herr werden , wenn sie sich nur nicht in ihren Träumen in Dich versenken wie ich . Laß mir die stille Nacht , nimm keine Sorgen mit zu Bett , ruh aus in dem schönen Frieden , den ich Dir bereite , ich bin ja auch so glücklich in Dir ! Es ist freilich schön , wie Du sagst , sich in dem Labyrinth geistiger Schätze mit dem Freund zu ergehen ; aber darf ich nicht bitten für das Kind , das stumm vor Liebe ist ? Denn eigentlich ist dieses geschriebene Geplauder nur eine Nothilfe - die tiefste Liebe in mir ist stumm : es ist , wie ein Mückchen summt um Deine Ohren im Schlaf , und wenn Du nicht wach werden willst und meiner bewußt sein , dann wird Dich ' s stechen . - Sag , ist dies Leidenschaft , was ich Dir hier vorbete ? - O sag ' s doch ; - wenn ' s wahr wäre , wenn ich geboren wär , in Leidenschaft zu verflammen , wenn ich die hohe Zeder wär auf dem die Welt überragenden Libanon , angezündet zum Opfer Deinem Genius , und verduften könnte in Wohlgerüchen , daß jeder Deinen Geist einsöge durch mich ; wenn ' s so wär , mein Freund , daß Leidenschaft den Geist des Geliebten entbindet , wie das Feuer den Duft ! - und so ist es auch ! Dein Geist wohnt in mir und entzündet mich , und ich verzehre mich in Flammen und verdufte , und was die aussprühenden Funken erreichen , das verbrennt mit ; - so knackert und flackert jetzt die Musik in mir , - die muß auch herhalten zum lustigen Opferfeuer ; sie will nur nicht recht zünden und setzt viel Rauch . Ich gedenke hier Deiner und Schillers ; die Welt sieht Euch an wie zwei Brüder auf einem Thron , er hat so viel Anhänger wie Du ; - sie wissen ' s nicht , daß sie durch den einen vom andern berührt werden ; ich aber bin dessen gewiß . - Ich war auch einmal ungerecht gegen Schiller und glaubte , weil ich Dich liebe , ich dürfe seiner nicht achten ; aber nachdem ich Dich gesehen hatte , und nachdem seine Asche als letztes Heiligtum seinen Freunden als Vermächtnis hinterblieb , da bin ich in mich gegangen ; ich fühlte wohl , das Geschrei der Raben über diesem heiligen Leichnam sei gleich dem ungerechten Urteil . Weißt Du , was Du mir gesagt hast , wie wir uns zum erstenmal sahen ? - Ich will Dir ' s hier zum Denkstein hinsetzen Deines innersten Gewissens , Du sagtest : » Ich denke jetzt an Schiller « , indem sahst Du mich an und seufztest tief , da sprach ich drein und wollte Dir sagen , wie ich ihm nicht anhinge , Du sagtest abermals : » Ich wollte , er wär jetzt hier . - Sie würden anders fühlen , kein Mensch konnte seiner Güte widerstehen , wenn man ihn nicht so reich achtet und so ergiebig , so war ' s , weil sein Geist einströmte in alles Leben seiner Zeit , und weil jeder durch ihn genährt und gepflegt war und seine Mängel ergänzt . So war er andern , so war er mir des meisten , und sein Verlust wird sich nicht ersetzen . « Damals schrieb ich Deine Worte auf , nicht um sie als merkwürdiges Urteil von Dir andern mitzuteilen ; - nein , sondern weil ich mich beschämt fühlte . Diese Worte haben mir wohlgetan , sie haben mich belehrt , und oft , wenn ich im Begriff war , über einen den Stab zu brechen , so fiel mir ' s ein , wie Du damals in Deiner milden Gerechtigkeit den Stab über meinen Aberwitz gebrochen . Ich mußte in aufgeregter Eifersucht doch anerkennen , ich sei nichts . » Man berührt nichts umsonst « , sagtest Du , » diese langjährige Verbindung , dieser ernste tiefe Verkehr , der ist ein Teil meiner selbst geworden ; und wenn ich jetzt ins Theater komme und seh nach seinem Platz , und muß es glauben , daß er in dieser Welt nicht mehr da ist , daß diese Augen mich nicht mehr suchen , dann verdrießt mich das