Gartens . Die Scheuern lagen freilich in Trümmern , aber was 240 tat das ? Und wie sie so dastand und mit nimmersatten Blicken das Haus umfaßte , da flammte Licht auf hinter zwei Fenstern , und sie schauten zu ihr herauf wie zwei grüßende , treue Augen . Es waren seine Fenster . Aber die junge Frau sah keinen Gruß darin . Die schreckliche Angst , die beim Anblick des unversehrten Hauses von ihr gewichen war , stieg jäh aufs neue empor in ihrer Seele . Wie kam es denn , daß in seinem Zimmer Licht war , dort unten lohte doch noch immer die Glut ? Er wäre im Hause , wo seine Hilfe noch so nötig war ? Nein , nimmer – oder er – – Hinunter ! Hinunter – nur sehen – nur von weitem sehen , ob er lebt , ob er gesund ist . » Das Leben hängt an einem Faden « , klangen Johannes Worte von vorhin in ihren Ohren . » Herr Gott im Himmel , sei barmherzig , strafe mich nicht so ! « An der Gartenpforte blieb sie stehen . Was wollte sie denn hier ? Dort unten war heute ihr Abgesandter eingekehrt und hatte ihm klingendes Geld geboten für die Freiheit . Ach , Freiheit ! Was hilft sie dem Menschen , wenn das Herz in Ketten und Banden geblieben ist ? Und sie lief unter den dunklen Bäumen des Gartens dahin , um den kleinen Teich , auf dessen Fläche ein schwacher rosiger Schimmer des verlöschenden Brandes sich spiegelte . Nun war sie unter den Kastanien und sank erschöpft auf einen Gartenstuhl nieder . Dicht vor ihr , nur über den Kiesplatz hinweg war das 241 Haus , und aus dem Gartensaal schimmerte mattes Licht . Da droben hinter seinen Fenstern war der helle Schein erloschen . Vom Hofe scholl noch lautes Rufen und Lärm herüber , Wagen wurden geschoben , Pferde ausgespannt , der scharfe zischende Ton eines Wasserstrahles dazwischen . Trudchen zitterte , eine furchtbare Mattigkeit war über sie gekommen , in ihren Schläfen pochte das von Angst und raschem Lauf empörte Blut . Der Brandgeruch benahm ihr fast den Atem . Und dort saß sie unbeweglich und schaute auf die Treppe , die zum Gartensaal führte . Stufe um Stufe verfolgten ihre Augen und blieben an der Tür hängen . Dort hinauf ! Dort hinein ! pochte das Herz , aber wie mit eisernen Klammern hielten Stolz und Scham sie fest . Allmählich war es stiller geworden auf dem Hofe . Dann näherten sich Schritte , feste , elastische Schritte . Mit raschem Griff packte Trudchen den Hund am Halsband . » Kusch , Diana ! « rief sie , heiser vor Schrecken . Und nun trat eine Gestalt in den hellen Schein der Fenster und ging , nahe an ihr vorüber , ins Haus hinein . Franz ! Er lebt – Gott sei Dank ! Aber er war verletzt , er preßte den Arm so sonderbar an sich . Ja , er lebte ! Und nun , nun konnte sie wieder gehen , still und unbemerkt , wie sie gekommen war . Dort innen waren ja Hände , die ihn verbinden würden , die – Wie ein Schüttelfrost jagte es wieder durch ihren Körper . » Komm ! « sagte sie zu dem leise winselnden Hunde . Sie stand auf und wollte in den dunklen Gartenweg biegen , aber das Tier zog ungestüm dem Hause zu , und als wisse sie nicht , was sie tun solle , ging sie vorwärts neben ihm . Jetzt stand sie vor den Stufen , nun trat ihr Fuß schon darauf . Nur einen Blick dort hinein ; nur sehen , ob er sehr leidet , daß er wirklich lebt . Und das ungeduldige Tier noch fester packend , kam sie mit unhörbarem Schritt über die Steinfliesen . Nun lehnte sie an der Türpfoste und spähte durch die Scheiben in zitternder Aufregung , scheu wie ein Dieb , sehnsüchtig wie ein Kind am Weihnachtsabend . Das Zimmer wie sonst , die Tapeten , die Bilder , alles , wie sie es verlassen hatte . Darinnen Menschen , die geschäftig hin und her eilten , und am Tische dort vor der Lampe , da saß er , das Gesicht voll der Tür zugewandt , schmerzverzogen und blaß . Und neben ihm , sich über ihn beugend , mit der ganzen bezaubernden Anmut einer sorgenden besorgten Frau , das kleine flinke Geschöpf im schwarzen Kleidchen und weißer Schürze , das Schlüsselbund im Gürtel , seinen Arm verbindend . Wie geschickt sie den Leinwandstreifen legte , mit wie spitzen , behenden Fingerchen sie die Binde befestigte , wie ihr dunkles Haar fast sein Antlitz streifte . Und das mußten andere Hände tun wie die , die hier draußen sich ineinander rangen ? 243 Da winselt es freudig neben ihr und reißt sich los mit gewaltigem Ruck von ihren zitternden Fingern , und der Hund springt gegen die Tür , daß sie klirrend erbebt . In schreckensvoller Hast wollte sie fliehen , aber sie fand nicht Kraft . Der Boden schien unter ihren Füßen zu schwanken . Mit vergehenden Sinnen hörte sie noch , wie die Tür hastig aufgerissen wurde . Dann schwand ihr das Bewußtsein . Trudchen erwachte , als eben der Tag zu dämmern begann , aus tiefem traumlosen Schlaf . Sie war nicht krank , und sie wußte ganz genau , was mit ihr vorgegangen war gestern abend . Sie lag in Tante Rosas Zimmer auf dem Sofa . Über ihr lächelte die Urahne in der Puderfrisur , und das ganze rosenbekränzte , wunderliche Zimmerchen stand in purpurrotem Morgenschein . Zu Füßen des Lagers auf einem niedrigen Schemel saß ein junges Mädchen in schwarzem Kleidchen und weißer Schürze . Der dunkle Kopf war gegen die Sofalehne gesunken . Die Kleine schlief süß und fest . Leise erhob sich die junge Frau . Man hatte ihr gestern abend die durchnäßten