wie ich sehe ; die Künste werden doch immer mehr getrieben in der Welt ! « - Florentin kam ihm zuvor , als jener das Blatt in die Hand nehmen wollte . Er verdeckte es schnell mit einem andern Blatt . » Entschuldigen Sie « , sagte er kurz und trocken , » es ist nicht fertig . « - » Mir können Sie es immer halb fertig zeigen , ich bin gar kein Kenner . « - » Um desto weniger Herr Rittmeister ! « - » Es ist Fräulein Betty ihr Porträt , das habe ich gesehen . « - » Allerdings ist es das . « - » Nun so muß ich Ihnen dann sagen : ich habe ein Recht dazu es zu fordern . « - » Das mag sein , aber ich habe kein Recht es Ihnen zu geben , es gehört dem Fräulein . « - » Sie werden also entscheiden Fräulein « , rief er aufgebracht . - » In der Tat lieber Walter ... es war ein Scherz ... ich bat darum . « - » Nun so wird man es doch wenigstens erkaufen können ; was ist ihr Preis ? « fragte er , seine Börse hervorziehend . - Florentin antwortete nicht , und legte das Blatt mit Gelassenheit in sein Taschenbuch . - » Es ist nicht für Bezahlung gemacht , lieber Walter « , sagte Betty wieder . - » Es muß doch auf irgendeine Weise wieder in Ihre Hände kommen , denn weder ich , noch Sie selbst werden zugeben , daß Ihr Bild in der Welt mit auf Abenteuer zieht . « - » Herr Rittmeister ! « sagte hier der Doktor mit fester Stimme , » Sie scheinen zu vergessen , daß Sie hier in meinem Hause sind ! « - » Ich werde diesem ehrwürdigen Hause nicht länger beschwerlich fallen . « - Hohnlachend , und aufgedunsen von wildem Zorn fuhr er zur Tür hinaus . - » O Ihr wißt nicht , was Ihr mir tut ! « rief Betty voller Angst , und ging ihm nach . » Das ist zuviel ! « sagte Florentin . - » Es ist entsetzlich « , sagte der Doktor . » So habe ich ihn noch nie gesehen . Ich vermute beinah , daß er einen Rausch hatte . Offenbar legt er es aber besonders auf Sie an . Sie werden also wohltun ihm auszuweichen . « - » Ich bin ihm ausgewichen « , sagte Florentin ; » doch wenn er mich geflissentlich sucht , so soll er mich finden ! Aber wie dauert mich das gute Kind , daß der schönste Moment , die Blüte ihres Daseins unter einem solchen Einfluß verdorren muß ! Kann man sie nicht losmachen ? Ist es nicht möglich , der Gräfin Clementina Licht über seine Nichtswürdigkeit zu geben ? « - » Diese ist ja nichts weniger als im Irrtum über ihn , aber ich glaube Ihnen schon gesagt zu haben , wie sie darüber denkt . Sie läßt jeden auf seine Gefahr nach seiner Überzeugung handeln , und hält sich durchaus nicht für berechtigt , vermittelst ihrer Autorität andre zu bestimmen , nicht durch Vorstellungen , viel weniger durch irgendein Zwangsmittel . Betty ist es bekannt , wie die Gräfin über Walter denkt , da sie sich aber gebunden glaubt , und in der festen Hoffnung lebt , die Liebe würde ihn erziehen , so hält Clementina es für einen Wink der Vorsehung , für ein unabänderliches Verhängnis , dem sie sich nur sträflicherweise , und dennoch ohne Nutzen entgegensetzen würde . « - » Glaubt Clementina nur an eine göttliche Vorsehung , und nicht zugleich auch an die vernichtende Einwirkung des Teufels , so hat sie doch nur eine halbe Religion , das sollten Sie ihr einmal sagen . Unbegreiflich bleibt immer die verhaßte Schwäche ( denn lassen Sie es uns ja nicht Liebe nennen ) vieler , ja sogar ausgezeichneten Frauen , für Menschen , die ihnen in jeder Rücksicht untergeordnet sind ; es ist hier nicht das erstemal , daß ich einen liebenswerten , achtungswürdigen Mann gegen einen Wicht habe zurücksetzen sehen . Sollte nicht etwa die Täuschung dabei zum Grunde liegen , daß die Achtung , die sie für jenen zu haben sich gezwungen fühlen , ihre Oberherrschaft zweifelhaft macht ? oder daß sie die Würde der Liebe nicht verstehen , und sich ihrer als einer Schwäche vor dem Manne schämen , den sie einer gleichen Schwäche für unfähig halten ? « - » Nichts davon ! Keinen andern Grund kann es in diesem liebereichen , unbefangnen Herzen geben , als unbestechliche Treue , die der Hingebung folgt . Der Verführer verstand es , ihre Sinne gefangenzunehmen ; sie ahndet nicht die Möglichkeit , wie dieses hätte geschehen können , wenn sie ihn nicht liebte . Sie ist unschuldig trotz ihrer Schuld , und ihre Treue höchst achtungswert ! « - » Lernt sie aber nicht endlich diesen Irrtum verachten , und erkennt die Liebe ; tritt an die Stelle der blühenden Unbefangenheit nicht die Reife der Achtung vor sich selber , die eine liebende Frau nur in der Liebe für einen hochverehrten Mann findet , so waren es dennoch taube Blüten , oder ein giftiger Tau hat die edle getötet . Und darum ist es Eure Pflicht , sie , wenn auch unter tausend Schmerzen , vom Verderben zurückzuführen . « » Und nun sagen Sie mir doch , wie kann Clementina , nach allem was ich von ihr gehört habe , in der großen Welt leben ? « - » Schon seit mehrern Jahren lebt sie auch wirklich nicht in der großen Welt . Sie geht nie in Gesellschaften ; schon ihre fortdauernde Kränklichkeit leiht ihr einen Vorwand sich davon auszuschließen ; doch ist ihr Haus immer der guten Gesellschaft offen , auch Fremde besuchen sie ; der feine zwanglose Ton , der in ihrem Hause herrscht , macht , daß