Knesebeck erkannte jetzt in dem Sprecher denselben französischen Offizier , den er der Volkswut entrissen hatte . Es war Napoleons Oberstallmeister , Caulaincourt , Herzog von Vicenza . Caulaincourt hatte keine Ahnung davon gehabt , daß dieselbe Stadtautorität , der er an dem Vorfalle schuld gab und deren Verfolgung er in Berlin ( bei Savary ) beantragt hatte , genau derselbe Mann war , dessen rechtzeitigem Einschreiten er seine Rettung verdankte . Die Sache wurde beigelegt , auf Bestrafung der Schuldigen nicht weiter gedrungen und Knesebeck mit den verbindlichsten Worten entlassen . Einquartierungen und Truppendurchmärsche dauerten fort . Endlich kam Frieden , aber er entsprach nirgends im Lande den daran geknüpften Hoffnungen , und die Franzosen , anstatt die Mark zu verlassen , wurden nur innerhalb derselben disloziert . Um diese Dislozierungen für die Grafschaft Ruppin einzuleiten , wurde Knesebeck im August 1807 nach Liebenwalde geschickt , wo sich damals die Division Vilatte befand . Nachdem er die nötigen Notizen über Zahl und Gattung der unterzubringenden Truppen erhalten und dem französischen General die vollständigste Auskunft über die vorzunehmende Dislokation erteilt hatte , forderte Vilatte ihn auf , die Vorbereitungen zu dem nahe bevorstehenden Napoleonstage ( 15. August ) zu treffen . Knesebeck tat wie befohlen . Als er andern Tages meldete , daß alles angeordnet sei , lud ihn der General ein , in Liebenwalde zu bleiben und an der Feier teilzunehmen . » General « , erwiderte Knesebeck , » Sie haben zu befehlen ; wenn ich bleiben muß , so werd ' ich bleiben ; aber kein preußischer Offizier wird sich aus freien Stücken dazu entschließen , bei solchem Feste zugegen zu sein . « Ein prüfender Blick traf den Sprecher . Dann trat Vilatte an ihn heran und schüttelte ihm herzlich die Hand . Später , als das Generalkommando von Liebenwalde nach Ruppin hin verlegt worden war , entspann sich ein immer freundlicheres Verhältnis zwischen Knesebeck und dem französischen General . Vilatte war ein Ehrenmann , ein Soldat von ritterlichem Sinn . Dasselbe galt von seinem Adjutanten , dem Hauptmann Denoyer , einem Kreolen von Martinique , der im Hause Knesebecks eine Wohnung bezog und in liebenswürdiger Weise die Beziehungen zwischen diesem und dem General zu fördern wußte . Die Mußestunden , die der Dienst gönnte , wurden verplaudert ; man verweilte gern bei früheren Aktionen und fühlte sich doppelt zueinander hingezogen , als sich bei diesen Gesprächen herausstellte , daß man sich während der Rheinkampagne gegenüber gestanden und auf der Mainzer Schanze Kugeln miteinander gewechselt hatte . Mittlerweile wütete der Krieg in Spanien fort , wo im Juli 1808 die Kapitulation von Bailen eingetreten war . Knesebeck wußte davon , nicht aber Vilatte , der vielmehr umgekehrt von neuen Siegen und einem nahen Frieden träumte , mit Vorliebe von dem baldigen Abmarsch der französischen Truppen sprach und daran eine Einladung an Knesebeck knüpfte , ihn auf seinem » chateau « in der Umgegend von Nancy zu besuchen . Knesebeck erwiderte : » General , Sie werden uns bald verlassen , aber nicht um in die Heimat zu ziehen . Der Frieden ist ferner denn je . « » Sie irren , Knesebeck ; unsere Affären in Spanien stehen gut ; der Krieg geht auf die Neige . « » Ich bezweifle es , General . Darf ich mich offen zu Ihnen aussprechen ? « » Eh bien , parlez ! « » General , man hintergeht Sie . Die Bulletins Ihres Kaisers sind Täuschungen ; es geht nicht gut ; General Dupont hat bei Bailen kapituliert , 17000 Franzosen sind kriegsgefangen . « » Sind Sie dessen so sicher ? « » Ganz sicher . « » Eh bien , nous verrons . In acht Tagen sprechen wir weiter davon . « Die acht Tage verstrichen und brachten die einfache Bestätigung der Kapitulation . Vilatte geriet in die höchste Aufregung , ließ Knesebeck zu sich entbieten , schüttete ihm sein Herz aus über die endlosen Kriege , wiederholte aber dennoch seine Einladung . Beide Männer waren bewegt . Knesebeck antwortete endlich : » Ich nehme Ihre Einladung an , General ; ich werde kommen . Aber wenn wir uns wiedersehen , wird es in großer Gesellschaft sein . « Das war 1808 . Die französischen Truppen marschierten ab , aber nicht in die Heimat , vielmehr – nach Spanien . Fünf Jahre später , als auch für Preußen der Tag der Erlösung anbrach , jubelte Knesebeck . Er hoffte den großen Kampf mitkämpfen zu können , aber eine Kabinettsorder berief ihn als ständischen Kommissar nach Potsdam , wo ihm die Aufgabe zufiel , bei der Organisation der kurmärkischen Landwehr tätig zu sein . So blieb es ihm versagt , mit ins Feld zu rücken und an den Ehren jener großen Zeit unmittelbar teilzunehmen , bis endlich , im Jahre darauf , die Rückkehr Napoleons und das rasche Vorrücken der Preußen , um dem drohenden Stoße so früh wie möglich zu begegnen , ihm auch diesen Wunsch erfüllte . Er erhielt eine Kompanie im 6. kurmärkischen Landwehrregiment , marschierte mit nach Flandern und focht bei Ligny , Sombreffe und Wavre . So kam er auch nach Paris . Sein erster Gang war zu Vilatte , damals Chef der Gendarmerie der Hauptstadt . » Bon jour , Général ! da bin ich ; erkennen Sie mich wieder ? « – » Mon Dieu , Knesebeck , c ' est vous « , – und die alten Gegner und Freunde schüttelten sich die Hand . Knesebeck hatte sein Wort gelöst ; er war gekommen , aber » in großer Gesellschaft « , wie er prophezeit hatte . Weihnachten 1815 kehrte er heim , ererbte bald danach Löwenbruch und zog sich 1829 nach dem benachbarten Jühnsdorf zurück . Unter allen Tagen seines Lebens blieb ihm der Silvestertag 1807 der teuerste , wo die Stadt Ruppin ihm in festlicher Versammlung die Bürgerkrone überreicht hatte . Und in der Tat , mit freudigem Stolze mocht ' er sich der Worte erinnern ,