Geliebten sprechen dürfe ? Louis schüttelte den Kopf . Dies verlegene Schweigen erinnerte Siegbert so lebhaft an Das , was in seiner eignen Brust verschlossen lebte , daß er trüben Blickes über die welken Blätter hinausschaute und nach einer Weile , wie für sich selber , sagte : Die erschlossene Knospe ist das Geständniß der Liebe ! Nicht zu spät komm ' es , aber auch nicht zu früh ! Und wieder nach einer Weile sagte er : Wissen Sie , daß Helene d ' Azimont nach Italien ist ? Ich erfuhr es . Aber erstaunen werden Sie , wer sie begleitet ... Die junge Tochter der Fürstin Wäsämskoi ... Olga ... Louis schwieg . Er hatte von Egon gehört , daß Siegbert Wildungen im Hause der Schwester Helenen ' s geliebt wurde ... Was denken Sie von einer solchen Schule des jungen Mädchens ? sagte Siegbert bewegt . Ich läugne nicht , daß Olga , von den ersten Regungen ihres jungen Herzens irre geführt , mir Beweise mehr kindlicher , als denkend empfindender Liebe gegeben hat ... Die Eifersucht auf die Mutter hatte die Flamme genährt ... sagte Louis zurückhaltend . Auch Das ist der Welt bekannt ? rief Siegbert mit schmerzlicher Erregung . Alle , Alle sahen es . Nur ich Thor war verblendet und wiegte mich , dem trägen , schlummernden Goldkäfer gleich , in dem Kelche der Blumen . Wie bereu ' ich diese glücklichen Tage ! Wie viel qualvolle Stunden werden ihnen folgen ! Unerklärlich ist , wie Olga entfliehen konnte ! Doch nicht ! sagte Siegbert . Rudhard hatte mit Gewalt beschlossen , mit ihr und den andern Kindern zu reisen . Noch hör ' ich , daß ein von ihrem Vater ihr bestimmter Verlobter eingetroffen sein soll . Es blieb ihr nur die Wahl , entweder mit Rudhard zu reisen oder sich mit Otto von Dystra zu verloben . Otto von Dystra ? sagte Louis überrascht . Ein russischer Diplomat ? Aus Amerika ? Ganz recht . Ein Freund Ackermann ' s , ein Bekannter ... Fast hätte Louis Murray ' s Namen , den er doch verschweigen wollte , ausgesprochen . Wie sie Alle bestätigen werden , fuhr Siegbert fort , ein Mann , der nicht ohne Bedeutung sein soll . Ein Sonderling ! Unstät - Reisender ! Überdies häßlich ... Menschen von Geist sind nicht häßlich . Einer solchen Verbindung könnten Sie das Wort reden ? Rudhard verschwieg mir nichts von den Wunderlichkeiten dieses Mannes ; doch mußte er ihn einen Philosophen nennen und gestand mir , daß grade eine solche Natur im Stande sein würde , Olga ' s Erziehung zu vollenden . Nein ! Nein ! Abscheuliche Sklaverei ! Erziehung in der Ehe ! Philosophie , wo das Herz glücklich sein will ! Wie lob ' ich das entschlossene Mädchen , daß es den Muth hatte , zu entfliehen und das Herz zu retten , in dem Siegbert Wildungen ' s Bild lebt ! Sie brauchen fast dieselben Worte , lieber Louis , sagte Siegbert lächelnd , wie sie selbst ... Sie schreibt Ihnen ? Aus der ersten Stadt , wo sie rastete . Es sind die lyrischen Ergüsse eines schwärmerischen Mädchens , das durch die Welt reist , um sie mit ihren Idealen zu vergleichen . Ich würde diese Wendung mit Freuden verfolgen , wenn nicht auch Helene von Olga mit leidenschaftlicher Liebe angebetet würde . O nur Helene weiß zu lieben , schreibt sie mir . Helene ist die Liebe selbst . Die himmlische , die in diese abscheuliche Erde nicht paßt ! Egon ist einer von diesen herzlosen Göttern der Erde , die Menschenopfer verlangen . Er ist kein Teufel und kein überirdischer Gott , er ist nicht ganz böse und nicht ganz gut , nur er selbst ist er , der Schatten seines Schattens , das Echo seines Echos , einer der herzlosen Dämonen , die Alles wegzuspötteln , wegzulächeln wissen und an Wahrheit erst glauben , wenn einmal ein betrogenes Weib den Dolch erhebt und sie für die Lüge ihres Geistes den Stahl einer wirklichen Rache empfinden läßt ! Ums Himmelswillen , rief Louis lachend , Das ist ja ein Plagiat ! Das sind Worte , die Olga Helenen nachschreibt und Helene hat sie von der Phädra oder sonst einer wilden Heroine aus dem Théâtre Français ! Ich würde lachen , wie Sie , Louis , bemerkte Siegbert , wenn nicht diese Stylübungen eine neue Wendung erhielten durch den Trost , den Helene d ' Azimont finden wird , suchen muß . Leidenfrost schreibt mir , daß der Maler Heinrichson , Sie kennen den schönen , allen Frauen gefährlichen Mann , nach Rom ginge , wie man sagte , um sich dort mit Gräfin Helene d ' Azimont ein Zusammentreffen zu geben . Verläumdung ! rief Louis . Befürchten Sie Das nicht ! Die Gräfin war leichtsinnig , als sie keinen Mann gefunden , der der Liebe einer Frau würdig war . Sie fand aber Egon . Trotz der Schmerzen , die mit diesem ihrem Glücke andern Menschen bereitet wurden , versichre ich Sie , daß nach der Liebe eines solchen Mannes Helene nicht im Stande ist , Gefallen zu finden an einem so glatten Dandy , einer solchen geleckten Eleganz . Sie irren sich , Louis ! Heinrichson besitzt Esprit . Er weiß mit den Worten Fangball zu spielen und besitzt jene blasirte Kälte , die , mit Geist und schöner Figur verbunden , allen Weibern gefällt . Dazu ist er Maler . Ich erkenne an mir selbst , wieviel wir bei dem Glücke , das wir in der Welt machen - abscheulich ; ich spreche wie ein Don Juan - Fahren Sie fort ! Ich kenne die Maler . Ich war in Paris täglich mit ihnen in Verbindung . Ich weiß , was sie ihrer Kunst zu verdanken haben . Nun gut . Auch diesem Heinrichson fließen alle Vortheile seines Talentes zu . Dabei kann man nicht umhin , sein Talent anzuerkennen