sie auf diese Weise seinen » Krankenbesuch « abzukürzen wünsche . » Er wartet nicht draußen , und wenn auch , er könnte sich das ruhig gefallen lassen – der gute Mann sitzt drüben im Gartensalon und läßt sich seine Flasche Burgunder schmecken , « versetzte er und trat tiefer in das Zimmer – seine Augen glitten über die Wände hin . » Ach , sie da ! Das blaue Boudoir – aufrichtig gestanden , meine ganze Antipathie – ist merkwürdig wohnlich und traulich geworden . Die mattweißen Elfenbeingruppen vor den blauen Atlasbehängen machen einen malerischen Eindruck ; sie beleben das Zimmer , wie die weißen Azaleenbäume dort am Fenster ... Und daß hier auch einmal ein Tisch steht ! – Ja , siehst du , das ist ' s gewesen , was mich immer so angewidert hat – dieses stundenlange , sybaristische , faule Versinken Valeries in diesem gleißenden Polsterwerke . « Er warf einen Blick durch die weit zurückgeschlagenen Thür des anstoßenden Salons . » Und wo malst du denn , Juliane ? Ich sehe keinerlei Arrangements – doch nicht in der Kinderstube ? « » Nein , ich habe mir das Kabinett neben meinem Ankleidezimmer dazu eingerichtet . « » Den engen , kleinen Winkel , der , wie ich mich erinnere , nicht einmal eine vorteilhafte Beleuchtung hat ? Wie kommst du auf diese merkwürdige Idee ? « Sie sah im fest und voll ins Gesicht . » Ich glaube , die , welche die Kunst in ihrer Heiligkeit erfassen , haben einige Fühlfäden mehr in der Seele – sie sind sehr empfindlich in unsympathischer , feindlicher Atmosphäre – « » Und ziehen sich beleidigt zurück – das geht gegen meine Ansichten von Damendilettantismus . Ich habe doch recht , wenn ich auch heute dahin bekehrt worden bin , daß es Ausnahmen gibt ... Was soll denn aber nun im Winter werden ? Das Kabinett ist nicht heizbar . « » Im Winter ? « wiederholte die junge Frau in staunendem Schrecken – sie faßte sich jedoch rasch . » Ach so – du hast wahrscheinlich nicht bemerkt , daß im Rudisdorfer Gartensalon ein prächtiger Kamin steht – trotz der Glasfront läßt sich der große Raum doch sehr gut heizen , und wird es je zu kalt , dann bewohne ich mit Ulrike in der Bel-Etage ein hübsches , warmes Eckzimmer , das du nicht kennst . « Eine tiefe Gereiztheit glomm in dem Blicke , welchen er an der vollkommen ruhig dastehenden Gestalt seiner jungen Frau niedergleiten ließ – nur an dem Heben und Senken des Busens konnte er bemerken , daß sie in fast atemloser Spannung sprach . » Sitzt die Schrulle wirklich so fest da drin ? « fragte er langsam , und berührte mit dem Zeigefinger leicht ihre weiße Stirn . » Ich weiß nicht , was du mit diesem Worte bezeichnen willst , « versetzte sie , mit kühlem Ernste zurückweichend – sie strich unwillkürlich über die Stelle , die er berührt hatte , als gelte es , einen Makel wegzuwischen . » Für Schrullen ist mein Kopf wohl noch zu jung – ich nehme mich auch sehr in acht vor dem innerlichen Kajolieren irgend einer kleinlichen , einseitigen Liebhaberei ... Du brachtest aber diese › Schrulle ‹ in Verbindung mit meiner Rückkehr nach Rudisdorf – ist sie nicht unser beider Wunsch und Wille ? « » Ich meine , dir heute bereits das Gegenteil versichert zu haben , « sagte er – es war ein angenommener Gleichmut , mit dem er die Achseln zuckte – sie wußte , daß er bei dem nächsten widerspruchsvollen Wort ihrerseits auffahren würde , aber sie ließ sich nicht einschüchtern . » Zuerst allerdings , « gab sie zu ; » aber später , im Beisein der Herzogin , hast du dich vollkommen einverstanden erklärt – « Er lachte auf , so bitter und schallend , daß sie erschrocken verstummte . » Ich glaube wohl , daß es deinem verletzten Stolz und Hochmut eine köstliche Genugthuung gewesen wäre , wenn ich in jenem deinerseits wirklich an den Haaren herbeigezogenen Moment erklärt hätte : › Diese Frau will sich um jeden Preis von mir losmachen – ich bitte sie aber fußfällig , mich nicht zu verlassen ; sie wirft mir alles , was ich ihr biete , vor die Füße , und kehrt lachenden Mutes in ihre alte Armut und Entbehrung zurück , lediglich um sich – zu rächen ! ‹ ... Schöne , junge Frau , eine solche eklatante Revanche vor solchen Ohren , wie sie heute begierig auf jedes deiner Worte lauschten , gestattet kein Mann seiner Frau , selbst wenn er – sie lieben sollte . « Lianes heiße Wangen erblaßten vor innerer Aufregung – sie war tief beleidigt – auf seine letzten Worte hörte sie gar nicht mehr ; sie wolle sich rächen , hatte er gesagt . » Mainau , ich bitte dich ernstlich , nicht in so ungerechter und verletzender Weise vorzugehen , « unterbrach sie ihn mit fliegendem Atem . » Rache ! Ich habe dieses Gefühl nie kennen gelernt und weiß bis zu diesem Augenblicke nicht , in welcher Weise es wohl die Menschenseele erschüttern mag ; aber ich denke mir , jeder Racheanwandlung muß wohl eine Leidenschaft vorangehen , und ich wüßte nicht , daß mein Aufenthalt in Schönwerth eine solche , sei es nach welcher Richtung hin , in mir erweckt hätte ... Der Hofmarschall hat mich oft tief gekränkt – ich habe dir aber selbst erklärt , daß ich den Kranken in ihm berücksichtige und soviel wie möglich seine Angriffe mit ruhigem Blute zurückweise ... Und dir gegenüber ? Wie könnte ich Kränkungen rächen wollen , die keine sein sollen und deshalb für mich auch keine sind ? – Wir können uns beiderseits kein tiefes Weh zufügen . « » Juliane , hüte dich ! In diesem Augenblicke ist jedes deiner Worte ein wohlüberlegter Messerstich – du weißt es sehr genau , daß du verbittert