, Ihren Namen - Wie geht es der Mutter ? Sie kränkelt ... Siegbert begriff nicht , wie ihm wurde , als er Ackermann in ' s Auge sah . Es stiegen ihm Empfindungen auf , denen er keinen Namen geben konnte . Ganz verloren in die Züge Ackermann ' s und Selma ' s hörte er nicht , daß man ihn um Auskunft über den Stand seines Prozesses bat . Erst Frau von Zeisel mußte ihn erinnern , daß man mit ihm sprach . Er sagte nun : In erster Instanz hat mein Bruder , der diese Angelegenheit mit Eifer verfolgt , unsre Ansprüche , von denen er so fest überzeugt ist , nicht behaupten können . Wir haben verloren . Jetzt ist der Bruder in Angerode , wo wir schon einmal über diese alte Streitfrage Dokumente fanden . Es handelt sich um die genauere Feststellung unsres Stammbaumes . Mein Bruder schreibt mir , daß es ihm gelungen ist , Thatsachen , die ein neues Licht verbreiten , aufzufinden . Schon ist die Appellation im Gange . Wissen Sie , sagte Oleander , daß Propst Gelbsattel , dem ich die hiesige Vikarstelle verdanke , einer der heftigsten Gegner Ihrer Ansprüche ist ? Nicht blos der Propst , sagte Siegbert . Ich fürchte , daß wir alle Welt zu Gegnern haben . Diese bescheidene selbstlose Äußerung bestritt man . Drossel meinte , so müsse es mit allem Unrecht gehen , das durch Verjährung Recht geworden wäre . Er verwünschte dabei die Pfaffen , die Tyrannen , die Advokaten , die Menschenschinder , die verthierten Söldlinge , die Staatsanleihen , Alles durcheinander . Der Apotheker war sehr für den Satz : Jeder ist sich selbst der Nächste ! Frau von Zeisel bedauerte unendlich , daß es der schönen Melanie nicht mehr möglich sein würde , fast alle Tage ein andres Kleid anzuziehen , allein darum gönne sie doch Herrn Siegbert Wildungen ein Vermögen , das sicher einem Halbdutzend großer Rittergüter gleichkäme . Die Erwähnung Melanie ' s , der Übergang auf ihre Anwesenheit in Hohenberg , die Nachfrage wegen ihrer wieder abgebrochenen Verlobung mit dem Stallmeister Lasally , der hier durch sein mürrisches Benehmen Alle verletzt hatte , die lächelnden Mienen über Melanie und den Fürsten , alles Das war ein Durcheinander , das für Niemand chaotischer und unbehaglicher wurde als für Selma . Siegbert , Louis , Alle wurden ihr in diesem Augenblicke verhaßt . Es kreischte um sie her wie von Dissonanzen . Das war Alles unaufgelöst widerlich . Wahrhaft frei fühlte sie sich von einem lästigen Drucke , als man in diesem Tumult aufstand und sie sich an den Vater hängen konnte , dem sie zuflüsterte : Fort ! Fort ! Vater ! Hier ist es erstickend ! Die Brust zerspringt mir ! Ackermann küßte ihre brennende Stirn und sagte in mildem Tone : Gewöhne dich , Kind , an Rechnungen , die nicht aufgehen ! Ich fühle dir das Peinliche solcher Dinge , die du alle nur halb verstehst , wohl nach . Das Leben ist so ! Es ist aus Gegensätzen und unvermittelten Widersprüchen zusammengesetzt . Wenn man so sieht , daß Alles anders ist , als man es gern haben will , möchte man verzweifeln und in die Wildniß fliehen . Nach den gesegneten Mahlzeiten , die man nun , weingeröthet , speisenduftend , gegenseitig sich noch wünschte , wurde Kaffee gereicht und manches vertrautere Wort gesprochen . Frau von Sänger rechnete darauf , jetzt auch von dem jungen Maler einige Vortheile der Unterhaltung zu ziehen und war nicht wenig verstimmt , als dieser nur mit Louis allein zu sprechen Lust zeigte . Sie ging ohne Zwang Beiden nach und duldete nicht , daß sie sich isolirten . Zu ihrem Verdrusse hörte sie hier , daß Siegbert nicht einmal mit ihnen nach Randhartingen zurückfahren , sondern die Nacht , wie schon zwischen ihm und Louis verabredet war , auf dem Schlosse bleiben würde . Für morgen erst versprach er ihr seine Aufwartung zu machen . Himmel , sagte sie , man ist hier so verlassen von Menschen , die uns einmal über das Gewöhnliche hinwegführen , daß Sie sich nicht wundern dürfen , wenn ich Ihnen gestehe , ich dulde Ihr Hierbleiben nicht . Nein , nein ! sagte Siegbert lächelnd . Ich muß mich vor dem Reize , Sie zu erobern , bewahren . Keine Eroberung ! erwiederte die hübsche junge Frau . Nur Nächstenpflicht ! Haben Sie sich einmal verschlagen in eine Gegend , wo nur Wilde wohnen , so müssen Sie sich Denen widmen , die Sie zähmen sollen ... Siegbert konnte die pikante kleine vertrauliche Unterhaltung nicht fortsetzen , denn Ackermann , der auf ein Kanapé sich niedergelassen hatte , richtete einen so bedeutungsvollen , theilnehmenden Blick zu ihm hinüber , daß er sich losmachte und zu ihm entschlüpfte . Frau von Sänger erfuhr von Louis , daß Beide , er und Siegbert , die Absicht hätten , gemeinschaftlich nach dem Forsthause zu wandern . Das Wetter wäre schön . Gegen fünf Uhr wollten sie wieder zurück sein . Siegbert würde dann auf dem Schlosse über Nacht bleiben und am Morgen eine Gelegenheit suchen , nach Randhartingen zurückzukommen . Dies war genug , um Frau von Sänger zu bestimmen , Siegbert nachzuspringen und ihm zu sagen , daß er ihren Wagen , der in der Schloßremise stünde , hier behalten und mit ihm morgen nachkommen solle . Sie würde mit ihrem Manne in dem großen Wagen des Herrn Anverwandter fahren . Und ehe noch Siegbert ablehnen , danken konnte , war sie schon ihre langen aufgegangenen Locken schüttelnd zu den Männern hinüber , um diese Anordnung kurz- und rundweg anzuzeigen , es ihren Kutscher wissen zu lassen und sich dann die Locken vor ' m Spiegel als Scheitel zu ordnen . Siegbert erfuhr bei Ackermann , daß Selma schon zu den Kindern des Pfarrers hinüber wäre , wo sie bliebe , bis er einige Geschäfte geordnet und auch vielleicht die neue