, die sie hier nicht achten , und bei jeder denk ich immer ganz allein an einen von euch , oder an unsern alten Bedienten , und lasse manche Träne hineinfallen , und wo es einen Flecken macht , da sticke ich eine Perle drauf , damit die Schwestern nicht böse werden ... « Wiederum wendete Dolores das Blatt und der Graf las : » ... Neulich konnte ich es doch nicht lassen , einen jungen Mann zu warnen , der in törichter Hitze seinen Satz immer verdoppelte , aber was half ' s , jedermann lachte über mich ; der junge Mensch spielte nun aus Eitelkeit noch wilder und bildete sich ein , ich sei in ihn verliebt . Jetzt lauert er mir aller Orten auf , so daß mich seine törichte Leidenschaft oft zu Hause hält ; denn er soll kühn sein und es gibt hier wenig öffentliche Sicherheit . Mein Onkel gab mir einen derben Verweis , wofür mich freilich die Tante so freundlich trösten wollte ; lieben Freunde , sie ist gut , sehr gut , ich verstehe mich aber nicht mit ihr ; ich suche die Stille , sie wünschte in ihrem Hause beständige Neckereien , Herumlaufen , Tanz ... « Dolores drehte wieder das Blatt , der Graf las : » ... So prachtvoll hier alles sein mag , unser liebes Deutschland vergesse ich darüber doch niemals ; oft , wenn ich lange nicht daran gedacht habe , da fällt es mir so schwer aufs Herz , oft weiß ich nicht einmal , wobei es mir so einfällt . Neulich aber war ich ganz trostlos , da komme ich in unsere Küche , wo ich doch schon oft gewesen , und sehe so zufällig in dem knisternden Feuer der grünen Ölbaumäste eine schöne Figur in der eisernen gegossenen Platte , die im Hintergrunde des Herdes aufgerichtet steht ; zwar war sie sehr verrostet , aber ich konnte doch noch deutlich sehen , wie sie aus einem Füllhorne Blumen fallen läßt . Unter der Platte standen nun mehrere lateinische Buchstaben , die ich zusammenbuchstabiere und immer nicht verstehen kann , weil ich auf etwas Lateinisches oder Italienisches rate ; endlich spreche ich es ganz aus , seht , da heißt es Frühling ; unser lieber deutscher Frühling , mit aller seiner Wunderbarkeit , wie er aus dem Schnee hervortritt , kann mich nie so verwundert , so gerührt haben als diese arme Frühlingsgöttin , die vielleicht seit hundert Jahren hieher verbannt , von niemand verstanden worden ; wer wird mich hier finden , der mich versteht , da ich keine Blumen ausstreue wie jene ! Ich habe nicht geruht , bis ich die eiserne Platte in meinem Zimmer aufgestellt habe ... « » Die arme Klelia « , rief der Graf , » wir müssen ihr gleich schreiben , sie muß zu uns ziehen ; wer wird sie aber hieher begleiten ? Ich begreife nicht , Dolores , wie du sie damals hast können wegreisen lassen ; sie gehört so notwendig zu unserm Glücke ; wir haben uns doch zuweilen gestritten und einander erzürnt , sieh , das wäre gar nicht möglich geworden in ihrer Nähe ; sie ist ein Engel , bei dessen Anblicke einem alle Heftigkeit und Bosheit vergeht . « - » Es ist gut , daß sie nicht hier ist « , sagte die Gräfin , » so wie du jetzt gesinnt bist , würdest du sie sicher mir vorziehen ; sie störte dich niemals , widerspräche dir nie ; was du tätest und sagtest , wäre ihr immer recht ; ich bin dir zu aufrichtig , zu freimütig . « - » Liebes Kind , wie du das wieder nimmst « , rief der Graf und fing schon seinen Brief an Klelien an ; » es ist mir gerade das Teuerste an dir , daß du so fest begründet , so sicher in dir lebst , um alle fremde Gesinnung zu verschmähen , um von niemand etwas anzunehmen , um ... « doch da war er schon so vertieft in seinen Einladungsbrief an Klelien , daß Dolores , ohne daß er es merkte , das Zimmer verlassen hatte , während er noch immer einzelne Worte zu ihr redete . Er schrieb gewöhnlich emsig und schnell , und da er nach einiger Zeit jemand neben sich atmen hörte , so glaubte er mit Wahrscheinlichkeit , es sei Dolores , die ungeduldig über sein langes Schreiben ihm über die Schulter sehe . Da der Brief gleich zu Ende ging , das heißt das Blatt , das so gebietend über die Länge der Gedanken entscheidet , so wollte er sie festhalten und sie zugleich beschäftigen , indem er nach ihrer Hand griff . Wirklich faßte er auch eine Hand und drückte sie , und seine Hand wurde zärtlich wieder gedrückt ; zugleich fühlte er einen heftigen Kuß , der auf der Oberfläche der Hand haftete . Das war gegen die Art der Gräfin ; er sah sich um , und fand die tolle Ilse , die ihm Hut und Stock brachte , die er gestern im Zimmer der Gräfin vergessen hatte und ihn mit dieser demütigen Gunst gar rührend anblickte . Der Graf war in Verlegenheit , seine Gesinnung gegen das weibliche Geschlecht hob im wirklichen Leben alle Standesverhältnisse auf ; sie küßte ihm noch einmal die Hand und drückte sie an ihre Brust , deren Pochen er fühlte ; er konnte ihr noch kein Wort sagen , sondern klopfte ihr mit den Händen die Backen , und murmelte so etwas : » Sie ist ein gutes Kind ! « Ilse richtete sich jetzt aus ihrer gebeugten Stellung auf , und fragte : » Haben der liebe gnädige Herr was zu befehlen ? « - » Nichts liebes Kind « , sagte er , und doch brauchte er Licht , um seinen Brief zu siegeln . Sie verließ jetzt das Zimmer mit einer tiefen Verbeugung , und er ging verwundert auf und ab