auf die Schulter des kraftlos Zusammengebrochenen gelegt ... So stand er eine Weile voll stummberedsamen Antheils und rang mit den stürmenden Geistern , die aus ihm selbst hervorzubrechen drohten ... Zu Hülfe kam seiner Selbstbeherrschung ein Klopfen des Kammerdieners und die Meldung , daß angerichtet wäre ... Ein Frühstück ... auch das muß sein ... sagte der Graf und erhob sich ... Benno blickte auf die geöffnete Thür ablehnend ... Nein , nein ! ... Kommen Sie - ! sagte der Graf und führte Benno ... Der Kammerdiener hielt sich in ehrerbietiger Ferne und schien den Grafen , der ein Gemisch von Gutmüthigkeit und Phlegma bot , nicht im mindesten zu stören , denn im Gehen fuhr dieser fort : Sie ist auf ihrem Pferde , das sie behalten will , nach Wien ... Franz hat sie doch wol , wandte er sich zum Kammerdiener , zur rechten Zeit eingeholt ? ... Am Meilenstein schnitt er ihr den Weg ab ! sagte der Diener ... Franz war der Reitknecht von vorhin ... Obgleich Benno voranging , bemerkte er doch , daß der Kammerdiener hinter ihnen her den Strohhut ergriff und ihn auf dem Rücken haltend mit sich nahm , jedenfalls um aus dem Zimmer seines Herrn alle Erinnerungen an die abgeschlossene Vergangenheit zu entfernen ... Graf Hugo war in dem Grade der Selbstbeherrschung fähig , daß er trotz seiner Erregung im Gehen an einen zweiten Diener , der sie in einem zwei Zimmer weiter gelegenen kleinen Eßsaal empfing , die Frage richtete : Was ist das für eine Livree da draußen ? ... Diese Frage war mit einem Blick auf den Garten verbunden .... Erst jetzt bemerkte Benno , daß ein Wagen mit vier Pferden langsam durch den Park fuhr , mit zwei seltsam costümirten Bedienten auf dem Tritt und einem phantastisch gekleideten Mohren neben dem Kutscher ... Eine fremde Herrschaft aus Italien ist es ! sagte der Diener ... Eine Dame sitzt im Wagen ... Sie gehört zu den Reitern , die noch nicht lange vorbeikamen ... Ein junger Herr ist bei ihr , der ein schwarzes Pflaster an der Stirn trägt ... Principe Rucca - und - unsre Mutter ! ... sagte sich Benno und suchte sich zu halten ... Zum Tod erblaßt ergriff er den Sessel und ließ sich dem Grafen gegenüber nieder ... Der Wagen war verschwunden ... Nur das Knirschen seiner Räder hörte man noch im feuchten Kiese ... Ist Ihnen nicht wohl ? fragte der Graf , jetzt erst bemerkend , daß sein Gast kaum die Serviette zu ergreifen vermochte ... Es ist vorüber ... hauchte Benno mit äußerster Anstrengung sich bekämpfend ... Mein Gott ! Sie haben so lange gefastet ! entgegnete der Graf und rieth erst zu einem Glase Wein ... Benno lehnte alles ab ... Er ergriff den Löffel zur Suppe ... In Gegenwart der Diener ließ sich das begonnene Gespräch zwar nicht ganz wie vorhin fortsetzen , aber es blieb ernst ... Man sprach über Wien , Oesterreich , über diejenigen Eindrücke , die jedem Fremden zuerst aufstoßen müßten ... Der Graf schilderte die Lage der österreichischen Aristokratie als eben nicht beneidenswerth ... Wir leben , sagte er , nach den Ansprüchen , die unser Stand und die Gesellschaft mit sich bringen ; daher in einer fortwährenden Steigerung unserer Bedürfnisse . Unser Besitzthum verringert sich indeß an Werth ... Ich kann Ihnen die ersten Herrschaftsbesitzer nennen , denen ein einziges Reh in der Verwaltung ihrer Wälder durchschnittlich fünfhundert Gulden kostet und die von leidlicher Ordnung sprechen , wenn es um zehn Gulden an den Wildprethändler verkauft in der Rechnung steht ... Das ist die Incongruenz aller unsrer Lebensbeziehungen - ... Durch Castellungo gehörte auch der Graf Sardinien an ... Er forderte Benno auf , den Besuch Castellungo ' s nicht zu versäumen ... Die dabei unvermeidlichen Uebergänge des Gesprächs auf bezügliche Namen und schwebende Interessen , auch auf die Cardinäle Fefelotti und Ceccone , brachten das Gespräch auf Bonaventura ... Der Graf blickte nieder und ließ sich erzählen ... Man erwartet ihn ja wol auch hier ? ... fragte er mit einem Ton , der Benno auffallen durfte ... Gegen Ende des einem Diner vollkommen entsprechenden Mahles bemerkte man das längere Ausbleiben der Diener und eine lebhafte Bewegung in den Zimmern ... Im schnellsten Trabe wurde ein Reiter vom Garten her vernehmbar ... Die Diener blieben zuweilen beim Serviren wie angewurzelt an einer Stelle stehen , warfen sich bedeutsame Blicke zu und schienen sprechen zu wollen ... Wieder hörte man Hufschläge ... Alles ringsumher bekam einen Ausdruck von Unruhe und Störung der bisherigen Ordnung , ohne daß man Ausrufe oder auch nur laute Stimmen hörte ... Der Graf fragte endlich die am Büffet flüsternden Diener fast unwillig : Was gibt es denn ? ... Da die Diener nicht antworteten , wiederholte er seine Frage und legte schon erblassend die Serviette nieder ... Er schien einer üblen Botschaft gewärtig ... Franz ist zurück ... sagte der ältere Diener zögernd ... Der jüngere fügte zagend hinzu : Es hat - ein Unglück gegeben ... Der Graf erhob sich ... Seine Augen zuckten ... Daß es Angiolina war , die ein Unglück getroffen , verstand sich von selbst ... Die Diener sahen zum Fenster hinüber ... Was ist denn ? ! ... Ein Sturz vom Pferde ? ! ... rief der Graf oder wollte dies rufen ... Die kurze Frage kam nur noch halb von seinen Lippen ... Benno war in gleichem Entsetzen aufgesprungen ... Die Diener trugen dem Grafen einen Sessel nach ; er hatte zur Thür gehen wollen und war zusammengebrochen ... Verwundet doch - nur - ? rief Benno , zu seinem Herzen greifend , als bräche es auch ihm im Krampf ... Die Diener stockten und erklärten gleichzeitig und mit demselben Ton : Lebensgefährlich ! ... Sie ist todt - hauchte der Graf ... Ich weiß es ! setzte seine zitternde Stimme hinzu ... Seine Hände richteten sich wie die eines Irren gen Himmel ... Die Diener bestritten diese