seit nicht lange her sich entwunden . - Je mehr der Prinz dieser Liebe nachhing , desto auffallender wurde Franceskos Betragen , den man jetzt beinahe gar nicht mehr am Hofe sah , sondern der einsam umherschwärmte und oft wochenlang von der Residenz abwesend war . Dagegen ließ sich der wunderliche menschenscheue Maler mehr sehen als sonst und arbeitete vorzüglich gern in dem Atelier , das ihm die Italienerin in ihrem Hause einrichten lassen . Er malte sie mehrmals mit einem Ausdruck ohnegleichen ; der Fürstin schien er abhold , er wollte sie durchaus nicht malen , dagegen vollendete er das Porträt der Prinzessin , ohne daß sie ihm ein einziges Mal gesessen , auf das ähnlichste und herrlichste . Die Italienerin bewies diesem Maler so viel Aufmerksamkeit , und er dagegen begegnete ihr mit solcher vertraulicher Galanterie , daß der Prinz eifersüchtig wurde und dem Maler , als er ihn einmal im Atelier arbeitend antraf und er , fest den Blick auf den Kopf der Italienerin , den er wieder hingezaubert , gerichtet , sein Eintreten gar nicht zu bemerken schien , - rund heraussagte , er möge ihm den Gefallen tun und hier nicht mehr arbeiten , sondern sich ein anderes Atelier suchen . Der Maler schnickte gelassen den Pinsel aus und nahm schweigend das Bild von der Staffelei . Im höchsten Unmute riß es der Prinz ihm aus der Hand mit der Äußerung , es sei so herrlich getroffen , daß er es besitzen müsse . Der Maler , immer ruhig und gelassen bleibend , bat , nur zu erlauben , daß er das Bild mit ein paar Zügen vollende . Der Prinz stellte das Bild wieder auf die Staffelei , nach ein paar Minuten gab der Maler es ihm zurück und lachte hell auf , als der Prinz über das gräßlich verzerrte Gesicht erschrak , zu dem das Porträt geworden . Nun ging der Maler langsam aus dem Saal , aber nah an der Türe kehrte er um , sah den Prinzen an mit ernstem durchdringendem Blick und sprach dumpf und feierlich : Nun bist du verloren ! - Dies geschah , als die Italienerin schon für des Prinzen Braut erklärt war und in wenigen Tagen die feierliche Vermählung vor sich gehen sollte . Des Malers Betragen achtete der Prinz um so weniger , als er in dem allgemeinen Ruf stand , zuweilen von einiger Tollheit heimgesucht zu werden . Er saß , wie man erzählte , nun wieder in seinem kleinen Zimmer und starrte tagelang eine große aufgespannte Leinwand an , indem er versicherte , wie er eben jetzt an ganz herrlichen Gemälden arbeite ; so vergaß er den Hof und wurde von diesem wieder vergessen . Die Vermählung des Prinzen mit der Italienerin ging in dem Palast des Fürsten auf das feierlichste vor sich ; die Fürstin hatte sich in ihr Geschick gefügt und einer zwecklosen , nie zu befriedigenden Neigung entsagt ; die Prinzessin war wie verklärt , denn ihr geliebter Francesko war wieder erschienen , blühender , lebensfroher als je . Der Prinz sollte mit seiner Gemahlin den Flügel des Schlosses beziehen , den der Fürst erst zu dem Behuf einrichten lassen . Bei diesem Bau war er recht in seinem Wirkungskreise , man sah ihn nicht anders , als von Architekten , Malern , Tapezierern umgeben , in großen Büchern blätternd und Plane , Risse , Skizzen vor sich ausbreitend , die er zum Teil selbst gemacht und die mitunter schlecht genug geraten waren . Weder der Prinz noch seine Braut durften früher etwas von der inneren Einrichtung sehen , bis am späten Abend des Vermählungstages , an dem sie von dem Fürsten in einem langen feierlichen Zuge durch die in der Tat mit geschmackvoller Pracht dekorierten Zimmer geleitet wurden , und ein Ball in einem herrlichen Saal , der einem blühenden Garten glich , das Fest beschloß . In der Nacht entstand in dem Flügel des Prinzen ein dumpfer Lärm , aber lauter und lauter wurde das Getöse , bis es den Fürsten selbst aufweckte . Unglückahnend sprang er auf , eilte , von der Wache begleitet , nach dem entfernten Flügel und trat in den breiten Korridor , als eben der Prinz gebracht wurde , den man vor der Türe des Brautgemachs , durch einen Messerstich in den Hals ermordet , gefunden . Man kann sich das Entsetzen des Fürsten , der Prinzessin Verzweiflung , die tiefe , herzzerreißende Trauer der Fürstin denken . - Als der Fürst ruhiger worden , fing er an , der Möglichkeit , wie der Mord geschehen , wie der Mörder durch die überall mit Wachen besetzten Korridore habe entfliehen können , nachzuspähen ; alle Schlupfwinkel wurden durchsucht , aber vergebens . Der Page , der den Prinzen bedient , erzählte , wie er seinen Herrn , der , von banger Ahnung ergriffen , sehr unruhig gewesen und lange in seinem Kabinett auf und ab gangen sei , endlich entkleidet und mit dem Armleuchter in der Hand bis an das Vorzimmer des Brautgemachs geleuchtet habe . Der Prinz hätte ihm den Leuchter aus der Hand genommen und ihn zurückgeschickt ; kaum sei er aber aus dem Zimmer gewesen , als er einen dumpfen Schrei , einen Schlag und das Klirren des fallenden Armleuchters gehört . Gleich sei er zurückgerannt und habe bei dem Schein eines Lichts , das noch auf der Erde fortgebrannt , den Prinzen vor der Türe des Brautgemachs und neben ihm ein kleines blutiges Messer liegen gesehen , nun aber gleich Lärm gemacht . - Nach der Erzählung der Gemahlin des unglücklichen Prinzen war er , gleich nachdem sie die Kammerfrauen entfernt , hastig ohne Licht in das Zimmer getreten , hatte alle Lichter schnell ausgelöscht , war wohl eine halbe Stunde bei ihr geblieben und hatte sich dann wieder entfernt ; erst einige Minuten darauf geschah der Mord . - Als man sich in Vermutungen , wer der Mörder sein könne , erschöpfte , als es durchaus kein einziges Mittel