organisieren militairischen Macht gegenüber , unser Unternehmen ein vollständig verfehltes sei . Wir hatten ja nicht einmal die Genugthuung , dasselbe eine Revolution , eine Volksbewegung nennen zu hören , sondern als Emeute und Krawall bezeichnete man Das , für was wir , erfüllt von erhabenen , edlen Zwecken , jede Aussicht auf eine Stellung in der menschlichen Gesellschaft hingegeben hatten . Als lorbeergekrönte Freiheitshelden hofften wir aus dem schweren und erbitterten Kampfe hervorzugehen , und zu einer Rotte Hochverräther und Störer der öffentlichen Ordnung waren wir herabgesunken . – In dem dichten Gewühl von Leuten , die theils mit in unsern Ruf einstimmten , theils nur von Neugierde auf die Straßen hinausgetrieben worden waren , wurden wir bald von einander getrennt . Viele , den unglücklichen Ausgang vor Augen , begaben sich an demselben Abend noch auf die Flucht ; Andere fanden in bekannten Häusern ein vorläufiges Unterkommen , und wieder Andere fielen den Behörden in die Hände und sahen einer lebenslänglichen Haft und , als mit den Waffen in der Hand ergriffene Hochverräther , vielleicht einer noch schwereren Strafe entgegen . Zu den Letzteren gehörte auch ich . In der Nähe der Hauptwache , welche in unsere Gewalt zu bringen unsere erste Aufgabe sein sollte , hatte mich ein schwerer Schlag , ob mit einem Knüttel , oder mit einer Muskete , ich entsinne mich dessen nicht , betäubt niedergeworfen . Als ich wieder einigermaßen zur Besinnung gelangte , befand ich mich in einem verschlossenen Wagen , der in schnellem Trabe eine lange Straße hinunterfuhr . Neben mir saßen ein Polizist und ein Soldat . Ich nahm mir nicht die Mühe , zu fragen , was man mit mir beabsichtige , ich errieth es leicht , und außerdem würde man mir schwerlich eine Antwort ertheilt haben . Die Folgen des Schlages hinderten mich anfangs , klar zu denken . Erst als der Wagen hielt und ich unter militairischer Bedeckung in ein großes , düsteres Gebäude geführt und demnächst in ein enges dunkles Gemach , dessen einziges kleines Fenster mit eisernen Stäben vergittert war , eingesperrt wurde , erwachte ich zum vollen Bewußtsein meiner Lage . » Gefangen , auf lange Jahre , auf Lebenszeit im engen Kerker eingeschlossen , « stöhnte ich verzweiflungsvoll , indem ich in die Kniee sank . » Gefangen , der Freiheit beraubt ; abgesperrt von der freien Luft , von dem Verkehr mit andern Menschen ! Mörder meines Glücks ! Mörder meiner Johanna ! « rief ich zerknirscht aus , und Thränen ohnmächtiger Wuth über mich selbst und mein unüberlegtes Handeln entstürzten meinen Augen . » Johanna ! arme , unglückliche , meinen ehrgeizigen Plänen geopferte Johanna ! Johanna , vergieb mir , daß ich noch lebe , nicht von einer mitleidigen Kugel tödtlich getroffen wurde , eh ' man mich zu meiner und Deiner Schmach als Verbrecher brandmarkte und einem furchtbaren Loose entgegenführte ! « Alle meine kühnen Hoffnungen , alle meine phantastischen Pläne waren vergessen und vernichtet . Mit dem Fehlschlagen des tollen Unternehmens war auch mein Lebensglück zertrümmert worden ; ich fühlte es ; hatte ich doch die Folgen des Mißlingens vorherberechnet , jedoch in meiner Vermessenheit nicht an die schreckliche Möglichkeit geglaubt . Verzweiflungsvoll und gemartert von den entsetzlichsten Gewissensbissen wälzte ich mich auf dem Boden meiner Zelle . Nicht an mich dachte ich mehr ; aber an Johanna , deren Leben ich vergiftet ; an Johanna , deren Liebe zu mir ihre Lebensfrage ; an Johanna , die arme verlassene Waise , die so hingebend , so zuversichtlich erwartete , in mir ihr ganzes Lebensglück zu finden , und deren Hoffnungen ich so schmählich getäuscht , in meiner unverantwortlichen Verblendung gleichsam mit der Wurzel aus ihrer Brust herausgerissen hatte , um sie an den zurückgelassenen Wunden langsam verbluten zu lassen . » Johanna , vergieb mir ! « stöhnte ich dem Wahnsinn nahe . Um mich her war es dunkel , aber indem ich den theuern Namen aussprach , glaubte ich die arme , um ihr irdisches Stück betrogene Braut vor mir zu sehen . Eine himmlische Glorie umgab ihre zarte Gestalt ; ihre milden , blauen Augen hatte sie mit dem Ausdruck sanften Vorwurfs auf mich gerichtet und auf ihren Wangen brannte feuriger , denn je , die unheimliche Röthe . » Johanna , vergieb mir ! « keuchte ich angstvoll ; meine Arme nach dem Gebilde meiner krankhaft aufgeregten Phantasie ausstreckend , und statt Ihrer erblickte ich meinen greisen Vormund , der sich , Kummer und Schmerz auf seinen gealterten Zügen , von mir abwendete . Ich schloß die Augen , um die Erscheinungen , die jetzt zu lauter drohenden Schreckgestalten für mich wurden , fern von mir zu halten ; allein vergeblich . Furchtbarer , verzerrter und dabei doch kenntlich stürmten sie auf mich ein . » Gefangen , « summte es mir in den Ohren , » gefangen auf Lebenszeit , gefangen bis an ' s Ende Deiner Tage ! « » Johanna ! « seufzte ich noch einmal vor mich hin , wie um durch den mir heiligen Namen die Gespenster meiner Einbildungskraft zu verscheuchen , dann verließen mich wieder meine Sinne . 11. Capitel . Im Kerker Elftes Capitel . Im Kerker . » Gefangen , « welch schreckliches Wort , welche vernichtende Gedanken reihen sich an diesen einzigen Begriff . Gefangen , auf Lebenszeit der Freiheit beraubt , wie entsetzlich , ein solches Urtheil zu vernehmen . Nur verstohlen lugt das Tageslicht durch das kleine vergitterte Fenster herein , und dumpf schlägt das summende Geräusch des lebhaften Verkehrs in den Straßen an das ängstlich lauschende Ohr . Wie die Minuten so langsam verrinnen , wie die Stunden so endlos erscheinen ! Wie viel Minuten hat die Stunde ? Nie viel Stunden der Tag , wie viel Tage das Jahr und wie viel Jahre zählt das Leben ? Ist es denn möglich , solche Marter zu ertragen ? Es kann nicht sein ! Nackte Wände umgeben mich ; hier steht mein hartes