von Schnuphase ... Benno mochte nicht lesen ... Als sie beide wieder allein waren , nahm der Chorherr die Gedankenreihen , die ihn so tief erschütterten , wieder auf ... Unsere gegenwärtigen Regenten - sind gegen die Jesuiten ... Regenten wollen keine Theilung ihrer Herrschaft ... Aber die Strömung ist zu groß ... Sie kommt zu stark und von hoch oben ... Immer größer wird die Zahl der mittelalterlichen Fanatiker , die mit feierlicher Salbung das ausführen , was Gentz nur vom Standpunkt der bloßen Staatsraison leicht und heiter hinwarf ... Damit das germanische Element in Deutschland nicht ganz an Preußen übergeht , muß der Protestantismus in sich selbst verwirrt , verdunkelt und zum Bundsgenossen Roms gemacht werden ... Alle Richtungen , die im Denken und Empfinden der Zeit irgendeine Verbindung mit dem Mittelalter zulassen , sollen von jetzt an nur noch allein gepflegt und ausgezeichnet werden ... Ich habe das Gefühl einer bangen Zukunft ... Der sich natürlich aufdrängende Gedanke an den großen Staatskanzler bestimmte Benno , den Brief Schnuphase ' s zu erbrechen ... Er las : » Hochwohldieselben nicht zu Hause getroffen , zu haben beklage schmerzlichst , bitte inständigst , jedoch Hochdero ergebensten Diener in dieser großen Stadt nicht verlassen zu wollen , sondern , ihm hülfeflehend die Ehre zu geben für übermorgen anberaumter Hoher Audienz bei seiner Durchlauchtigsten Staatskanzler Hochdero ergebensten Diener begleiten zu wollen , da meine Angst vor den vorhabenden Mittheilungen alles , übersteigt was in solcher Lage jemals , empfunden zu haben entsinnen kann . Adresse : Pelikan & amp ; Tuckmandl , Currentgasse . Hochdero gehorsamst Schnuphase , Stadtrath . In Eile . « Benno zerriß den Brief , warf ihn in einen Papierkorb und schwieg von dem Inhalt ... Feierlich zündete der Chorherr eine Kerze an und sagte : Briefe , die man nicht aufbewahren will , muß man verbrennen ... Eine lange Pause , während der er feierlich die Stückchen Papier verbrannte ... Rauchen Sie eine Cigarre ! sagte er dann mit weicher Stimme ... Sie sind jung ! ... Und kommen Sie nicht zu spät zurück ... Benno drückte dem Gehenden die Hand ... Es war ihm bei dem trefflichen Mann so wohl , als wäre er beim Onkel in der Dechanei ... Auf eine seiner Visitenkarten schrieb er in italienischer Sprache : » - bedauert , für heute verhindert zu sein , persönlich nach dem Befinden Sr. Hoheit zu fragen « ... Es waren diese Worte für den Principe Rucca bestimmt ... Buchstaben , die sich von seinem Herzen , von seiner Hand langsam losrangen , wie ein Fürst die Bestätigung eines Todesurtheils schreiben mag ... Dann nahm er die ihm von Nück übergebenen Papiere , schloß sie in ein größeres Portefeuille , nahm einen warmen Oberrock , verließ sein Zimmer und bestieg den kleinen Wagen , der am Hause hielt ... Am Palast des römischen Botschafters fuhr er vorüber , wie vor einem geheimnißvollen Cocon , in den sich eine Raupe gehüllt hat , die ihm zum bunten Schmetterling werden sollte ... Am Palatinus hielt er ... Die Vorhänge an den Fenstern des ersten Stocks hingen noch hernieder ... Einen Troß von Menschen sah er wieder im Portal stehen ... Wieder den Mohren des Prinzen Rucca ... Benno übergab aus dem Wagen dem Portier seine Karte ... Die Hand zuckte . Er erschien sich jener Apollin , an den Olympia als Kind hinaufsprang , um ihn zu zertrümmern ... Eine heiße Glut durchloderte ihn , wenn er dachte : Sie erwartet dich um elf Uhr in den Zimmern ihres Verlobten , findet deine Karte , auch die Mutter nimmt diese in die Hand , liest deinen Namen - Ceccone kommt hinzu - Du wirst in Kreise gezogen , wo die Verführung dich umgaukelt , wo jeder Schritt für dein Herz und dein Urtheil zur Fußangel werden kann ! ... Wirst du in solcher Lage , mit allen aus ihr entspringenden Verbindlichkeiten der Verstellung ausharren können ? ... Da war es ihm , als riefe es um ihn her : Fliehe ! Jetzt ! Jetzt ! Noch ist es Zeit ! ... Das Rößlein schwenkte ... Munterer sprang es dahin in eine ruhigere Seitenstraße ... In der Nähe eines seltsam gebauten Hauses , dessen Fenster den Schießscharten von Kasematten glichen und die doch einem Franciscanerkloster angehörten , wie der Kutscher erläuterte , lag ein altes Haus , am Portal mit dem Bild eines Heiligen und einer ewigen Lampe ... Er fragte nach der Currentgasse ... Die lag in einem andern Theil der Stadt ... Wie werth war ihm die Erinnerung an die freimüthige , herzige Therese ... Sie die Freundin seiner verlorenen Schwester ... Gräber ! Gräber - ! rief es in seinem Innern ... Warum öffnest du sie ... Fliehe ! Fliehe ! Noch ist es Zeit ! rief es auch hier um ihn her ... Durch ein kleines Thor auf das Glacis gekommen , fuhr er am Kloster der Hospitaliterinnen vorüber , wo er schon die Aebtissin , Schwester Scholastika , die geborene Tüngel-Heide , hätte besuchen müssen ... Er widmete ihr einen Sehnsuchtsgedanken an die ferne Armgart ... Immer einsamer und einsamer wurden die Straßen ... Zuletzt gab es nur noch alleingelegene Häuser mit Gärten und Feldern , Fabrikgebäude mit hohen und rauchenden Schornsteinen ... Endlich war die Landstraße erreicht und der ganze Vollgenuß gewährt der ungehindert eingeathmeten kräftigenden Herbstluft ... Benno saß im warmen Oberrock bei offenem Verdeck ... Bald bog der Wagen von der Hauptlandstraße ab ... Kleine Ortschaften , in denen gerade Markt gehalten wurde , boten den buntesten Anblick ... Der Himmel blieb sonnig und dunkelblau ; nur an den Rändern des Horizonts , den die sanften Bergeshöhen abgrenzten , schimmerten die bunten Irisfarben des Herbstes , rosa , gelb und violett ... Der Kutscher sah Benno ' s Wohlgefallen an der schönen Umgebung und rieth ihm zuweilen , zu Fuß einen kürzern Weg durch eine Waldpartie zu nehmen , während er die sich windende Landstraße weiter fuhr ... Aber