, was ihnen noch fehlte , sagte sie , auf die Thränen deutend ; das ist der Morgenthau , den kein Treibhaus erzeugt . Ja , versetzte er dumpf und leise , der Morgenthau , der der Verkündiger eines ewigen Schmerzes ist . Nicht mehr erschüttert von dem Wechselfieber banger Furcht und tröstender Hoffnung , wie früher , erwartete er die Zurückkunft der treuen Freundin ; denn er wußte wohl , sie hatte ihm nur die Bestätigung seiner bangen Ahnung , nur die traurigste Gewißheit des nahenden Verlustes , der ihm drohte , zu bringen . Gleichwohl konnte seine Phantasie , durch inneres Grauen vor diesem Schreckenbilde geschützt , sich Erna ' s Tod nicht , als so bald erfolgend , ausmalen , daß nicht noch manche Kunde von ihr die letzten Lichtstrahlen in sein dann verdunkeltes Leben zu werfen vermöchte . Als daher die Gräfin , in Thränen gebadet , zurückkehrte , und durch die lakonischen Worte : nun hab ich Erna zum letztenmal gesehen ! die Wurzel so wie den Gipfel alles Seyns in ihm tödtend zerschnitt , da war ihm , als habe er zum erstenmal in die Ruinen seiner Zukunft geblickt - als sei die dürre Wüste seines Lebens ohne sie jetzt erst in ihrer ganzen schrecklichen Einsamkeit vor ihm geöffnet worden . Theilnehmend suchte die Gräfin ihn zurückzuhalten , als er hinwegstrebte , aber umsonst . Mußte sie selbst doch sich eingestehen , daß keine Besänftigung seines Kummers , keine Linderung seiner Angst in ihrer Macht stehe . Auch bedurfte ihr eigenes Gemüth der Ruhe , um sich von dem erschütternden Anblick der Leiden ihrer nun von den Aerzten aufgegebenen Freundin zu erholen . Daher ließ sie ihn gehen , und er stürzte hinaus , und rannte , von den Furien eines wüthenden Schmerzes gegeißelt , zweck- und sinnlos im Freien umher . XIX Es war ein trüber Novembertag . Voll melancholischen Ernstes senkte sich die schwer bewölkte Himmelsdecke , Nebel aushauchend , auf ihn hernieder - kein Sonnenstrahl durchdrang das Grau der Wolken - finster und verödet , wie in seiner Seele , sah es rings umher in der Natur aus . Lange schweifte er , düster vor sich hinstarrend , umher , bis sein Weg sich dem Kirchhofe näherte , der außen vor der Stadt in einem dunkeln Kranz von Flieder so manchen seiner Bekannten , seiner Freunde sogar , einschloß . Da , im Innersten fast convulsivisch ergriffen , warf er sich auf einen Stein am Eingang nieder , und seine heiße Stirn an das kalte Gitter der Pforte lehnend , rief er verzweiflungsvoll aus : Also hier soll ich Dich künftig suchen , Dich , die Du wie ein schönes Meteor meinem armen Leben nur glühtest , um so früh zu erlöschen ? Hier auf dem feuchten Kirchhof , in den frostigen Gewölben des Todes , in gräßlicher Einsamkeit wird bald Deine Wohnung seyn ! - - Indem hallten traurig die langsamen Pulse der Abendglocke zu ihm herüber . Es war , als ob diese Töne seine Besinnung weckten , seinen Geist ermuthigten , und einen Entschluß in ihm aufriefen , den er faßte , als sei er ihm von oben eingegeben . Noch lebt sie , sprach er zu sich selbst , und was heute noch nicht unmöglich ist , sie zum letztenmal zu sehen , und den Abschiedsgruß des hinscheidenden Engels zu empfangen , wehrt mir bereits der nächste Morgen , der vielleicht schon über ihrer Leiche aufgeht . Alle Bedenklichkeiten , die die Spannung zwischen Linovsky und ihm seinem Wunsch entgegenstellten , alle Hindernisse , die den ungestörten Augenblick , nach dem er sich sehnte , zu unterbrechen drohten - - sonst ihm so wichtig und zurückstoßend scheinend - kamen ihm jetzt leicht zu überwinden und nichtig vor . Er raffte sich auf und ging . Ihm war , als habe der Vorsatz , sich zu ihr hinzudrängen , und sie , allen Schwierigkeiten zum Trotz , wieder zu sehen , sei es auch zum letztenmale , die Welt um ihn her verändert - als knüpfe ihn wieder ein glühender Antheil an die Erde , als wehe eine andere Lebensluft als vorher , neuen Muth und neue Kraft in seine ermattete Seele . Als er in die Stadt zurückkehrte , hatte sich die Dämmerung bereits in Dunkelheit verwandelt . Wie Mistöne , die seinen Schmerz verhöhnten , drang das Kutschengerassel der zerstreuungssüchtigen Menge , die dem Theater zueilte , in sein Ohr . Mühsam wand er sich hindurch , und erreichte die Straße , wo Erna wohnte . Er stellte sich ihrem Haus gegenüber , um sein ungestüm klopfendes Herz erst wieder zu einiger Ruhe zu zwingen . Tiefe Wehmuth bemächtigte sich seiner , und lösete den tobenden Aufruhr seines Innern in mildes Zagen und Trauern auf . Ach - da schimmerte bleich das Licht , das ihre Leiden beschien - vielleicht , dachte er , sind morgen schon diese Fenster dunkel - unwiderstehlich trieb ihn dieser Gedanke an , zu eilen , und ohne auf die abmahnende Stimme der Ueberlegung zu hören , betrat er entschlossen die ihm heilige Schwelle . Hier schien bereits des Todes grauenvolles Schweigen zu herrschen . Alles war öde und still , wie in einem Grabe . Vergebens sah er sich nach irgend einem menschlichen Wesen um , das Erna seine Nähe hätte verkünden können , denn er befürchtete mit Recht das Nachtheilige einer plötzlichen Ueberraschung bei ihrer Schwäche . Endlich trat Auguste leisen Schrittes aus einem der Gemächer . Erschrocken , als habe sie ein Gespenst erblickt , fuhr sie zurück als sie ihn erkannte . Sie hier ? flüsterte sie bebend , und vermochte nichts weiter zu sagen ; denn mit furchtbarem Ernst und völlig entschieden , seinen Willen durchzusetzen , trat Alexander ihr näher . Ja , ich bin hier , sprach er , mit dem Rechte , das der Schmerz mir giebt . Ich muß Erna noch einmal sehen . Bringen Sie , ich beschwöre Sie darum ,