geworden seyn , wenn nicht zu diesem Verhältniß zwei Wesen erforderlich wären : ein Gebietendes , und Eines , das sich gebieten läßt . Der Sohn des abendländischen Cäsars fühlte sich durch Geburt , Natur und Glück nicht so tief unter dem morgenländischen ; er sah eine ruhmwürdigere Aussicht vor sich aufgethan , als sein Leben im Sonnenschein fremder Hoheit zu verflattern , und sich mit dem hohlen Ansehen , und kindischen Schimmer zu begnügen , mit dem ihn Galerius so schlau als verschwenderisch umgab . Das erzeugte Furcht , und Furcht gebiert den Haß . Galerius haßt mich , aber er fürchtet mich auch . Er umgibt mich mit Spionen , es kostet manchmal Nachsinnen und gespannte Aufmerksamkeit , einen Brief von hier aus durch die weiten römischen Provinzen , die seinem Scepter gehorchen , bis nach Eboracum unentdeckt , unerbrochen zu bringen . Dieser ist einer von den glücklichen , der seinen Spähern entgehen wird , und darum enthalte er , was viele seiner Vorgänger nicht enthalten konnten . Du hast in dieser treuen Schilderung meiner Lage zugleich die Ursache , warum es mir nicht möglich war , in deiner Angelegenheit thätig zu seyn . Diocletians vorzüglichste Tugend ist Verschlosseuheit ; indeß soll die Kaiserin Prisca mit der ehemaligen Königin des Olymps nicht blos die Eigenschaft gemein haben , die Gattin des Weltgebieters zu seyn , und der Augustus soll sich öfters gezwungen gesehen haben , manche seiner Freuden vor dem Blicke seiner Juno geheim zu halten . Unter diesen Verhältnissen ist es schwer , Erkundigungen über eine so verborgene Geschichte einzuziehen , besonders dort , wo jeder Schritt belauscht , und jeder entdeckte zu den unangenehmsten Verwickelungen führen würde . Ich kann nur mit der größten Vorsicht zu Werke gehen , und Alles , was ich bisher erfahren konnte , ist , daß Asinius Ponticus mit zwei Frauen , die man nicht kannte , bei den letzten Saturnalien in Coloniä Agrippinä gesehen wurde . Von dort soll er sich nach Mantua gewendet haben . Sobald ich mehr erfahre , wird es mir das theuerste Geschäft seyn , dich zu benachrichtigen , wo ich mich auch immer befinden möge ; denn wir brechen in drei Tagen auf , um uns zu dem Heere zu begeben . Dein Vertrauen hat mich sehr geehrt , ich werde desselben würdig zu bleiben streben , und jede Gelegenheit ergreifen , um dir zu beweisen , wie unauslöschlich das Gefühl ist , das in meiner Brust gegen dich glüht , dem ich die zwei köstlichsten Gaben danke , die der Mensch dem Menschen geben kann - freie Liebe , und Anleitung zum Guten . - Leb ' wohl ! 43. Calpurnia an ihren Bruder Lucius Piso in Rom . Nikomedien , im April 302 . Wenn der Mensch nur nichts erwartete ! Wenn man sich nur abgewöhnen könnte , der Zukunft mehr zuzutrauen , als der Gegenwart ! Aber so sind wir nun . Immer blicken wir in die Ferne , vorwärts , und kein Besitz wirklicher Güter dünkt uns so reizend , als die schimmernden Freuden , die uns von Weitem im magischen Lichte der Einbildungskraft entgegenglänzen . Was ich mir mit recht kindischem Sinne für Vorstellungen von diesem Nikomedien und den Freuden machte , die ich hier finden würde ! Was ich mir für Geschichten erzählte , für Scenen träumte ! Es ist nichts , eitel Nichts . Ich bin hier keinen Augenblick besser daran , als in Rom , schlimmer vielmehr , denn ich bin hier fremd und allein . O wer mir das gesagt hätte , als ich mit fröhlichem Muthe in das Schiff stieg , als nur der Abschied von dir mich Thränen kostete , und ich mit hoffnungsreicher Seele die schönen Ufer Hesperiens1 nach und nach verschwinden sah ! Ja , das ist ' s eben , der Mensch ist zur Täuschung geboren . Das wahre Glück ist nirgends als in seiner Einbildungskraft ; in dieser genießt er es voraus , so darf er es denn von her lauen unbedeutenden Gegenwart nicht fordern . Er hat seinen Lohn dahin , wie die Christen zu sagen pflegen . Hier gibt es erstaunlich Viele von dieser Secte ; selbst die Gemahlin des Cäsar Galerius , Valeria , soll dazu gehören . Das ist auch eine Ursache mehr , die mir den hiesigen Aufenthalt verleidet . Es sind kopfhängerische traurige Menschen , die in den unschuldigsten Vergnügungen Gift finden , und sich aus den unbedeutendsten Handlungen ein Gewissen machen . Auch nur ein Körnchen Weihrauch auf den Altar einer unsrer Gottheiten zu streuen , auch nur einen Bissen Opferfleisch zu essen , ist ihnen ein todeswürdiges Verbrechen . Auch leiden ihn Manche lieber , als sie das thun . Ihr Gott muß ein strenges , eifersüchtiges Wesen seyn . Da lobe ich mir unsre Götter und Göttinnen . Eine unzählbare Menge dieser harmlosen Wesen bevölkert Himmel , Erde und Meer . Sie streiten nicht unter einander , sie beneiden einander ihre Opfer nicht , sie nehmen gastfrei jeden Fremdling ihrer Art aus den entferntesten Gegenden unter den abenteuerlichsten Gestalten auf , sey es Zwiebel , Sperber , Affe2 , ein Ungeheuer mit hundert Brüsten , oder ein Ideal menschlicher Schönheit . Alles dulden sie , jedem gönnen sie ein Plätzchen ; dafür duldet man auch sie . Glauben kann sie kein vernünftiger Mensch ; aber der Pöbel bedarf dieses Spielwerks . So laßt es ihm , und thut , was euch euer Herz zu thun erlaubt . Doch was ereifere ich mich um Dinge , die mich nichts angehen , die ich mir eben aus dem Sinne schlagen will ? Ach lieber Bruder ! das ist die Wirkung der nikomedischen Luft . Wenn man von nichts als Religionsstreitigkeiten hört , wenn diese Ideen alle andern verschlingen , jedes Gespräch verderben : so wird man zuletzt selbst mit hineingezogen , und nimmt , so ungern man es auch thut , doch endlich Partei , dafür oder dawider . Auch Agathokles ist