tobt und prasselt es durch die Luft , - eine einzige Salve aus neunhundert Feuerschlünden ! Drei steinschleudernde Fugassen entladen sich aus den kaum 30 Metres von dem Malachof noch entfernten Approchen und zermalmen die Brustwehren und Merlon ' s in dem ausspringenden Winkel der Bastion . Ein donnerndes » Vive l ' Empereur ! « jubelt durch den Geschützdonner und ein heftiges Kleingewehrfeuer von links und vorwärts zeigt den begonnenen Kampf . Durch die Vorstadt herauf kommt General Chruleff mit wenigen Adjutanten gesprengt und wirft sich vom Pferde . Meldungen jagen von allen Seiten herbei , Befehle fliegen davon . » General-Major Wassilkowitsch , nimm die Jäger Fürst-Warschau und das Brjanskische Regiment und hinauf mit ihnen zur Korniloffski-Bastion . Fürst Iwan Oczakoff , bringe Sabaschinski an der fünften Abtheilung den Befehl , der Thurm-Bastion4 zu Hilfe zu eilen . Fort mit Dir ! « Der junge Mann , erschrocken , willenlos vor dem plötzlichen Ausbruche der Gefahr , eilt , dem Befehle Folge zu leisten , davon . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Vor der bestimmten Stunde schon hat sich der Colonel Méricourt mit dem Medicin-Major Welland und dem polnischen Obersten im Hauptquartier eingefunden . Eine Wache von zwei Mann geleitet hinter ihnen den Zuaven Lebrigaud mit auf den Rücken gebundenen Händen und verlegenem trübseligem Gesicht . Die drei Männer sind ernst und gedankenvoll . Dem unangenehmen Verlust des Briefes ist am Morgen ein anderes seltsames Ereigniß gefolgt - der irre Jean ist aus der Cantine Nini ' s verschwunden , der Bursche , der sich sonst nicht ohne Begleitung fünfzig Schritt über die Baracken-Reihen des Regiment gewagt , ist nirgends zu finden und Nini untröstlich , denn die Pflicht ruft sie in die Reihen ihres Bataillons , und sie will heute durchaus nicht zurückbleiben - eine unbestimmte Ahnung treibt sie . Doctor Welland beschäftigt dies Verschwinden offenbar mehr , als der neue verdrießliche Verdacht , der auf ihm lastet . Er hat , so viel in der Eile sich thun ließ , die eifrigsten Nachfragen angestellt , ohne indeß auf eine Spur zu stoßen , außer daß unter den wenigen Sachen des Armem der russische Mantel fehlt , den er nach seinem eigenen Geständniß von dem jungen Fähnrich zurückbehalten . Zehn Mal treibt es ihn an , die seltsame Entdeckung , die ihm Fürst Iwan bei seiner Flucht zugeflüstert , den Inhalt des von Jussuf heimlich überbrachten Briefes , der ihm mit den dringendsten Worten ängstliche Sorge und Aufmerksamkeit für den Irren an ' s Herz legt , dem Colonel mitzutheilen . Zwar ahnt er nur die Hälfte des Geheimnisses , er weiß aus den Worten des Fürsten nur , daß Jean ihm nahe steht durch Bande des Blutes - er weiß zu wenig von den Geschwistern , um eine bestimmte Muthmaßung zu fassen , und seine vorsichtige Nachforschung bei Nini und ihrem Bruder ist an deren Schweigen gescheitert . Aber sein feierliches gegebenes Ehrenwort an den Fürsten bindet ihn und läßt ihn schweigen . Das Quartier des Generals , halb Zelt , halb Baracke , ist von Stabsoffizieren umgeben , Adjutanten kommen und gehen jeden Augenblick und die Pferde des Generalissimus stehen bereits gesattelt . Auf die Meldung , die der Colonel durch einen der arabischen Leibdiener Pelissier ' s hineinsendet , kommt jedoch alsbald der Befehl , in das innere Gemach zu treten . Der Colonel befiehlt Lebrigaud zu folgen , während der alte Pole zurück bleibt und sich mit den Offizieren des Generalstabs unterhält . In der Zelt-Abtheilung , die das Cabinet des Ober-Kommandirenden bildet , befindet sich , von dem zweiten Araber bedient , General Pelissier , mit dem Ankleiden beschäftigt , während General Martimprey , sein Stabschef , über einen großen Plan der Festungswerke gebengt , noch verschiedene Details mit ihm bespricht und ein Adjutant die Punkte notirt . Die Miene des Generals ist hart und finster , als er die Beiden eintreten sieht , aber offenbares und unangenehmes Erstaunen malt sich auf seinem Gesicht , als er hinter ihnen den Zuaven erblickt . Er tritt sogleich hastig auf sie zu . - » Was soll die Freiheit heißen , Colonel Méricourt , die Sie sich herausnehmen , diesen Burschen in mein Gemach zu bringen , während ich nur Sie und diesen Herrn da hierher befohlen habe ? « » Euer Excellenz wollen den Drang des Augenblicks entschuldigen , « erwidert ruhig der Vicomte , » ich wäre auch ohne den eingegangenen Befehl genöthigt gewesen , mich Ihnen vorzustellen . Dieser Mann hat sich diese Nacht im Trunk gerühmt , das Seil des unterseeischen Telegraphen bei Kamiesch durchschnitten zu haben . « » Da hätten wir ja den Thäter , « sagt General Martimprey . » So eben ist die Meldung von dem Unheil eingegangen , das der Bursche angestiftet . « » Zum Teufel mit dem Telegraphen ! « herrscht unwillig der General . » Die Anzeige hätte Zeit gehabt bis morgen , oder an den General der Brigade geschehen müssen . « » Euer Excellenz entschuldigen , ich hielt ihn hierher zu führen für meine Pflicht . Der Kerl hat anzudeuten gewagt , daß er den Telegraphen auf Euer Excellenz Befehl zerstört hat . « Das Gesicht des Ober-Feldherrn färbt sich dunkelroth bis unter die weißen Haare . Ein wüthender Fluch entschlüpft seinen Lippen , auf welche tief sich die Zähne pressen , sein funkelndes Auge fährt zornig bald auf den Colonel , bald auf den Zuaven . » Maudit soit le butoir ! Das hast Du gewagt , Schurke ? « Lebrigaud blickt halb trotzig , halb furchtsam auf . - » Gesagt kann ich ' s wohl haben , wenn ' s der Colonel einmal behauptet , « murrt er , » aber das ist kein Beweis , daß es wahr sein muß ! Ich weiß keine Sylbe davon und war betrunken . « General Pelissier