Mittel zu helfen , und verbannte mich aus seiner Atmosphäre so weit ich konnte . Nun ward er , kraft der Vorrechte die ihm unsre ehmalige Vertraulichkeit gab , zudringlich , und weil die Gelegenheiten uns öffentlich zu sehen immer seltner wurden , suchte er mich sogar in meinem Hause auf , um mich mit dem ziemlich grobkörnigen Attischen , oder vielmehr Piräischen Salze112 seiner Sarkasmen tüchtig durchzureiben . Da dieß nicht anschlagen wollte , und er immer nur lachende Antworten von mir erhielt , kehrte er zuletzt die rauche Seite heraus , und machte mir ernsthafte und bittere Vorwürfe , als ob ich der Sokratischen Gesellschaft durch meine Lebensweise und Sybaritischen Sitten ( wie er zu sagen beliebte ) Schande machte . Einsmals kam er dazu , da ich eben für ein rothes Rebhuhn funfzig Drachmen bezahlt hatte , d.i. ungefähr so viel als er selbst in einem halben Jahre zu verzehren hat , und in der That etwas viel für ein Rebhuhn . - Schämst du dich nicht , schnarchte er mich in Gegenwart vieler Leute mit dem Ton und der Miene eines ergrimmten Pädotriben an , du , der für einen Freund des Sokrates angesehen seyn will , eine so große Summe für einen wenig Augenblicke dauernden Kitzel deines Gaumens auszugeben ? Ich merkte leicht daß er mich reizen wollte , um dem Volke , das in solchen Fällen immer Partei gegen den Fremden nimmt , eine Scene auf meine Kosten zu geben . Würdest du , sagte ich mit größter Gelassenheit , das Rebhuhn nicht selbst gekauft haben , wenn es nur einen Obolus kostete ? Das ist ganz ein anders , versetzte er . » Keineswegs , Anthisthenes ; mir sind funfzig Drachmen nicht mehr als dir ein Obolus . « - Die Zuhörer lachten ; ich ging davon , und seitdem sahen wir uns nicht wieder . Ich erzähle dir diese kleine Anekdote , schöne Lais , um dir einen deiner angenehmen Athenischen Tischfreunde wieder ins Gedächtniß zu rufen , und damit du dich nicht zu sehr verwunderst , wenn du etwa hören solltest , Aristipp von Cyrene und Sokrates seyen auf immer mit einander zerfallen , weil besagter Aristipp seinem Lehrer funfzig Drachmen , um welche dieser ihn angesprochen , rund abgeschlagen , und doch zu gleicher Zeit fünfhundert um ein rothes Rebhuhn ausgegeben habe . Hippias gedenkt in kurzem eine Reise nach Syrakus zu unternehmen , und macht mir den Antrag ihn dahin zu begleiten . Außerdem , daß ich eben nicht weiß was mich in Athen zurückhalten sollte , habe ich große Lust das Land zu sehen , wo meine Freundin Lais geboren wurde , und , was mir noch angelegner ist , bei dieser Gelegenheit vielleicht sie selbst in Korinth wiederzusehen . Der Antrag wird also vermuthlich angenommen werden . 33. Lais an Aristipp . Wiewohl ich nie so übel von meinem Freund Aristipp denken werde , um zu besorgen , daß er sich jemals ungerecht und undankbar gegen einen Sokrates zu zeigen fähig sey , so dünkt es mich doch hohe Zeit , daß du , mit oder ohne Hippias , je eher je lieber - nach Syrakus reisest . Vielleicht irre ich mich , aber ich glaube wirklich in deinem letzten Briefe hier und da Spuren von dem Einfluß , den dein neuer Freund auf deine Vorstellungsart gewinnt , wahrzunehmen . Die Anekdote hat mir den kleinen Triumph , den meine Reize zu Athen über die Runzeln des finstern Antisthenes erhielten , nicht ohne gerechten Stolz wieder ins Gedächtniß gebracht . Uebrigens , wie wenig Amönität der gute Mann auch in den Ton seines Tadels gelegt hat , kann ich ihm doch in der Hauptsache nicht ganz Unrecht geben ; und ich möchte dir wohl selbst rathen , wofern funfzig Drachmen der gewöhnliche Preis der rothen Rebhühner zu Athen sind , deinen Tisch nicht allzu oft mit einem so theuern Leckerbissen besetzen zu lassen . Denn , wenn dein übriger Aufwand mit diesem einzelnen Artikel in gehörigem Verhältniß stehen sollte , so möchten wohl die Einkünfte einer Persischen Satrapie nicht zureichen , deine Wirthschaft im Gange zu erhalten . Da ich schwerlich hoffen darf , dich in der nächsten Rosenzeit zu Aegina zu sehen , so ist es desto freundlicher von dir wenn du mich im Vorbeigehen durch einen Besuch in Korinth entschädigest . Ich denke nicht , daß Hippias zu viel dabei seyn wird , wiewohl ich dir für die Folgen der Erneuerung einer fünf Jahre unterbrochnen Bekanntschaft mit einem so liebenswürdigen Manne , wie du ihn beschreibst , nicht stehen will . Ueberlege also wohl , wie viel du etwa zu wagen gesonnen bist ; und vergiß auch nicht mit in den Anschlag zu bringen , daß meine eigenen Reizungen ( wie mich glaubwürdige Personen versichern ) noch immer in täglichem Zunehmen sind . Wir Schönen haben , wie du weißt , zuweilen gar wunderliche Launen . 34. Aristipp an Lais . Die gute Gesellschaft , die man gewöhnlich bei Hippias findet , hat sich seit kurzem um eine sehr interessante Person vermehrt . Sie nennt sich Timandra113 , und war die Gesellschafterin und Geliebte des schönen Alcibiades , in der letzten Zeit des herumirrenden Lebens dieses berüchtigten Abenteurers . Da ich so glücklich bin , eine Dame zu kennen , neben welcher jede andere erröthen würde , wenn man sie schön nennen wollte , so sage ich bloß , daß diese Timandra eine der liebenswürdigsten Personen ist , die ich noch gesehen habe ; und was sie in meinen Augen auch achtungswürdig macht , ist die Anhänglichkeit und Treue , mit welcher sie jenem im Guten und im Bösen unübertrefflichen Manne , auch im Unglück und bis in seinen Tod zugethan blieb . Die unaffectirte Wärme , womit sie noch jetzt von ihm spricht , scheint die Aufrichtigkeit der Trauer zu bestätigen , worin sie etliche Jahre nach seinem Tode in einsamer Verborgenheit zugebracht haben soll . Nun hat sie sich mit dem , was