- Der Jesuit ! - warf Benno ein ... En vacances ! lächelte der Graf ... Aber sagen Sie das hier ja zu Niemand anders , als zu mir ! Die hiesige Gesellschaft erklärt ihn für einen Abenteurer und Betrüger ... Verlassen Sie sich , die Jesuiten hatten ihn abgeschickt , mich katholisch zu machen ... Und er fing ' s sehr richtig an ... Wär ' ich ihm in allem gefolgt , so säß ' ich jetzt bei achtunddreißig Jahren mit beständigem Frieren und versucht ' es vielleicht , ob mich nicht ein Ordenshabit erwärmte ... Eine Frage im Vertrauen , Herr von Asselyn ! ... Ich hab ' gehört , Ihr Herr Oberprocurator Nück litte - - an einem curiosen Spleen - an der Hängemanie ... Ist das wahr ? ... Man sagt es ... bestätigte Benno ... Ich kannte einen dalmatinischen Schiffskapitän , der mich versicherte , das Hängen wäre der schönste Tod , man wüßte das ganz genau in der Türkei , wo die grüne Schnur zu Hause ist ... Und gerade ebenso wußte Terschka den allmäligen Untergang an Leib und Seele zu einem Genuß und einem Genuß ohne Gewissensbisse zu machen ... Daß er sich selbst dabei so erhalten hat , machte sein Mangel an Reue ... Nichts ruinirt mehr als die Reue , sagte er ... Terschka ' s Satz war : Betrachte jeden Menschen wie ein Glas , an dem man mit einem Instrument den Ton sucht , in dem es wiederklingt ! Den Ton forcire dann - bis es bricht ! ... So wußte er von Jedem seine innerste Natur zu entdecken , nach der setzte er sich mit ihm und kam auf die Art mit allen aus ... Bei mir stützte er sich auf Bagatellen - auf die Pferde ... In seiner Jugend muß er ein Kunstreiter gewesen sein ... Kurz , erst als Terschka sagte : Um Ihrer Frau Mutter willen müssen Sie anfangen , nicht so oft zu den Pötzls zu gehen - ging ich alle Tage hin ... Das Ende war , daß ich , als die Pflegemutter starb , Angiolinen vom Alten wegnahm , erst ihr Bruder und dann ihr Geliebter wurde ... Das ist manches Jahr her und ich kann wol sagen : Diese Liebe hat mich vom Untergang gerettet ! Angiolina wurde mein Schutzgeist ... Nicht etwa durch Moral , die hier nicht am Platze ist ... Im Gegentheil , sie konnte trotzen , ausschlagen , lügen , sich rächen , wie nur einer , der gereizt wird ... Doch es gab nur einen Menschen in der Welt , um den sie das alles that ... Der trug einen Helm mit Federn , einen blanken Harnisch , wenn er im Dienst war , und außer Dienst und auf Urlaub , wie jetzt , war er ein Kind , das einen ganzen Tag damit zubringen konnte , für sie Pappkästchen zu machen ... Benno warf in das Leben Blicke , wie er sie noch nicht gethan ... Er wagte , sich auf des Grafen Standpunkt zu stellen und sagte : Angiolina wird Ihnen - nach der Heirath - unverloren bleiben ... Nein ! entgegnete der Graf ... Ich habe die Absicht , wenn Comtesse Paula meine Gattin wird , sie in Wahrheit zu verdienen ... Glauben Sie mir , das Geschick meines Hauses , meines Namens , diese letzte Täuschung durch die Urkunde , die ich ohne einen furchtbaren Lärm für die Welt nicht abschütteln kann , erschüttern mich ... Ich war glücklich mit Angiolina , aber ich gefiel mir nicht in diesem Glück ... Sie war ein Weib mit allen Schönheiten und allen Untugenden ihres Geschlechts ... Großmüthig und rachsüchtig , offen und falsch , alles in Einem Herzen ... Zu ertragen war es nur von dem , der für sie die Welt war und - Zeit dazu hatte ... Es mußte aufhören ... Benno gedachte bei Schilderung seiner Schwester der gemeinsamen Vaternatur ... Diese Erfahrung mit Terschka , fuhr der Graf fort , hat mich aufgerüttelt ... Ich werde kein Kopfhänger werden und zu sprechen anfangen wie meine Mutter spricht ... Aber ich denke so : Hab ' ich die Mittel , die mich aus meiner traurigen , schon vom Vater geerbten Finanzlage befreien , so nehm ' ich meinen Abschied ... Ich werde bauen , pflanzen , für die Erhaltung meines fortblühenden Stammes sorgen ... Noch mehr , ich liebe Paula ... Sie lächeln ? ... In der That , ich blicke voll Andacht zu ihr hinüber ... Ich bin eifersüchtig - auf das Kloster , das sie wählen wollte , Herr von Asselyn ... Benno stutzte über die Betonung seines Namens . Sie war so scharf , daß sie fast Bonaventura zu gelten schien ... Ich sagte Angiolina : Du erhältst deinen Lebensunterhalt , wie es meinem Adoptivkinde gebührt ! Du ziehst zu deiner einzigen Freundin , die dir noch geblieben ist - einer gewissen Therese Kuchelmeister ... Diese will zur Bühne gehen ; sie wird reisen ... Störe meinen Entschluß nicht , der unwiderruflich ist ... Von der Stunde an , wo ich einen Boten erwarte , dessen Vorlagen ich unterschreiben muß , räumst du drüben den Pavillon ... Ich sagte ihr das täglich , wiederholte es seit drei Tagen stündlich ... Ich bat sie um Hülfe gegen mich selbst , bat sie um ihren Haß , ihre Verachtung - Sie warf sich vor mir nieder und umschlang meine Kniee ... Tödte mich ! rief sie noch im letzten Augenblick vor einer Stunde ... Erschieße mich ! ... Sie reichte mir eine Pistole , die sie heimlich geladen hatte und bei sich trug ... Ich entriß sie ihr ... Da rollte Ihr Wagen an und es war aus ... Ich kann es selbst in der Schilderung nicht zum zweiten mal erleben ... Benno hatte sich dem in den Sopha zurückgesunkenen , die Augen mit der Hand bedeckenden Grafen genähert ... Er hatte seine Hand , ob sie gleich selbst zitterte ,