wo ein einziges Wort ihn retten kann ? Friedrich , Gott im Himmel , Sie müssen es ja doch sehen , daß es hier keinen Verrath , keine Täuschung gilt , daß nur die Todesangst mich treibt um seinetwillen . Bei der Liebe zu Ihrem Herrn beschwöre ich Sie , helfen Sie mir durch die Posten ! “ Friedrich blickte schweigend auf sie nieder , er sah und fühlte die Wahrheit ihrer Worte , das war wirklich Todesangst , die aus ihrem Antlitz redete , von ihren Lippen flehte , und diese Angst galt seinem Herrn , galt allein dessen Rettung – ein paar große , schwere Thränen rollten langsam aus den Augen des armen Burschen über seine Wangen herab , aber er faßte sein Gewehr nur fester . „ Ich darf nicht , Miß ! Ich kann nicht fort von meinem Dienst hier , könnte ich ’ s aber auch , durch unsere Posten kommen Sie nicht und wenn – und wenn es meinem Herrn das Leben kostet . Sehen Sie mich nicht so an , bitten Sie nicht ! Beim Herrgott oben , ich kann nicht anders ! “ Jane wich zurück und ließ seinen Arm fahren , damit sank die letzte Hoffnung , das Gebot der Pflicht war für Friedrich stärker , als selbst die leidenschaftliche Liebe zu seinem Herrn – Atkins hatte Recht , sie waren furchtbar diese Deutschen , mit ihrem eisernen Pflichtgefühl . „ Also Walther ist verloren ! " sagte sie matt . Friedrich machte eine heftige Bewegung . „ Versuchen Sie mich nicht weiter , Miß ! Friedrich Erdmann ist kein Verräther ! " Jane zuckte zusammen bei dem Worte , ihre Augen öffneten sich weit und schreckensvoll . „ Was ist das für ein Name ? Wie heißen Sie ? “ „ Erdmann ! Wußten Sie das nicht , Miß ? Freilich , Sie haben mich nur immer Friedrich rufen hören . “ Jane stützte sich auf das Postament der Statue , ihre Brust hob und senkte sich stürmisch , ihr Auge hing an dem vor ihr Stehenden mit einem Ausdruck , der nicht zu enträthseln war , Schmerz , Angst , Entsetzen , das alles stammte darin , und durch dies alles hindurch etwas wie die Ahnung eines unendlichen Glückes . „ Kennen Sie – kennen Sie einen jungen Handwerker , Franz Erdmann , aus M. , der später nach Frankreich auswanderte , zuletzt in R. war , und jetzt im preußischen Heere dient ? “ „ Was werde ich den nicht kennen ! “ sagte Friedrich betroffen , noch mehr durch den seltsamen Ton der Frage , als durch den Blick . „ Es ist ja mein Bruder , das heißt , mein Pflegebruder , wie man das gewöhnlich so nennt . “ „ Also “ – Jane ' s Stimme erstickte fast in der furchtbarsten Erregung , „ also Sie waren jener Knabe , den die Eltern Erdmanns von Hamburg mitbrachten ? der mit ihm in M. aufwuchs und nach dem Tode der Eltern von dem Pfarrer Hartwig aufgenommen wurde ? Sprechen Sie um Gotteswillen , ja oder nein ! “ „ Freilich war ich es ! “ bestätigte Friedrich , beunruhigt durch das seltsame Verhör gerade in diesem Augenblicke . „ Aber , Miß , woher in aller Welt können Sie das wissen ? “ Jane blieb ihm die Antwort schuldig , sie raffte alle ihre Kräfte zusammen , an der nächsten Frage hing für sie Tod und Leben . „ Und Mr. Fernow ? Auch er wurde beim Pfarrer Hartwig erzogen , wie kam er dorthin ? " „ Nun , ganz einfach , der Herr Pastor nahm uns Beide in einem und demselben Jahre in ’ s Haus . Mich zuerst aus Gnade und Barmherzigkeit , weil mich sonst Niemand wollte , und ein paar Monate später meinen Herrn , seinen Schwestersohn , weil ihm Vater und Mutter plötzlich gestorben waren und er sonst keine Anverwandten hatte . Ich war doch nun einmal da , er konnte mich nicht gut wieder fortschicken und so behielt er uns Beide . Gern that er es gerade nicht , und das Brod , was er uns gab , haben wir redlich abarbeiten müssen , ich im Hause , bis ich kein Glied mehr rühren konnte , und mein Herr am Schreibtisch , bis ihm die Feder aus der Hand fiel , er sollte mit Gewalt ein Gelehrter werden und im Anfange machte er doch weit lieber Verse . Nun , das hörte bald auf , der Herr Pastor verstand es , uns scharf zu halten . Gott habe ihn selig ! Mir ist es erst gut gegangen , als er wirklich selig war , und als mein Herr , der sein Erbe wurde , mich bei sich behielt . Wir sind nun bald an die zwanzig Jahre zusammen gewesen . " Jane hatte regungslos zugehört , die Hände gegen die Brust gepreßt , es war ihr , als müsse diese zerspringen , und doch war eine Felsenlast von ihr gesunken . Der Aufschrei des Glückes , der aus ihrem tiefsten Innern hervorbrach , galt er dem endlich gefundenen Bruder oder dem jetzt verlorenen , den sie so lange dafür gehalten – sie wußte es nicht , aber selbst der Gedanke an Walther ’ s Gefahr trat in den Hintergrund für diesen Augenblick , sie wußte nur Eins : der furchtbare Widerstreit in ihrer Seele war gelöst , der entsetzliche Kampf geendet . Was nun auch kommen mochte – die Liebe zu ihm war kein Verbrechen mehr ! „ Friedrich ! " Sie legte die Hand auf seinen Arm , Friedrich aber wendete sich plötzlich von ihr ab und blickte gespannt nach der entgegengesetzten Richtung . „ Was giebt es da ? Lassen Sie mich los , Miß ! In der Grotte drüben ist es nicht geheuer . Wer da ? Gebt Antwort ! “ Es kam keine Antwort , aber Friedrich bedurfte auch ihrer nicht mehr , er