zu beschleunigen . « » Das wäre alles recht gut « , sagte die Baronin , » wenn ich dir nur nicht ein Geheimnis zu entdecken hätte , das ich selbst erst gewahr worden bin . Hilariens Herz ist nicht mehr frei ; von der Seite hat dein Sohn wenig oder nichts zu hoffen . « » Was sagst du ? « rief der Major ; » ist ' s möglich ? indessen wir uns alle Mühe geben , uns ökonomisch vorzusehen , so spielt uns die Neigung einen solchen Streich ! Sag ' mir , Liebe , sag ' mir geschwind , wer ist es , der das Herz Hilariens fesseln konnte ? Oder ist es denn auch schon so arg ? Ist es nicht vielleicht ein flüchtiger Eindruck , den man wieder auszulöschen hoffen kann ? « » Du mußt erst ein wenig sinnen und raten « , versetzte die Baronin und vermehrte dadurch seine Ungeduld . Sie war schon aufs höchste gestiegen , als Hilarie , mit den Bedienten , welche das Frühstück trugen , hereintretend , eine schnelle Auflösung des Rätsels unmöglich machte . Der Major selbst glaubte das schöne Kind mit andern Augen anzusehn als kurz vorher . Es war ihm beinahe , als wenn er eifersüchtig auf den Beglückten wäre , dessen Bild sich in einem so schönen Gemüt hatte eindrücken können . Das Frühstück wollte ihm nicht schmecken , und er bemerkte nicht , daß alles genau so eingerichtet war , wie er es am liebsten hatte und wie er es sonst zu wünschen und zu verlangen pflegte . Über dieses Schweigen und Stocken verlor Hilarie fast selbst ihre Munterkeit . Die Baronin fühlte sich verlegen und zog ihre Tochter ans Klavier ; aber ihr geistreiches und gefühlvolles Spiel konnte dem Major kaum einigen Beifall ablocken . Er wünschte das schöne Kind und das Frühstück je eher je lieber entfernt zu sehen , und die Baronin mußte sich entschließen , aufzubrechen und ihrem Bruder einen Spaziergang in den Garten vorzuschlagen . Kaum waren sie allein , so wiederholte der Major dringend seine vorige Frage ; worauf seine Schwester nach einer Pause lächelnd versetzte : » Wenn du den Glücklichen finden willst , den sie liebt , so brauchst du nicht weit zu gehen , er ist ganz in der Nähe : dich liebt sie . « Der Major stand betroffen , dann rief er aus : » Es wäre ein sehr unzeitiger Scherz , wenn du mich etwas überreden wolltest , das mich im Ernst so verlegen wie unglücklich machen würde . Denn ob ich gleich Zeit brauche , mich von meiner Verwunderung zu erholen , so sehe ich doch mit einem Blicke voraus , wie sehr unsere Verhältnisse durch ein so unerwartetes Ereignis gestört werden müßten . Das einzige , was mich tröstet , ist die Überzeugung , daß Neigungen dieser Art nur scheinbar sind , daß ein Selbstbetrug dahinter verborgen liegt , und daß eine echte , gute Seele von dergleichen Fehlgriffen oft durch sich selbst oder doch wenigstens mit einiger Beihülfe verständiger Personen gleich wieder zurückkommt . « » Ich bin dieser Meinung nicht « , sagte die Baronin , » denn nach allen Symptomen ist es ein sehr ernstliches Gefühl , von welchem Hilarie durchdrungen ist . « » Etwas so Unnatürliches hätte ich ihrem natürlichen Wesen nicht zugetraut « , versetzte der Major . » Es ist so unnatürlich nicht « , sagte die Schwester . » Aus meiner Jugend erinnere ich mich selbst einer Leidenschaft für einen älteren Mann , als du bist . Du hast funfzig Jahre ; das ist immer noch nicht gar zu viel für einen Deutschen , wenn vielleicht andere , lebhaftere Nationen früher altern . « » Wodurch willst du aber deine Vermutung bekräftigen ? « sagte der Major . » Es ist keine Vermutung , es ist Gewißheit . Das Nähere sollst du nach und nach vernehmen . « Hilarie gesellte sich zu ihnen , und der Major fühlte sich , wider seinen Willen , abermals verändert . Ihre Gegenwart deuchte ihn noch lieber und werter als vorher ; ihr Betragen schien ihm liebevoller , und schon fing er an , den Worten seiner Schwester Glauben beizumessen . Die Empfindung war für ihn höchst angenehm , ob er sich gleich solche weder gestehen noch erlauben wollte . Freilich war Hilarie höchst liebenswürdig , indem sich in ihrem Betragen die zarte Scheu gegen einen Liebhaber und die freie Bequemlichkeit gegen einen Oheim auf das innigste verband ; denn sie liebte ihn wirklich und von ganzer Seele . Der Garten war in seiner vollen Frühlingspracht , und der Major , der so viele alte Bäume sich wieder belauben sah , konnte auch an die Wiederkehr seines eignen Frühlings glauben . Und wer hätte sich nicht in der Gegenwart des liebenswürdigsten Mädchens dazu verführen lassen ! So verging ihnen der Tag zusammen ; alle häuslichen Epochen wurden mit der größten Gemütlichkeit durchlebt ; abends nach Tisch setzte sich Hilarie wieder ans Klavier ; der Major hörte mit andern Ohren als heute früh ; eine Melodie schlang sich in die andere , ein Lied schloß sich ans andere , und kaum vermochte die Mitternacht die kleine Gesellschaft zu trennen . Als der Major auf seinem Zimmer ankam , fand er alles nach seiner alten , gewohnten Bequemlichkeit eingerichtet ; sogar einige Kupferstiche , bei denen er gern verweilte , waren aus andern Zimmern herübergehängt ; und da er einmal aufmerksam geworden war , so sah er sich bis auf jeden einzelnen kleinen Umstand versorgt und geschmeichelt . Nur wenig Stunden Schlaf bedurfte er diesmal ; seine Lebensgeister waren früh aufgeregt . Aber nun merkte er auf einmal , daß eine neue Ordnung der Dinge manches Unbequeme nach sich ziehe . Er hatte seinem alten Reitknecht , der zugleich die Stelle des Bedienten und Kammerdieners vertrat , seit mehreren Jahren kein böses Wort gegeben : denn alles ging in der strengsten Ordnung seinen gewöhnlichen Gang ;