er auch ruhig in seinem Bette liege . Da schien es ihr Gewißheit , daß sie sich nur mit einem bösen Traume geplagt habe . Sie ging herunter und schämte sich , weckte die Tochter , die auch keine Lust hatte , von der Geschichte anzufangen , so wenig wie Berthold , der auch zum Frühstück gerufen wurde . Die Leute Kuglers weckten sie aus dieser guten Meinung , sie verlangten von ihr Rat und nun entwickelte sich das Geheimnis . Berthold erfuhr jetzt erst , daß Kugler ihn in Waiblingen suche , er fürchtete , daß seine Mutter erschrecken möchte , und behauptete , daß er nur durch ein eiliges Nachreisen das Ungewitter zerstreuen könne . Frau Zähringer gab ihm recht , und Anna wußte nichts dagegen zu erinnern , doch äußerte sie die Meinung , daß sie ihn gern begleiten möchte . Berthold faßte das auf und suchte der Mutter und Tochter zu beweisen , daß sie nichts in Augsburg hielte , Kuglers Wirtschaft würde dessen Schwester gern führen , die eigne Wirtschaft sei schnell geordnet , die Mutter kenne Waiblingen , und selbst wenn sie in seinem Hause nicht zu wohnen Lust hätte , so sei doch eben so leicht ein eignes Haus für sie zu finden . In Apollonien sprach eine alte Liebe zu dem Orte für den Vorschlag , aber sie ließ sich noch erst recht lange bitten , bis Berthold ihre Einwilligung erzwang . Es wurde ein Fuhrmann aus der Nachbarschaft gemietet , mit großer Hast alle Kleider , Betten und Leinenzeug eingepackt , so daß alles übrige im Hause durch fremde Leute konnte besorgt werden , wenn sie etwa gar nicht wieder an den Ort ihrer Plage und Arbeit zurückkehren wollte . Die Geschäftigkeit unterdrückte Gefühl und Betrachtung ; nach einer Stunde , als alles eingepackt , alles besorgt war , als die Pferde schon vor dem Wagen ungeduldig die Erde stampften , da fühlte erst Frau Zähringer , daß die Zeit im Unglück , wie im Glück den Menschen an den Boden fesselt , sie konnte nur unter heftigen Tränen die armselige Hütte verlassen . Berthold hatte manches Geschäft abgemacht in aller Eile , Herren Marx und Kunz sich empfohlen , er freute sich recht der Ruhe auf dem Wagen an Annens Seite , ein lag der Reise macht vertraulicher , als ein Monat andrer Umgang , er freute sich , für Mutter und Tochter allerlei Besorgungen übernehmen zu können . Das Stoßen des Wagens setzte manche Erzählung in Umlauf . Berthold suchte Apollonia mit allem bekannt zu machen , was sich inzwischen in Wirtemberg verändert habe , wie der Graf Eberhard , der Bärtige , vom Kaiser zum Herzog gemacht sei und wie jetzt Herzog Ulrich gar seltsam regiere . Frau Apollonia erzählte , daß sie ihn in früheren Jahren einmal zu Augsburg gesehen , er sei ein bauchiger , dickköpfiger Herr gewesen , der sich zuweilen aus Hochmut alles Blut ins Gesicht geblasen und gedrängt habe , wie ein welscher Hahn . - » Er war schon in die Acht erklärt « , fuhr Berthold fort , » aber der Kardinal Lang machte seine Versöhnung mit dem Kaiser und jetzt wirtschaftet er noch rasender mit seinen Räten , welche nach der Bedingung dieser Versöhnung wärend sechs Jahren die Landesverwaltung führen sollten ; ein paar hat er schon unter nichtigem Vorwande foltern lassen und einen im Kohlenfeuer fast gebraten . « » Gott stehe uns bei « , sagte Apollonia . - » Wir können ruhig leben « , antwortete Berthold , » aller Zorn des Herrn ist persönlich , es leiden nur die von ihm , die er kennt , die Räte und Herren vom Hofe , seine Frau und Kinder . « - » Ist nicht seine Frau , die edle Sabina von Bayern , mit der er so prunkvoll Hochzeit gehalten , ihm entflohen ? « fragte Frau Apollonia . - » Freilich « , antwortete Berthold , » wie konnte sie länger das qualvolle Leben ertragen , allen Weibern ihres Gefolgs stellte er nach . Die schrecklichste Geschichte war wohl , als er der Frau des Hans von Hutten nachtrachtete , die ihm aber als eine ehrliche Frau widerstand . Das kränkte ihn , er stellte sich eifersüchtig wegen eines Rings , den Hutten von seiner Herzogin erhalten hatte , um ihn seiner Frau für ihre Standhaftigkeit einzuhändigen , er beschied Hutten in den Beblinger Wald , gebot ihm um Leib und Leben sich zu wehren und durchstach ihn , ehe er noch sein Schwert gezogen hatte . Dann hing er ihn an eine Eiche mit dem Gürtel und machte als Freigraf das Zeichen des heimlichen Gerichts zum Schutz seines sinnlosen Frevels über den Toten . « - Die Geschichte veranlaßte ein langes Gespräch über die Eifersucht , in welchem es sich äußerte , daß die Mutter wohl einige Eifersucht gegen die Tochter , die Tochter aber noch viel mehr gegen die Mutter hege und jeden Händedruck , jeden Kuß Bertholds mißgönne . Berthold aber nahm diese Äußerungen wie einen Scherz auf , er war zu bescheiden , sich so heftige Einwirkung auf die Gemüter zuzuschreiben , zu unbekannt mit sich selbst , um zu fühlen , daß diese Eifersucht Annens wohl einen Grund in ihm haben könnte , denn je mehr er Apollonien sprach , je mehr Erinnerungen der frühen Jahre erwachten in ihnen beiden . Übrigens war es eine schwere Sache , dem Meister Kugler nachzureisen , um die Sorge , die seine Anfrage in Waiblingen verbreiten konnte , durch die Gegenwart des Vermißten zu zerstreuen . Kugler war des Reitens beim Einkauf des Viehs sehr gewöhnt , in seinem Treiben lag immer etwas Rastloses und danach hatte er auch seinen Schecken ausgesucht , der nicht eher vom starken Trabe absetzte bis der Herr ihn hielt . Fingerring war bequemer , sein Pferd geringer und so kam ' s , daß ihm Kugler vorbei geritten , ohne daß einer vom andern etwas gemerkt hätte ,