verschlossenes Briefchen an die Braut : Es schloß mit den Worten : » Ich hoffe , diesen Brief heut abend auf die Post in Berlin zu geben . « Nun taten wir es . Abends am 24. aber sang man im Theater die Siegeskantate , die Gubitz am Tage vorher gedichtet und Himmel , als er seinen Rausch ausgeschlafen , in eine vortreffliche Musik gesetzt hatte . Löwenbruch Löwenbruch » Wie heißt Er ? « Knesebeck . » Was ist sein Vater gewesen ? « Leutnant in Ew . Majestät Garde . » Ah , der Knesebeck . « Eine Meile hinter Groß-Beeren , seine hochgelegenen fruchtbaren Äcker an einem Stücke Bruchland entlang ziehend , liegt das Dorf Löwenbruch . Wir finden hier , durch die Jahrhunderte hindurch , eine Reihenfolge guter Namen : die von Thümen , von Otterstedt , von Boytin , von Alvensleben , von Gröben und von dem Knesebeck . Die Boytins ( ein ausgestorbenes Geschlecht ) haben auf dem Kirchhofe noch ein paar große Grabsteine mit allerhand Figuren und Inschriften , die freilich unter der Kruste von Moos und Flechten kaum noch zu entziffern sind . Eins dieser Gräber ist leer geblieben . Mit Schaudern erzählte mir der Küster des Dorfes , wie er , eines Abends über die Grabsteine hinschreitend , den einen Stein unter seinen Füßen nachgehen und sich selber in die leere Gruft versinken fühlte . Er kam indessen mit dem bloßen Schrecken davon . Von den Alvenslebens , die ihren Gutsanteil im Jahre 1749 an die Gröbens verkauften , findet sich noch dies und das . Es existiert unter anderm das jetzt wirtschaftlichen Zwecken dienende Haus , das sie bewohnten , ein schlichter Fachwerkbau , der am besten zeigt , wie gering wenigstens nach dieser Seite hin die Ansprüche waren , die der märkische Adel vor hundert Jahren noch erhob . Jeder wohlhabende Bauer wohnt jetzt besser . Es scheint , man legte damals Gewicht auf andres , auch auf andere Äußerlichkeiten , und ein höchst interessantes Sofa , das sich in den Damenzimmern des jetzigen Herrenhauses vorfindet , übernimmt den Beweis dafür . Als vor einem Vierteljahrhundert das Alvenslebensche Fachwerkhaus ausgebessert werden sollte , fand man auf einem der spinnwebverhangenen Böden einen alten Deckelkasten , der sich alsbald als eine Truhe zu erkennen gab . Dieser Fund erschien anfangs gleichgültig genug ; nachdem man indes den Kasten ans Licht gebracht und von der Verstaubung eines Jahrhunderts gesäubert hatte , gewahrte man ein wahres Prachtstück , das es mit den allermodernsten Weißzeugspinden unserer Möbelmagazine kühnlich aufnehmen dürfte . Die Vorderseite des Kastens war in vier Felder geteilt und jedes Feld bestand aus allerhand buntem , reich vergoldetem Schnitzwerk , in dessen Mitte sich ein sorglich gemaltes Wappenbild zeigte . Es waren die vier Wappen der Alvensleben , Redern , Bredow und Hake . Der gegenwärtige Besitzer Löwenbruchs wußte diesen Fund aufs glücklichste zu benutzen . Er ließ von geschickter Hand , die das Schnitzwerk der Truhe zum Muster nahm , eine Rückenlehne anfertigen , schmückte diese Lehne mit seinem eigenen Wappen und erzielte dadurch ein Sofa , das nach Erscheinung und Entstehungsgeschichte nicht leicht ein Seitenstück finden wird . Und was ist der Schluß , den ich daraus ziehe ? Die Alvenslebens hatten ein schlichtes Haus , aber eine reiche , adlige Truhe und der Inhalt derselben blieb mutmaßlich hinter dem vergoldeten Schnitzwerk nicht zurück . Ihren Reichtum bekundet auch die schön geschnitzte Kanzel , die Achatz von Alvensleben der Löwenbrucher Kirche zum Geschenk machte . Die Gröbens führen uns bis in dies Jahrhundert hinein . Die letzten dieser Familie , die Löwenbruch besaßen , waren zwei Brüder , die ohne männliche Deszendenz verstarben . Der jüngere von beiden , der unter Friedrich dem Großen Rittmeister im Regiment Gensdarmes gewesen war , war der eigentliche Besitzer . Er tat viel zur Hebung des Guts , baute das jetzige Herrenhaus , starb aber früher als sein älterer Bruder , dem nun , da keine Kinder da waren , die schöne Besitzung zufiel . Dieser Bruder war ein Original , gescheit , tapfer , nüchtern und phantastisch zugleich . Er war Major bei den » gelben Reitern « gewesen , die damals in Zehdenick standen , hatte jedoch den Dienst quittiert , teils seiner schweren Blessuren , insonderheit aber seiner Studien halber , denen er sich ruhiger und ausschließlicher widmen wollte . Er studierte Kant und korrespondierte mit ihm . 1800 übernahm er Löwenbruch . Er war die absolute Bedürfnislosigkeit , eine völlig auf das Geistige gestellte Natur , und unsere Tage des Materialismus würden ihm schwerlich gefallen haben . Er trug jahraus jahrein einen Leinwandanzug ( auch der alte Zieten in Wustrau war so gekleidet ) , den er nur ablegte , wenn er sich auf Besuch nach Berlin begab . Dies geschah alle Jahre einmal und zwar auf vier Wochen . Er stieg dann in Krauses Kaffeehaus ab , dem jetzigen Hotel de Brandebourg , und verbrachte die ganze Zeit mit Konversation und Schachspiel . Nach dieser Berührung mit der Welt , zu der er sich eigentlich immer nur entschloß , um sein großes Geschick im Schachspiel nicht einrosten zu lassen , begab er sich wieder in seine Einsamkeit zurück , um sich an Büchern und – Wasser aufs neue zu stählen . Er war ein Vorläufer der Hydropathie . Personen , die ihn noch gekannt haben , sagen aus , daß er sich in Wasser , incredibile dictu , berauscht habe . Vielleicht nahm man gewisse Exzentrizitäten für Rausch . Er hatte eine trunkene Seele . Auch eine Mischung von Donquichotterie und Eulenspiegelei ließ sich an ihm wahrnehmen . Als er vom Ausbruch des Krieges hörte , befahl er den Turm abzutragen , damit das Dorf von vorüberziehenden Kriegsscharen nicht bemerkt werden möge . Mit leidenschaftlichem Eifer verfolgte er die Napoleonischen Kriegs- und Siegeszüge . Als der Krieg von 1805 begann , der mit dem Tage von Austerlitz endigte , sagte er den Ausgang des Kampfes vorher , auch den