herannahenden Sturz der preußischen Monarchie . Dieser eine Gedanke beschäftigte ihn Tag und Nacht und quälte ihn zuletzt bis zum Unerträglichen . Er wollte das Unwetter sich nicht entladen sehen und – erschoß sich in bloßer Vorahnung dessen , was kommen würde , nachdem er zuvor die Angelegenheiten seines Hauses mit philosophischer Ruhe geordnet hatte . Von den Gröbens kam das Gut an die Knesebecks . Diese besitzen es noch . Der erste von ihnen , der sich hier heimisch einrichtete , war Friedrich Wilhelm Ludwig von dem Knesebeck , Halbbruder des Feldmarschalls . Von diesem Friedrich Wilhelm Ludwig von dem Knesebeck gedenk ' ich zu erzählen . Sein Leben erscheint zwar als eine bloße Skizze neben dem farbenreichen Bilde seines berühmten Bruders , es bedarf indessen keines langen Suchens und Forschens , um wahrzunehmen , daß beide Brüder Zweige desselben Stammes waren . Sie wirkten in verschiedenen Kreisen : der eine in der beschränkten Sphäre einer kleinen Stadt , der andere in dem weitgezogenen Kreise des staatlichen Lebens : aber der Pulsschlag beider war derselbe , und wie verschieden auch ihr Leben sich gestaltete , an Mannesmut und adliger Gesinnung , an Vaterlandsliebe , Gemeinsinn und Opferfreudigkeit standen sich beide gleich . Beide – märkische Edelleute von Kopf bis zu Fuß . Nur gesellte der ältere Bruder zu dem ihnen im Charakter Gemeinsamen auch noch hohe Gaben des Geistes und das schuf einen Unterschied . Der kühne Kopf , der den Gedanken gebären konnte : den unbesiegbaren Imperator durch die bloße Macht des Raumes , d.h. durch Rußland zu vernichten , stand so hoch , daß er die Nebenbuhlerschaft eines andern Geistes nicht so leicht zu fürchten hatte . Die Talente waren verschieden . Friedrich Wilhelm Ludwig von dem Knesebeck wurde den 29. März 1775 zu Karwe geboren . Er trat als Leutnant in das zu Ruppin garnisonierende Regiment Prinz Ferdinand ein und machte als solcher die Rheinkampagne mit . Ein Duell und eine Verwundung , die er empfing , veranlaßten ihn im Jahre 1800 seinen Abschied zu nehmen . Ruppin war ihm lieb geworden und er verblieb als Bürger in einem städtischen Kreise , darin er als Offizier eine Reihe glücklicher Jahre verlebt hatte . So kamen die Tage von Jena und Auerstedt ; unsere Truppen , so viel oder so wenig ihrer noch waren , retteten sich über die Oder und das Land lag offen und widerstandslos vor dem nachrückenden Feinde da . Am Tage Allerheiligen traf in Ruppin die Nachricht ein , daß die Franzosen im Anzuge seien . Was tun ? Wer hatte den Mut und die Fähigkeit , die Stadt zu vertreten ? Eine Wahl war bald getroffen , wo nur einer gewählt werden konnte . Alle Stimmen vereinigten sich auf Knesebeck ; man gab ihm eine Art diktatorischer Gewalt und vertraute das Wohl der Stadt seiner Geschicklichkeit und dem Glück seiner Hand . Der Abend dämmerte und Pistolenschüsse verkündeten die Nähe französischer Chasseurs . Knesebeck ging ihnen entgegen . » Qui vive ? « » Un citoyen du bourg « , antwortete Knesebeck und verlangte den kommandierenden Offizier zu sprechen . Dies war ein Marquis de Custine . Knesebeck eröffnete ihm , daß die Stadt offen , ohne Besatzung und arm , trotz ihrer Armut aber zu einem » douceur « bereit sei . Das wirkte . » Ah , Monsieur sait bien comment traiter avec les soldats « , erwiderte der Marquis lächelnd mit befriedigtem Gesicht und man einigte sich alsbald über 100 Louisdor . Die Franzosen zogen ein und die Summe wurde gezahlt . War auf diese Weise Plünderung und Gewalttat glücklich abgewandt , so sicherte Knesebecks Geistesgegenwart wenige Wochen später die Stadt vor einer noch drohenderen Gefahr . Das Gerücht hatte sich verbreitet : » die Franzosen seien geschlagen worden « und siehe da , den guten Ruppinern begann der Kamm zu schwellen . Detachements französischer Truppen , darunter auch Personen von Rang , passierten gelegentlich die Stadt ; warum sollte man sie ruhig und ungehindert ziehen lassen ? waren es nicht Feinde ? So beschloß man denn , den » kleinen Krieg « zu organisieren und wegzufangen , was wegzufangen sei . Die Sache war gut gemeint , aber sie hatte mehr Herz als Verstand und kaum daß solche Pläne in den Köpfen der Menge spukten , als sich auch schon Gelegenheit bot , sie auszuführen . Bei leisem Schneegestöber kam Anfang Dezember ein Schlitten durch ' s Tor , dessen Insasse sich – trotz des weiten Mantels , der ihn verhüllte – leicht als ein höherer französischer Offizier erkennen ließ . Da hatte man wen im Garn ! Und mit Geschrei drang ein Dutzend Bürger , von allerlei Volk unterstützt , auf den Unbekannten ein , zunächst um ihn zu insultieren , vielleicht auch um ihn niederzuschlagen , wenn er Widerstand versuchen sollte . Knesebeck eilte herzu , stellte den Angreifenden das Unedle , ja das Gefährliche ihrer Handlungsweise vor und trieb den Haufen auseinander . Der Offizier aber setzte seine Reise fort . Alles schien vergessen , als etwa drei oder vier Tage später Knesebeck in den Gasthof zur Krone gerufen wurde . Ein eben von Berlin her eingetroffener französischer Gendarmerieoberst – ein Abgesandter Savarys , in dessen Händen damals die oberste Polizeileitung war – trat ihm in brüsker Weise entgegen und machte ihn verantwortlich für die Insulten , die sich die Stadt gegen einen französischen Offizier erlaubt habe . » Ich werde Sie füsilieren lassen . « Knesebeck erwiderte kalt : » contre la force il n ' y a point de résistance . « Der Oberst , 41 durch die Ruhe dieser Entgegnung einigermaßen dekontenanziert , fuhr eben mit neuen und immer heftiger werdenden Schmähungen heraus , als eine dritte Gestalt , die bis dahin halb verborgen in der Fensternische gestanden hatte , zu den Streitenden herantrat und dem lärmenden Offizier zurief : » Taisez vous ! cet homme a agi comme chevalier ; il n ' y a rien à lui reprocher . «