Wagen fortzusetzen , während ich vielleicht schlafe , bemerkte Ackermann . Es wird zu finster . Gute Nacht , Frau Pfarrerin . Großer Stromer ! Dein Weib wischte sich erst die Hand ab , ehe sie die ihr von Ackermann gebotene annehmen konnte . Die Küche , die Mägde , die Hühner , die Eier , das Füttern , das Waschen , das Putzen ... und die Kinder ! Die Kinder ! Die Kinder ! Oleander sagte , daß morgen zeitig eingeholt werden müßte , was heute versäumt wäre . Selma antwortete nichts darauf . Sie schien zerstreut und noch nicht frei von den beklemmenden Gefühlen , die sie heute in Louis ' Nähe drückten . Siegberten , der einige freundliche Worte mit Ackermann gewechselt und von diesem eine herzliche Einladung zum Besuche im Ullagrunde erhalten hatte , verneigte sie sich flüchtig , aber mit einem jener wohlwollenden Blicke , die nur so im Vorüberstreifen hingeworfen an Frauen immer bezaubern müssen . Leidenfrost hatte einmal zu Siegbert diese Blicke , die auch Melanie sehr in der Gewalt hatte , wenn sie durch das Berg ' sche Atelier schwebte , pantheistische genannt und seine Bezeichnung so erklärt : Die Frauen wollen gewissermaßen mit diesen Blicken sagen : Freund , auch du bist liebenswürdig und ich würde dich gern nehmen , wenn ich nicht schon schwärmerisch liebte und bei unsern düstern monotheistischen Ideen nur Einen Gott und keinen Andern neben ihm haben dürfte ! Louis reichte dem Knecht das Päckchen hinauf , das er neben sich legte . Im Wagen war es ziemlich eng ; denn statt der kleinen Hedwig , die Ackermann zurückgebracht hatte , ging heute der mittelste Knabe mit , Waldemar , dessen Pathe der alte Fürst Waldemar von Hohenberg gewesen war . Alle zwei , drei Tage wechselte Selma unter den Kindern der Frau Pfarrerin ab , die noch an dem Wagenschlage stand und für die Liebe dieser guten Menschen dankte . Ackermann , der noch immer in einer gedrückten , nachdenklichen Stimmung blieb , schien froh , als sich endlich sein Gaul in Bewegung setzte . Fränzchen reichte voll Innigkeit und freudigen Dankes Louis noch die Hand , während der Wagen schon rollte . Louis und Siegbert mußten , da sie ihre Hüte in dem Pfarrhause gelassen , wieder zurück eintreten und Oleander mochte sie nun nicht weglassen . Sie wissen , was Sie mir gestern versprochen haben , sagte er zu Louis . Louis , dem es peinlich war , Murray aus seiner einsamen Ruhe aufzuschrecken , dachte sehr lebhaft daran , ob nicht Siegbert , er und Oleander den Abend zusammen zubringen könnten . Herr Oleander wollte die Güte haben , mir von seinen Gedichten vorzulesen ... bemerkte er mit fragendem Blicke nach Siegbert hin . Dieser erwiderte sogleich : Ein Dichter dem andern ! Wissen Sie , Herr Oleander , daß Louis die artigsten französischen Verse macht und ich sie zu übersetzen versuche ? Diese Nachricht erfreute den schwäbischen Vikar so , daß er nicht ruhte und die Freunde durchaus bei sich zu behalten erklärte . Frau Pfarrerin , Sie schicken uns einen Thee auf mein Zimmer , heizen ein und das gleich ! Erst hab ' ich noch einen kleinen Gang . Dann kommen Sie hinauf oder gehen Sie sogleich selbst und machen Sie sich ' s oben bequem ! Louis sagte , er zöge vor , erst auf das Schloß zu gehen und Sorge zu tragen für das Nachtlager seines Freundes . Siegbert bat , keine Umstände zu machen . Louis , der nur gern ein Wort mit Murray sprechen , den armen Verlassenen , Einsamen begrüßen wollte , hielt Siegberten zurück und ging mit Oleander , der eine Kranke , die Müllerin in der Mühle , besuchen wollte , hinaus in die inzwischen vollständig herabgesunkene Nacht . Wie trieb es Louis hinauf zu Murray ! Es lastete auf ihm wie eine Schuld der Lieblosigkeit . Er hatte ein Fest genossen , einen Freund gefunden , das Glück gehabt , Franziska glücklich zu machen und da oben sitzt in stiller Verlassenheit der freudlose , nur in sein Inneres blickende , wehmüthige , gewissenskranke Alte , der dies Erdenleben nur noch für eine letzte Prüfung ansah und alles Trauerbringende für seine Bestimmung ! Es trieb Louis , als hätte er ihm um den Hals fallen und diesen ganzen reichen , glücklichen Tag abbitten müssen . Auf dem Emporwege begegnete ihm Brigitte , mit der er rasch besprach , daß sie noch ein Zimmer zu öffnen , noch ein Bett zuzurichten hätte . Und ob das Fuhrwerk der Frau von Sänger die Nacht über versorgt wäre ? Alles Das fragte und bestellte er rasch hintereinander . Die Alte nickte und gab auf Jedes ihren höflichen Bescheid . Nur eine Bemerkung war ihm peinlich . Der Amtsvoigt Pfannenstiel wäre bei ihr gewesen und hätte nach dem alten Herrn oben gefragt , wäre auch selbst zu ihm gegangen und hätte ihn ersucht , der Ordnung wegen , seinen Namen und seinen Stand aufzuschreiben . So ! So ! sagte Louis und wollte seine Besorgniß verbergen . Das ist ja Alles in der Ordnung . Vergeßt das Bett nicht ! Nun erst hatte er recht Eile , zu Murray zu kommen . Er fand diesen wirklich in einiger Bewegung und begrüßte ihn sogleich mit den heftigsten Vorwürfen gegen sich selbst . Ich lasse Sie allein ! Verurtheilen Sie mich ! Ich bin ohne Aufmerksamkeit für meine Freunde ! Vergeben Sie mir ! Beruhigen Sie sich , lieber Louis , sagte Murray mit weicher Gelassenheit . Ich bin nie in Verlegenheit , mich mit mir selbst zu beschäftigen . Nur wenn ich grade sagen soll , was ich treibe , beunruhigt mich ' s. So vorhin , wo ich der Ortspolizei über Sie und mich , der Ordnung wegen , einen Nachtzettel habe ausfertigen müssen ... Über Sie und mich ? Wenn auch ich verdächtig erscheine , beruhigt mich diese Nachfrage . So sollte nur eine Förmlichkeit erfüllt