; eine glänzende Lilie55 aus der zweiten Welt , die sich selber das Zeichen ist , daß sie bald in diese fliehe . - - O sein Herz voll Tugend empfand erschüttert die Nähe der fremden ; und mit allen Zeichen der tiefsten Verehrung ging er vor dem ruhigen Wesen vorüber , das sie nicht bemerken konnte . Erst als ihm mit jedem Schritte ein Himmel entfallen war und er endlich keinen mehr hatte als den über sich : wurd ' er ganz sanft und freuete sich , daß er nicht kühner gewesen . - Wie glänzt ihm jetzt die Erde , wie nähert sich ihm der Sonnenhimmel , wie liebt sein Herz ! - O noch nach vielen Jahren einst , wenn dieser glühende Rosengarten der Entzückung schon weit hinter deinem Rücken liegt , wie wird er dir , wenn du dich umwendest und darnach blickst , so sanft und magisch als ein weißes Rosenparterre der Erinnerung nachschimmern ! - Siebente Jobelperiode Albanos Eigenheit - das Nestelknüpfen der Politik - der Herostrat der Spieltische - väterliches mandatum sine clausula - gute Gesellschaft - Herr von Bouverot - Lianens Gegenwart des Geistes und Körpers 36. Zykel - - Wäre der Lehnpropst von Hafenreffer nicht , sondern nur meine Phantasie : so würd ' ich gewiß in meiner Historie fort fahren und der Welt als wahr berichten ( und das ganze romantische Schreibgelag ließe sich darauf totschlagen ) , Albano sei am andern Morgen blind und taub hinter der breit vorgebundenen Binde des Bandagisten Amor dortgesessen - er habe nicht mehr über fünf zählen können , außer abends an der Glocke , um nachher das Froulaysche Wasserhäuschen magisch zu umkreisen wie einer , der das Feuer besprechen will , das sich ihm nach schlängelt - aus den beiden Blaselöchern , womit sentimentale Walfische sich öffentlich ausweinen in Buchläden , hab ' er beträchtliche Ströme aufgespritzt - übrigens hab ' er kein Buch mehr angesehen ( ausgenommen einige Bogen im Buche der Natur ) und keinen Menschen mehr ( einen blinden ausgenommen ) - - » und unter diesen meinen Wundzettel erotischer Wundfieber « ( würd ' ich am Schlusse meiner Lüge sagen ) » setzt wohl offenbar die Natur ihr Sekrets-Insiegel . « Das tut sie nicht , sagt Hafenreffer ; - nichts wie verdammte Lügen sinds ; die Sache ist vielmehr so : Zesara schlich kein zweitesmal mehr in Froulays Garten ; eine stolze Schamröte überflog ihn schon bei dem Gedanken an die peinliche , mit der er das erstemal einem mißtrauischen oder fragenden Auge aufgestoßen wäre . Aber auf diese Weise blieb ihm vor der Heilung die liebe Seele verhüllt wie ihr der Mai ; und er quälte sich still mit Berechnungen ihrer Leiden und mit Zweifeln an ihrer Kur . Er schämte sich der Freude während ihrer Trauerzeit und verbot sich den Genuß des Frühlings und den Besuch von Lilar ; ach er wußte ja auch , es würde durch den liebenden Frühling und durch das Lilar , wo sie so viele Freuden und die letzte Wunde empfangen , sein Herz zu unbändig werden und zu voll . Sein Durst nach Wissen und Wert , sein Stolz , der ihm bei dem Vater und seinen beiden Freunden in einem rühmlichen Lichte zu stehen gebot , trieben ihn in seine Laufbahn hinein . Mit allem ihm eignen Feuer warf er sich über die Jurisprudenz und machte keinen andern Weg mehr als den zwischen dem Hörsaale und dem Studierzimmer . Zu diesem Eifer zwang ihn ein eigentümlicher Trieb nach Komplettierung ; alles Unvollendete war ihm beinahe ein physischer Greuel ; ihn schmerzten defekte Sammlungen abgebrochene Monatsschriften - eingeschlafne Prozesse - Bibliotheken , weil er sie nie auslesen konnte - Leute , die als Akzessisten starben , oder in Bau-Planen , oder ohne ein abgeründetes Denksystem , oder als Gesellen , Tuchknappen und Schuhknechte - und sogar Augustis Flötenblasen , ders nur so beiher mittrieb . Es war dieselbe Stärke , womit er Psyches Flügelpferde den Zügel straff hielt und womit er ihm das Spornrad einstieß ; schon als Kind hatte er diese Stärke an der Zurückhaltung des Atems , oder am peinlichen Pressen einer wunden Stelle versucht - und beim Himmel ! figürlich tat er ja nun beides wieder . In ihm wohnte ein mächtiger Wille , der bloß zur Dienerschaft der Triebe sagte : es werde ! Ein solcher ist nicht der Stoizismus , welcher bloß über innere Missetäter oder Hämlinge oder Kriegsgefangene oder Kinder gebeut , sondern es ist jener genialisch-energische Geist , der die gesunden Wilden unsers Busens dingt und bändigt , und der königlicher zu sich , als der spanische Regent zu andern , sagt : Ich , der König ! - Ach freilich - wie konnte seine warme Seele anders ? - stand er oft in der Nachmitternacht am luftigen Fenster und schauete voll Tränen auf die weiße Madonna des ministerialischen Palastes , die der reine Mond versilberte . Ja am Tage zeichnete er oft in sein Souvenir ( zufällig wars ein Springbrunnen und eine Gestalt dahinter , weiter nichts ) - oder er las im Messias ( natürlich fuhr er in dem Gesange fort , den er schon bei der Ministerin angefangen ) - oder er belehrte sich über Nervenkrankheiten ( war er bei seinem Studieren dagegen gedeckt ? ) - oder er ließ das Feuer seiner Finger über die Saiten laufen - ja er hätte nichts als Rosen gepflückt , obwohl mit Dornen , wäre ihre Blütezeit gewesen . Und diese seufzende schwüle Seele mußte sich verschließen ! O er war schon in Sorge , jede Taste werde eine Schriftpunze , das Klavier ein Letternkasten und alle Handlungen verräterisch-leserliche Worte . Denn er mußte schweigen . Die erste junge Liebe hat wie die der Geschäftsleute ( die kursächsischen ausgenommen ) keine Sprachwerkzeuge , höchstens eine tragbare Schreibfeder mit Dinte . Nur die Weltleute , die ihre Liebeserklärungen ebenso wiederholen wie Schauspieler , sind imstande - und aus gleichen Gründen - , sie ebenso