es wie im Sturm dahingehen ... Wer sind denn diese Unverschämten ! rief der Graf mit ausbrechendem Zorn , sah sich nach dem Klingelzug um , nahm schnell wieder das Glas zurück und starrte hinaus ... Sie umringen sie ja mit Gewalt ! sprach er mit erstickter Stimme ... Sie will von ihnen los ... Benno nannte den Namen der Italienerin ... Offiziere der italienischen Garde ! ... setzte der Graf hinzu ... Graf Zerbelloni scheint ' s ... Marchese Melzi ... Zornfunkelnd sprühte des Grafen Auge ... Er sah sich um , wie nach Waffen ... Dann bekämpfte er sich und trat vom Fenster zurück ... Der Wald unten verbirgt sie ... sagte er ... Benno ergriff noch einmal das Glas ... Man sah nichts mehr ... Ich kann mich auch geirrt haben ... sprach jetzt der Graf erschöpft und glaubte den Beruhigungen , die Benno gab ... Nach einer Weile , in der Benno die wildesten Kämpfe des eigenen Herzens zu bestehen hatte , brach der Graf , anfangs mit nur leiser , allmälig aber lauter , weicher und wohlklingender Stimme , in die Worte aus : O mein bester Herr von Asselyn ! ... Was ist das doch für ein Menschenleben ! ... Terschka ' s Maxime , wenn der arme Teufel sich zuweilen so ängstlich umsah - ich habe für Terschka Mitleid - war die : Wir können zu jeder Stunde annehmen , daß alles , was wir unser tiefstes Geheimniß glauben , jedermann bekannt ist ... Lieben Sie à la Egmont ein Mädchen in der Vorstadt und glauben noch so unbemerkt zu sein , wenn Sie zu ihr gehen - man hat Sie doch gesehen ... So will ich auch gar keinen Anstand nehmen Ihnen zu bestätigen , was Sie ohne Zweifel selbst schon beobachteten , daß ich soeben die furchtbarste Scene meines Lebens durchgemacht habe ! ... Ayez pitié de moi ... Vous en dévinez la cause ... Damit sank Graf Hugo auf sein dunkles Kanapee nieder , legte einen Fuß auf die Polsterung und bot ein Bild der tiefsten Erschöpfung ... Er schwieg ... Die lange Verstellung rächte sich ... Seine Kraft war dahin ... Ganz leise flüsterte er allmälig , wie um Benno - zu zerstreuen : Das da ist mein Vater ! ... Als ich seinen Tod erfuhr , war ich noch ein Knabe ... Benno bat , sich nicht aufzuregen und sich um ihn keinen Zwang anzuthun ... Er schlug vor , daß er sich allein in den Park begeben oder anspannen lassen wollte ... Nein , nein ! sagte der Graf ... Nur das Geheimthun erschöpft ... Nun geht es schon ... Benno sah den ganzen Ausbruch der Liebe zu einem Wesen , das so wunderbar mit seinem eigenen Dasein verbunden war ... Ihm verhängte das Schicksal nichts Geringeres als dem Leidenden , der sich wenigstens aussprechen durfte ... Ich versichere Sie , fuhr der Graf fort , ich habe den heiligsten Willen , fest und standhaft zu bleiben ... Ich sagte soeben : Die Stunde ist gekommen , die über mein Leben entscheidet ! Ich gewinne die Hand einer Heiligen und kenne das Opfer , das mir und dem gemeinschaftlichen Namen gebracht wird - Wir müssen uns trennen ... Ich habe dich als halbes Zigeunerkind einst in Zara gefunden ... In Zara , wo ich die Pfeifen da kaufte und die Waffen an der Grenze erbeutete von Bosniern ... Ja , Baron , in Zara sah ich das kleine Mädchen hoch zu Rosse stehen ... Es war allerliebst ... Wenn das Kind durch die bunten Reifen , mit und ohne Sattel , gesprungen war und nur Ein Sprung war misglückt , so schüttelte sie den Kopf zu allen Beifallszeichen und rief : Niente ! Niente ! ... Es war eine italienische Truppe ... Benno wandte sein Auge ab , das sich mit Thränen füllte ... Die Unterhaltung in Zara , fuhr der Graf fort , dauerte vierzehn Tage ... Die Gesellschaft wollte abreisen und wir Offiziere hatten an dem Kind eine solche Freude , daß ich meinen Kameraden den Vorschlag machte : Kaufen wir ' s dem Führer ab ! Wir wollen ' s erziehen lassen ! ... Die Kameraden wollten nicht ... Da that ich ' s für mich allein ... Die Gesellschaft war klein ; der Director machte schlechte Geschäfte ... Er ließ mir Angiolinen für zweihundertfunfzig Gulden ... Oeffnet euch , ihr blauen Vorhänge des Himmels , daß ich meine Hände ausbreite zur Anklage eines Vaters , dessen Unthaten solche Opfer forderten ! ... So rief es in Benno ' s Innern ... Er konnte nur leise fragen : Wem gehörte das Kind ? ... Es war wild aufgewachsen , erzählte der Graf ... Der Director wird ' s gestohlen haben , wie diese Leute wol thun ... Später haben wir nachgeforscht und kamen bis ins Reich hinaus ... Eine italienische Familie , die am kasseler Hof bei der Oper mit der Feuerwerkerei beauftragt war , hatte das Kind bei sich ... War ' s ein Kind dieser Italiener , ich weiß es nicht ... Der Krieg hetzte damals alles durcheinander ... Angiolina war elf Jahre , als ich sie mitnahm und noch einmal taufen ließ ... Ich gab sie einem gewissen Pötzl in Wien zur Erziehung ... Nicht wegen seiner - sondern wegen der Frau , die eine gute Haut war ... Da ist das Mädchen erzogen worden ... Es war eine Pracht , wie sie heranwuchs , sich bildete und keinen gewöhnlichen Geist besaß ... Ich ließ ihr die Sprachen und etwas Musik beibringen ... Das alles hab ' ich im reinsten Sinn gethan ... Benno schwieg , von innigstem Herzen zustimmend ... Nachdem , fuhr der Graf sich selbst die Brust erleichternd fort , kam Terschka in meine Nähe ... Ich kann nicht sagen , ist ' s Zufall , weil das Mädchen damals die liebreizendste Erscheinung wurde , oder eine Folge der Eifersucht , weil Terschka ein Auge auf sie warf