überwältigte ihn einen Augenblick ... Wer denkt sich nicht zuweilen eine That des Heroismus , die , im Urrecht des Genius begründet , alle Schranken der Rücksicht durchbricht , eine That , die die ordnende Weltseele ebenso gut wie jede andere wieder mit dem Hergebrachten würde zu vermitteln wissen ! ... Schon mußte er sich halten - wie jemand , der zu dicht an einen ungeahnten Abgrund gerathen und statt zu fallen , mit muthigem Entschluß den furchtbaren Sprung lieber selbst wagt ... Da hört er vom Garten her den Hufschlag eines Rosses ... Im regen- und nebelfeuchten Kiese der gleichmäßige Schritt eines Galoppirenden ... Jetzt schwenkte das Roß ... Es war das von vorhin im Schloßhofe ... Es schwenkte vom alten Gemäuer zur Rechten her und dahin über die sich abdachende Straße quer am Schlosse vorüber ... Darauf eine Reiterin ... Nur Angiolina konnte es sein ... Im dunkelwallenden Kleid saß sie hoch im Sattel ... Ja als sie an der Front der Schloßfenster vorüber mußte , schien sie aus dem Sattel sich zu erheben und sank wieder zurück ... Ein Hut mit blauem Schleier schlug hinten über und fiel ihr in den Nacken ... Ein schöner Kopf , todtenbleich , mit dunkelschwarzem Haar und lichtverklärt vom durchsichtigen Aether sich abzeichnend ... Das Roß wie im Fluge ... Die linke Hand hielt die Zügel , die rechte riß den Hut ganz vom Haupte ... Nun ragte die Gestalt schlank und lustig schwebend ... Die Hüfte zum Umspannen ... Benno suchte das Auge ... Das schien sie zuzudrücken ... Es war , als wollte sie nichts mehr von dieser Welt erkennen ... Immer weiter und weiter schlängelten sich die Windungen des Weges . Das Roß schwenkte ... Sie selbst schien wie von einer Schaukel gehoben ... Nun verlor sie sich hinter den Büschen ... Wieder tauchte sie auf ... Ein Bangen ergriff Benno bei dem immer mehr sich verlierenden , in den Büschen bald offenen , bald von ihnen gedeckten Anblick ... Wo raste sie so hin ? ... Oder - Wie ist das ? ... Kehrt sie zurück ? ... Ist sie nicht schon wieder in der Nähe ? ... Nein ... Neuer Rosseshuf erklingt ... Der Reiter sind aber mehrere ... Auch sie biegen von der Rechten her ums Schloß ... Eine Cavalcade ist ' s von mehreren Herren ... Eine Dame unter ihnen ... Olympia ! ... Dieselben Begleiter , wie gestern ... Dieselbe kleine Gestalt über und über heute in hellblauem Sammet ... Gelbe Seide die Verzierungen ... Ein schwarzer Chapeau-Mousquetaire im grellsten Geschmack des Südens mit Goldtressen geschmückt ... Phantastischer Carnevalsanblick ! ... Auch sie jagt dahin und erhebt sich ebenso beim Blick auf das Schloß ... Sie erkennt Benno ... Das Roß schwenkt ... Wild stieben die Reiter um sie her ... Eine neue Schwenkung ... Jetzt ist Olympia eingeschlossen von ihren Begleitern und auch sie verschwindet ... Benno stand besinnungslos ... Er sah die Wirkung - seiner Karte ... Ohne Zweifel hatte man seine Wohnung erfragt , seinen Ausflug erfahren , die Richtung erkundschaftet und war ihm gefolgt ... Wieder die Statue des Apollin - von einem Panther umkrallt ! So wirkte ihm diese Erfahrung ... So wild sich geliebt zu sehen - muß ja den Tod versüßen ... Da gingen die Thüren und der Diener kam eilends zu dem Besinnungslosen ... Eben kommen Seine Erlaucht ! sagte er ... Seine Worte erklangen wie der Ton der Erlösung und glücklichen Hoffnung ... Die Erscheinung , daß Herrschaften von Wien her oder der Umgegend die Durchfahrt durch den Park und an Schloß Salem vorüber benutzten , schien eine häufig vorkommende zu sein ... Der Diener achtete nicht darauf ... Schon im Vorzimmer sprach eine hellkräftige Stimme mit jener Fassung , die der Weltbildung geläufig ist , eine Entschuldigung für das lange Ausbleiben ... Graf Hugo trat ein ... Eine schöne männliche Erscheinung ... Am Ende der Dreißiger ... Hochgewachsen wie seine Mutter Erdmuthe ... Das Haar braun , lockig ; hie und da dünn an der Stirn und den Schläfen ; Lippen und Kinn trugen den Bart desto voller ... Die Augen blau ... Der erste Eindruck vor den Bewegungen der Höflichkeit und einer nur mühsam verborgenen Erregung unbestimmt und fast zu lebhaft ... Der Graf trug ein kurzes , militärisches , weißes Hauscollet mit einer leichten Paspoilirung von Rosaschnüren an der Brust , an den Achseln und Aermeln ; lange eng anliegende blaue Beinkleider , unten mit einem Besatz von glänzend lakirtem schwarzem Leder , das gegen Hausstiefel von bunter russischer Lederstickerei grell abstach ... In einer Sprechweise wienerischen Tonfalls entschuldigte er sich , daß ihn Geschäfte abgehalten hätten , sich in eine vollständigere Toilette zu werfen ... Alles das kam , als hätte er eben nur eine Abhaltung gehabt in seinen Ställen oder sonst bei einem Lieblingsgeschäft , das abgewartet werden mußte ... Der Uebergang zum Rauchen , das Nöthigen auf ein dunkel gestelltes , ganz in der Ecke hinter dem Schreibtisch befindliches Kanapee , alles war so leicht , so im Ton der harmlosesten Zuvorkommenheit , daß jeder andere nicht gemerkt haben würde , wie die Art , mit der er in die Kissen zurücksank und wie von seinen Wangen die leichte Röthe der ersten Begrüßung verschwand , doch die äußerste Erschöpfung nach einer aufregenden Scene ausdrückte ... Im forschenden Blick auf Benno der völligste Ausdruck der Unbefangenheit über dessen Beziehung zu Angiolina ... Und kein Stutzen etwa über irgendeine Aehnlichkeit ... Ungeordnet , abgerissen war alles , was der Graf von Benno ' s Aufträgen sprach ... Dieser sammelte sich selbst erst durch das Aufschließen seines Portefeuille ... Die Eindrücke stürmten zu mächtig auf ihn ein ... Die Verlegenheit des Grafen wurde von der seinigen übertroffen ... Herr Graf , begann er allmälig , da ich die Ehre habe - Frau Gräfin Mutter zu kennen und - den Bewohnern von Schloß Westerhof durch lange Jahre nahe stehe , so hab ' ich - bei Veranlassung einer Reise nach dem Süden