. Steinfeld fiel zuerst , und nun gab es keinen Halt mehr . Eins riß das andere mit sich , und das Publikum sah mit einer Art von Grauen zu , wie das scheinbar so glänzende Gebäude dieses vielbewunderten und vielbeneideten Reichtums in sich selbst zerfiel . Noch war kein Jahr vergangen , da war das Ende da – über das Vermögen Felix Ronalds wurde der Konkurs eröffnet . Es war ein finsterer , stürmischer Abend im Spätherbste , mit dicht verschleiertem Himmel und kalten Regenschauern . Im Ronaldschen Hause war alles still und dunkel , nur im Erkerfenster im ersten Stock schimmerte noch Licht hinter dem herabgelassenen Vorhange . Ronald war allein in seinem Arbeitszimmer , morgen sollte er das Haus verlassen , dessen Herr er nicht mehr war , sollte als Bettler von den Trümmern seines einst so unermeßlichen Besitzes gehen . Er konnte ja freilich Europa verlassen und in einem anderen Weltteil wieder von vorn anfangen . Das hatte mancher gethan , der hier gescheitert war , und mancher war wieder emporgestiegen . Dort drüben , in Amerika oder Australien , brauchte man die Leute von rücksichtsloser Thatkraft , da stürzte man sie nicht mit einer » Krämermoral « . Aber es war etwas zerbrochen in dem Manne , der da so düster in dem Sessel vor seinem Schreibtische lehnte , schon damals als er das Marlowsche Haus verließ , um es nicht wieder zu betreten . Bisher hatte ihn das Fieber des Kampfes aufrecht erhalten , jetzt versagten Wille und Kraft . Er hatte Unmögliches versucht , um das Unmögliche zu erzwingen – umsonst ! Edith Marlow war gleich nach der Vermählung ihrer Cousine nach Italien gereist mit einer älteren Verwandten . Sie war noch nicht zurückgekehrt , auch hier wurde erst » das Ende « abgewartet . Ein bitteres Lächeln zuckte um Ronalds Lippen , sie hatte ja recht . Das konnte nicht verziehen und vergessen werden , das konnte nicht einmal ein liebendes Weib verzeihen , und sie hatte ihn ja nie geliebt . Jetzt stand er allein , er hatte Schmeichler und Anhänger besessen in Menge – Freunde nicht . Und sie hatten ihn alle verlassen , die einen mit brutaler Rücksichtslosigkeit , die anderen mit heuchlerischem Bedauern , gegangen waren sie alle . » Hexengold ! « Das unheilvolle Wort war an ihm zur Wahrheit geworden . Er hatte seine Seele dafür verkauft , und es war ihm ja auch zugeströmt in unerschöpflicher Fülle . Da wurde der Bann gebrochen , und da wurde es auch in seiner Hand zu Staub und Asche , er selbst war ihm verfallen , er wußte es . Und nun trat auch eine Gestalt heran , die er kannte , sein einstiger Chef , den er in den Tod gejagt hatte . Raimar hatte seinen ersten Beamten nicht beargwöhnt , er war wohl überhaupt nicht mehr fähig , klar zu urteilen und nachzuforschen , nachdem er jene furchtbare Entdeckung gemacht hatte : Er fühlte nur , daß seine Ehre rettungslos verloren war in den Augen der Welt , und das ertrug er nicht . Ronald sah ihn noch deutlich vor sich , wie er in sein Arbeitszimmer ging und sich auf der Schwelle noch einmal umwandte . » Gute Nacht , Ronald ! « dann schloß sich die Thür , und man hörte das leise Klirren des Schlüssels , der umgedreht wurde , und Felix Ronald stand draußen und wußte , was da drinnen geschah : Wohl trieb es ihn gewaltsam , sich gegen die Thüre zu stürzen , zu rufen und den Einlaß zu erzwingen , ehe das Entsetzliche geschah , aber da schoß es ihm durch den Kopf , daß dies Entsetzliche ja seine Rettung war . Wenn es geschah , dann hatte ein Schuldiger sich selbst gerichtet , denn es gab nur eine Erklärung , und man fragte und forschte nicht weiter . Dann war die Spur verwischt , die man sonst wohl entdeckt hätte . » Er oder ich ! « Das grausame Wort entschied – und dann fiel der Schuß da drinnen ! Jetzt stand sie wieder da , die Gestalt mit dem stillen bleichen Gesichte , und der finstere , einsame Mann wußte , was sie von ihm wollte , die geraubte Ehre und den reinen Namen für den Sohn , der den Vater jetzt gerächt hatte . Der Tote war oft wiedergekommen in den vergangenen Monaten , sehr oft . Heute kam er zum letztenmal , denn wenn er heute ging – dann ging er nicht allein ! Ronald sprang auf und begann ruhelos im Zimmer auf und ab zu wandern . Er hatte die » romantische Tollheit « der Selbstanklage verhöhnt , wie er den Gedanken an die Nemesis verhöhnt hatte , aber mitten im Kampf und Sturm des Lebens denkt man anders darüber als in der Todesstunde . Jetzt fühlte er , daß er unter einer dunklen , rächenden Gewalt stand . Freilich , was kümmerte es ihn , wenn man hinter ihm her zeterte , er war ohnehin beladen mit dem Fluch aller , die sich nicht rechtzeitig zurückgezogen und nun durch ihn ihre Habe verloren hatten . Er hatte die Menschen und ihr Urteil stets verachtet , und ein Jenseits gab es für ihn nicht . Wenn der dunkle Vorhang fiel , dann war es zu Ende . Langsam trat Ronald wieder zum Schreibtische und nahm aus einem der Fächer ein Bild , das dort monatelang verschlossen gewesen war . Er blickte lange nieder auf das schöne Antlitz , das immer so kalt gewesen war für ihn und doch in Glut und Wärme aufstrahlen konnte für einen anderen . Er haßte jetzt diesen anderen nicht mehr , auch das war vorbei , war erstorben , nur jene Leidenschaft starb erst mit ihm , sie war nun einmal sein Verhängnis gewesen . Als er Edith das letzte Mal sah , da traf ihn jenes furchtbare Wort aus ihrem Munde wie ein Peitschenschlag in das Gesicht ,