. Er führt einen geschmeidigen , anmuthigen , farbengrellen Pinsel . Es ist Lust und Leben in Dem , was er auf die Leinwand wirft . Was er auch malt , blenden , fesseln wird es immer . Befriedigen freilich kann es nur Die , die von Effekten gepackt sein wollen . Ich weiß nicht , ob Heinrichson in Rom bei den Kunstgenossen Glück machen wird . In Paris würde er ' s. Für Rom fürcht ' ich , daß man ihn oberflächlich und frivol nennt . Er wird sich aber Anerkennung verschaffen durch Witz , Satyre . Man wird Angst vor ihm haben , weil er treffende Urtheile schleudern kann . Genug , mein Freund , nehmen Sie noch ein seltnes Sprachtalent , Conversationston im Salon , vortreffliche Toilette , vornehme Empfehlungen hinzu und ich versichre Sie , er wird Helenen fesseln , für Egon entschädigen , eine Verbindung mit der Gräfin anknüpfen und Olga , dies junge , noch reine Gemüth , Olga , dieser Engel , soll jetzt schon Zeuge solcher elenden modernen Verirrungen werden , soll ... Sie sehen zu weit ! unterbrach Louis den trostbedürftigen Siegbert , der seine lebendigste Liebe für Olga nicht verbergen konnte . Ich kann nicht glauben , daß ein Weib , das einen Egon liebte und von ihm wieder geliebt wurde , so sehr das Bedürfniß eines zärtlichen Verhältnisses verrathen könnte , um diesen Tausch einzugehen . O , rief Siegbert , in mir erhebt sich Alles , Alles , um diesen Verdacht zu bekämpfen . Jede Fiber meines Herzens spricht für die Unmöglichkeit solcher Gesinnungslosigkeit des Herzens am Weibe überhaupt , und doch klingen mir die Worte im Ohre , die Dankmar einmal zu mir sprach : O Das sind die Frauen , die mit ihrem Herzen Alles möglich machen können , wie mit Handschuhen , die man wäscht , färbt , umkehrt , wie mit Polypen , die man aufschneidet , herumwendet und die dennoch leben , auch wenn der Bauch ihr Rücken , der Rücken ihr Bauch geworden ! Bitter , sehr bitter und gewiß oft wahr ! rief Louis erschreckend . Aber geben Sie diese trübe Vorstellung auf ! Hoffen Sie auf eine schönre Entwickelung des jungen Mädchens , das Ihnen so theuer ist ! Oder treten Sie mit Entschiedenheit bei der Fürstin auf ... Bei der Fürstin ? wiederholte Siegbert in einem Tone , der Louis bestimmte , fragender , als er sich sonst erlaubt hätte , auf seinen Freund zu blicken . Weshalb hab ' ich mich wol entschlossen , sagte Siegbert , das geistlose Gesicht jenes reichen Gutsbesitzers in Randhartingen zu malen ? Wissen Sie , daß ich von Schönau geflohen bin ! Die Fürstin ließ mich einen Besuch in dem kleinen Orte erwarten . Himmel ! rief Louis erschreckend . Wohl wußte sie über diesen Entschluß , fuhr Siegbert fort , den Mantel einer glaublichen Entschuldigung zu werfen . Sie sprach von einer Verwandten ihrer Mutter , die in der Nähe wohne , von Otto von Dystra ' s Verlangen , mich kennen zu lernen , doch mit den Vorwürfen , die sie mir über meine Flucht machte , verglichen , glaub ' ich fast , sie will sich selbst überzeugen , ob ich wirklich in Schönau bin oder nicht gar mit Olga und Helenen irgendwo schwärme ... So wünsch ' ich , sagte Louis lachend , sie kommt nach Schönau , findet Sie nicht und reist , wie es sich gebührt , ihrer Tochter nach Italien nach , einem Aufenthalt , an den sie nicht glauben will . Das Seltsamste , schreibt mir über diese Dinge mein Bruder Dankmar , das Seltsamste ist dabei , daß in diesen Frauenköpfen von den Lebenspflichten des Mannes so gut wie gar keine Vorstellung existirt . Der Weltbau kann in Trümmer gehen , wenn nur noch Platz zu ihrem Glücke übrig bleibt . So unersättlich sind diese Leidenschaften in der großen Welt , daß man zuletzt wirklich mit Wonne vor einem beschränkten Mädchen stehen bleibt , das noch Sternblümchen zerzupft und dabei fragt : Liebt er mich , liebt er mich nicht ? Mit diesen Worten schwenkten die beiden Freunde an der Eiche rechts zur Wiese hin , an deren Rande das Forsthaus vor ihnen lag . Es war schon dunkel geworden . Doch sah man unten kein Licht . Die Hunde bellten der Annäherung der Fremden entgegen . Heunisch wird zu Hause sein ! sagte Louis und beschleunigte die Schritte . Ich bin begierig , diese stille Liebe kennen zu lernen , sprach Siegbert erwartungsvoll und verschob seine Mittheilungen aus Dankmar ' s und Leidenfrost ' s Briefen auf den Abend , wo er mit Louis im Schlosse allein zu sein hoffte . Wir sind allein ! bestätigte Louis , nicht ohne Verlegenheit , wie er es mit Murray halten würde . Fränzchen hatte die Ankommenden trotz der Dämmerung erkannt und kam ihnen unter der Hausthür fragend entgegen . Siegbert freute sich an dem zarten , blühenden Mädchen und dem romantischen Aufenthalte . Der Wald , die Wiese , das Jägerhaus , die liebliche Bewohnerin schienen ihm zusammenzupassen wie ein Märchen von Grimm . Für ein Bild sehr romantisch , sagte Louis . In der Wirklichkeit ist es aber besser , daß Fränzchen in den Ullagrund zieht . Herr Ackermann ist einverstanden und erwartet Sie schon jetzt , schon für heute . Er ist in Plessen und nimmt Sie sogleich mit . Franziska sprach so laut ihre Freude aus , daß Heunisch , der eben mit der Pfeife aus der Hausthür trat , schon unter der Thür hörte , daß der neue Pächter eingewilligt hatte . Er dachte dabei mit Spekulation an den alten Sandrart und hatte seine vollkommenste Freude an diesem Ausgang . Jetzt aber rasch ! sagte Louis . Das Nöthigste trag ' ich selbst und das Übrige schaffen Sie nach , Herr Heunisch ! Da liegt schon vorläufig ein Bündel , warten Sie , ich lege meine Pfeife weg - Bleiben