blöde , frei in die göttliche Flamme zu schauen , sie spielen nur mit ihrem spielenden Widerscheine . Friedrich fand sie überhaupt seit einiger Zeit etwas verändert . Sie war oft einsilbig , oft wieder bis zur Leichtfertigkeit munter , beides schien Manier . Sie mischte oft in ihre besten Unterhaltungen so Fremdartiges , als hätte ihr innerstes Leben sein altes Gleichgewicht verloren . Über seine seltenen Besuche machte sie ihm nie den kleinsten Vorwurf . Er war weit entfernt , den wahren Grund von allem diesem auch nur zu ahnen . Denn die rechte Liebe ist einfältig und sorglos . Eines Tages kam er gegen Abend zu ihr . Das Zimmer war schon dunkel , sie war allein . Sie schien ganz atemlos vor Verlegenheit , als er so plötzlich in das Zimmer trat , und sah sich ängstlich einige Male nach der andern Tür um . Friedrich bemerkte ihre Unruhe nicht , oder mochte sie nicht bemerken . Er hatte heut den ganzen Tag gearbeitet , geschrieben und gesonnen . Auf seiner unbekümmert unordentlichen Kleidung , auf dem verwachten , etwas bleichen Gesichte und den sinnigen Augen ruhte noch der Nachsommer der Begeisterung . Er bat sie , kein Licht anzuzünden , setzte sich nach seiner Gewohnheit mit der Gitarre ans Fenster und sang fröhlich ein altes Lied , das er Rosa oft im Garten bei ihrem Schlosse gesungen . Rosa saß dicht vor ihm , voll Gedanken , es war , je länger er sang , als müßte sie ihm etwas vertrauen und könne sich nicht dazu entschließen . Sie sah ihn immerfort an . » Nein , es ist mir nicht möglich ! « rief sie endlich und sprang auf . Er legte die Laute weg ; sie war schnell durch die andere Tür verschwunden . Er stand noch einige Zeit nachdenkend , da aber niemand kam , ging er verwundert fort . Es war ihm von jeher eine eigene Freude , wenn er so abends durch die Gassen strich , in die untern erleuchteten Fenster hineinzublicken , wie da alles , während es draußen stob und stürmte , gemütlich um den warmen Ofen saß , oder an reinlich gedeckten Tischen schmauste , des Tages Arbeit und Mühen vergessend , wie eine bunte Galerie von Weihnachtsbildern . Er schlug heute einen andern , ungewohnten Weg ein , durch kleine , unbesuchte Gäßchen , da glaubte er auf einmal in dem einen Fenster den Prinzen zu sehen . Er blieb erstaunt stehen . Er war es wirklich . Er saß in einem schlechten Überrocke , den er noch niemals bei ihm gesehen , im Hintergrunde auf einem hölzernen Stuhle . Vor ihm saß ein junges Mädchen in bürgerlicher Kleidung auf einem Schemel , beide Arme auf seine Kniee gestützt , und sah zu ihm hinauf , während er etwas zu erzählen schien und ihr die Haare von beiden Seiten aus der heitern Stirn strich . Ein flackerndes Herdfeuer , an welchem eine alte Frau etwas zubereitete , warf seine gemütlichen Scheine über die Stube . Teller und Schüsseln waren in ihren Geländern ringsum an den Wänden blank und in zierlicher Ordnung aufgestellt , ein Kätzchen saß auf einem Großvaterstuhle am Ofen und putzte sich , im Hintergrunde hing ein Muttergottesbild , vom Kamine hell beleuchtet . Es schien ein stilles , ordentliches Haus . Das Mädchen sprang fröhlich von ihrem Sitze auf , kam ans Fenster und sah einen Augenblick durch die Scheiben . Friedrich erstaunte über ihre Schönheit . Sie schüttelte sich darauf munter und ungemein lieblich , als fröre sie bei dem flüchtigen Blick in die stürmische Nacht draußen , stieg auf einen Stuhl und schloß die Fensterladen zu . Am folgenden Morgen , als Friedrich mit dem Prinzen zusammenkam , sagte er ihm sogleich , was er gestern gesehen . Der Prinz schien betroffen , besann sich darauf einen Augenblick und bat Friedrich , die ganze Begebenheit zu verschweigen . Er besuche , sagte er , das Mädchen schon seit langer Zeit und gebe sich für einen armen Studenten aus . Die Mutter und die Tochter , die wenig auskämen , hielten ihn wirklich dafür . Friedrich sagte ihm offen und ernsthaft , wie dies ein gefährliches Spiel sei , wobei das Mädchen verspielen müsse , er solle lieber alles aufgeben , ehe es zu weit käme , und vor allen Dingen großmütig das Mädchen schonen , das ihm noch unschuldig schiene . Der Prinz war gerührt , drückte Friedrich die Hand und schwur , daß er das Mädchen zu sehr liebe , um sie unglücklich zu machen . Er nannte sie nur sein hohes Mädchen . Später , an einem von jenen wunderbaren Tagen , wo die Bäche wieder ihre klaren Augen aufschlagen und einzelne Lerchen schon hoch in dem blauen Himmel singen , hatte Friedrich alle seine Fenster offen , die auf einen einsamen Spaziergang hinausgingen , den zu dieser Jahreszeit fast niemand besuchte . Es war ein Sonntag , unzählige Glocken schallten durch die stille , heitere Luft . Da sah er den Prinzen wieder verkleidet in der Ferne vorübergehen , neben ihm sein Bürgermädchen , im sonntäglichen Putze zierlich aufgeschmückt . Sie schien sehr zufrieden und glücklich und drückte sich oft fröhlich an seinen Arm . Friedrich nahm die Gitarre , setzte sich auf das Fenster und sang : » Wann der kalte Schnee zergangen , Stehst du draußen in der Tür , Kommt ein Knabe schön gegangen , Stellt sich freundlich da zu dir , Lobet deine frischen Wangen , Dunkle Locken , Augen licht , Wann der kalte Schnee zergangen , Glaub dem falschen Herzen nicht ! Wann die lauen Winde wehen , Scheint die Sonne lieblich warm : Wirst du wohl spazierengehen , Und er führet dich am Arm , Tränen dir im Auge stehen , Denn so schön klingt , was er spricht ; Wann die lauen Winde wehen , Glaub dem falschen Herzen nicht ! Wenn die Lerchen wieder schwirren , Trittst du draußen vor